Ten Hag sagt den Bayern ab: «Bleibe diese Saison bei Ajax»

Der Trainer von Ajax Amsterdam will nicht zu Bayern München. Wir zeigen, wer jetzt noch auf der Liste des deutschen Meisters steht.

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Er galt als einer der Favoriten auf den Posten des Cheftrainers beim FC Bayern München. Aber jetzt hat sich Erik ten Hag selbst aus dem Rennen genommen. «Ich kann bestätigen, dass ich in dieser Saison bei Ajax bleiben werde. Ich fühle eine Verbindung zu den Spielern und zu vielen Leuten im Verein», sagte der Coach von Ajax Amsterdam am Montagabend auf einer Pressekonferenz in London. Ajax sei ein «fantastischer Verein». Die Holländer spielen am Dienstagabend in der Champions League beim FC Chelsea.

Ten Hag war nicht nur wegen seiner letzten Saison einer der meistgenannten Kandidaten für die Bayern; er führte Ajax in den Halbfinal der Champions League. Der Holländer kennt auch München, er trainierte zwischen 2013 und 2015 die zweite Mannschaft der Bayern.

Nun ist sein Name vom Karussell. Wir zeigen, welche Trainer jetzt noch auf der Liste der Bayern stehen dürften – was für und was gegen sie spricht.

José MourinhoVereinslos, zuletzt bei Manchester United

Es scheint irgendwie absurd, fast unvorstellbar. Aber das Gerücht ist entstanden und wird dadurch befeuert, dass der Portugiese offenbar täglich zwei Stunden im Deutschunterricht verbringt. Mourinho ist seit seiner Entlassung bei Manchester United im Dezember 2018 vereinslos und vor allem als TV-Experte mit klarer Meinung tätig. Die Erfolge sprechen für ihn, bereits drei Teams führte er zum Champions-League-Titel, ohne dass diese zu den Topfavoriten darauf gehörten.

Doch Mourinho ist Mourinho, ein schwieriger Charakter, oder in seiner Wortwahl: der Special One. Zudem ist der 56-Jährige ein Trainer mit einem eher pragmatischen Stil, das wird dem Münchner Publikum schnell langweilig. Und Uli Hoeness? Der Noch-Präsident gilt nicht als grosser Fan Mourinhos, sagte einmal, der Portugiese habe Manchester United kein Stück weitergebracht, ausserdem konzentriere sich alles immer nur auf ihn.

Massimiliano AllegriVereinslos, zuletzt bei Juventus Turin

Auch der Italiener geniesst momentan eine Auszeit. Hat er sich auch redlich verdient, nach zuletzt fünf italienischen Meisterschaften in Folge und zwei Finalteilnahmen in der Champions League. Diese Leistungen und seine Arbeitslosigkeit machen Allegri in den Medien bereits zum Kandidaten bei den Bayern, schliesslich gehört zum Club von Weltformat auch ein Trainer von solchem.

Mit den Italienern tun sie sich aber schwer in München. Ausser der Betroffene heisst Luca Toni und ist Stürmer. Carlo Ancelotti wurde in und vor allem nach seiner Zeit als Trainer (2016–17) trotz Meisterschaft angekreidet, er sei emotionslos und finde den Zugang zur Mannschaft nicht. Zudem sprach er kein Deutsch und schlecht Englisch. Das trifft auch auf Allegri zu.

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Ralf RangnickHead of international Relationships bei RB Leipzig

Die «Bild» findet: «Die Professor-Lösung». Ralf Rangnick gilt als Meisterhirn im deutschen Fussball, RB Leipzig und Hoffenheim verdanken ihren Aufschwung nicht nur dem Geld, sondern auch Rangnick. Momentan ist er im Red-Bull-Komplex als Head of International Relations and Scouting tätig. Heisst: Er sorgt dafür, dass es junge Talente aus den Aussenstellen in Ghana, den USA und Brasilien zu Leipzig schaffen.

Diese Nähe könnte zum Problem werden. Zumindest in der Fankurve. Rangnick müsste wohl einiges an Überzeugungsarbeit leisten, denn dass Red Bull seinen Weg in den deutschen Fussball gefunden hat, erfreut abgesehen von den RB-Anhängern fast keinen. Auch die Bayern-Fans protestierten schon des Öfteren gegen das Projekt, an dem Rangnick massgebend beteiligt ist. Und wie bei Mourinho hat Hoeness eine klare Meinung: Rangnick versteht nicht mit Höhenluft umzugehen. «Er hat bisher immer im ersten Jahr Erfolg gehabt, im zweiten wurde er dann entlassen», sagte er vor einigen Jahren.

Mauricio PochettinoTottenham Hotspur

Der Tottenham-Trainer hat im Frühling angekündigt, bei einem Champions-League-Triumph den Verein zu verlassen, dann sei er schliesslich am Ziel. Bekanntlich wurde daraus nichts, und der Argentinier ist noch immer in London. Für einen Trainer schon ausserordentlich lange, er kam vor bald sechs Jahren aus Southampton. Die Zeit bei Tottenham dürfte aber vor dem Ende stehen.

Nach elf Spieltagen steht der Champions-League-Finalist von letzter Saison auf Platz 11 der Premier League, hat unter anderem 0:3 gegen Brighton verloren und ist im Ligacup an Viertligist Colchester gescheitert. Dazu kam das bittere 2:7 in der Champions League gegen die Bayern. Deren Sportchef Hasan Salihamidzic soll sich schon im Sommer mit dem Argentinier unterhalten haben.

Es sind also einige grosse Namen darunter, wenn gewerweisst wird, wer Bayern trainieren soll. Auch die ehemaligen Münchner Xabi Alonso, Miroslav Klose und Mark van Bommel werden genannt. Und sollte all das nicht klappen, dann wartet ja noch Luca Toni. «Luca Toni è pronto», schrieb der Italiener unter den Instagram-Post der Bayern zu Kovacs Entlassung.

Arsène WengerVereinslos, zuletzt bei Arsenal London

Der Elsässer kam im September 1996 als Unbekannter nach London und prägte danach eine Ära bei Arsenal. Seit etwas mehr als einem Jahr ist er nun ohne Verein, was bei Arsenal noch nicht zur Besserung geführt hat. Doch Wenger will zurück ins Geschäft, der Hunger sei immer noch da, verkündete der 70-Jährige kürzlich gegenüber Sky.

Wenger wäre von all den Kandidaten der Erfahrenste, er gilt zudem als einer, der mit jungen Spielern umgehen kann und durchaus probiert, seine Teams attraktiv spielen zu lassen. Und er hat gerade Mourinho, Allegri und Mauricio Pochettino etwas voraus: Er spricht fliessend Deutsch. In Deutschland wird momentan spekuliert, dass Wenger eine Zwischenlösung bis zum Sommer sein könnte, dann wäre eine Verpflichtung von Erik ten Hag schon realistischer.

Thomas TuchelParis St-Germain

Eines ist sich Thomas Tuchel gewöhnt: den Umgang mit Spielern, die gemeinhin als schwierig gelten. Zum Beispiel mit Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang, die ihre Wechsel weg von Dortmund erstreikten oder dies zumindest im Sinn hatten. Oder mit dem Duo Neymar/Edinson Cavani, das sich in Paris gerne mal um die Ausführung von Penaltys stritt. Auch wenn Arjen Robben und Franck Ribéry nicht mehr da sind, ist das eine Erfahrung, die Tuchel in München zugutekommen könnte.

Seit 2018 ist Tuchel in Paris, er war davor ein Jahr ohne Verein und sagte den Bayern ab, weil er da das Angebot von PSG schon auf dem Tisch hatte. Die Bayern mussten umdisponieren und entschieden sich für Kovac. Tuchel wäre wohl nicht abgeneigt, auch um seine Nachfolge in Paris gibt es schon länger Gerüchte, weil der Verein es in der Champions League konstant nicht zustande bringt, um den Titel mitzuspielen. Der 46-Jährige hat noch einen Vertrag bis 2021.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier: (mro)

Erstellt: 04.11.2019, 22:20 Uhr

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