Trainerduell in der Baustelle

Die ambitionierten Vereine Stuttgart und YB sind enttäuschend in die Liga gestartet und müssen im Kader Umbaumassnahmen vornehmen.

Stehen unter Druck: Vladimir Petkovic und Christian Gross.

Stehen unter Druck: Vladimir Petkovic und Christian Gross. Bild: Andreas Blatter, Keystone

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Während des YB-Abschlusstrainings am Mittwochabend in Stuttgart regnet es leicht, die Mercedes-Benz-Arena wird ja gerade bis Sommer 2011 um- und ausgebaut und ist eine riesige Baustelle. Und das passt prächtig zum Startspiel in der Europa League von heute. Die ambitionierten Vereine Stuttgart und YB sind enttäuschend in die Liga gestartet und müssen im Kader Umbaumassnahmen vornehmen. Das Interesse an der Partie hält sich im Schwabenland in überschaubaren Grenzen – in Stuttgart zählt vor allem die Bundesliga, wo es bereits am Samstag gegen Gladbach für VfB-Trainer Christian Gross, den Schweizer Trainer, um viel geht. Bloss rund 15'000 Zuschauer werden derweil heute erwartet, stolze knapp zehn Prozent davon aus Bern – die Vorfreude im Lager der Gäste ist spürbar. «Wir wollen im Europacup wie schon dreimal in dieser Saison eine starke Leistung zeigen», sagt YB-Trainer Vladimir Petkovic, den das Duell mit Gross reizt. «Er ist ein sehr erfolgreicher Trainer, der schon viel erreicht hat.»

Petkovics tolle Bilanz

Das ist nett formuliert von Vladimir Petkovic. Irgendwo im Hinterkopf hat er bestimmt seine tolle Bilanz als YB-Trainer gegen den langjährigen FCB-Coach Gross in Ernstkämpfen: In der Saison 2008/2009 setzten sich die Young Boys in allen drei Duellen sowie im Cup-Halbfinal durch – und stets hatte Petkovic mit seiner mutigen Dreierabwehrkette den Trainerkollegen vor Probleme gestellt. Vielleicht sagte Gross gestern deshalb, es könne ja gut sein, dass die Young Boys nach dem Ausfall Emiliano Dudars wieder mit bloss drei und nicht wie zuletzt immer mit vier Verteidigern antreten werden. Gross lobte Petkovic ebenfalls ausführlich («er ist ein sehr guter Coach»), schliesslich ist ihm bewusst, wie schwer sich sein FCB gegen YB getan hat. Immerhin hatte sich Basel mit Gross 2008 aber im Cupfinal gegen Petkovics Challenge-League-Verein Bellinzona 4:1 durchgesetzt. «Ich freue mich immer auf Spiele gegen Teams, die von Petkovic trainiert werden», sagte er noch. «Ich erwarte ein dynamisches YB.»

Kader voller Nationalspieler

Heute Abend wird es mit den Nettigkeiten vorbei sein, Stuttgart und Gross brauchen dringend ein Erfolgserlebnis. Dabei kann der Trainer wieder auf die Dienste des vier Monate verletzt gewesenen französischen Abwehrspielers Matthieu Delpierre zählen, während die zuletzt sehr enttäuschenden Cristian Molinaro und Zdravko Kuzmanovic vermutlich auf der Bank Platz nehmen müssen. Im teuren VfB-Kader stehen fast nur Nationalspieler, und natürlich hat sich der Bundesligist in der Europa League zum Ziel gesetzt, auch 2011 noch dabei zu sein. «Dafür benötigen wir in der Gruppenphase 10 Punkte», sagte Christian Gross. Und der neue Sportchef Fredi Bobic forderte vom Team nach dem Fehlstart in die Liga mit drei Niederlagen eine heftige Reaktion gegen YB: «Aber wir wissen auch, dass es arrogant wäre, zu glauben, diesen Gegner würden wir einfach locker weghauen.»

Weil der VfB Stuttgart aber stark auf die Bundesliga fixiert ist, könnte es sein, dass die Young Boys heute Abend unterschätzt werden. «Ja, das wäre bei einem deutschen Trainer möglich gewesen», sagt YB-Chef Ilja Kaenzig. «Doch für Christian Gross ist das Treffen mit einem Schweizer Klub speziell. Er wird keinen Schlendrian zulassen.» Schon gar nicht gegen Vladimir Petkovic.

Erstellt: 16.09.2010, 08:27 Uhr

Rätseln über Aufstellung

Im Presseraum der Mercedes-Benz-Arena darf sich am Mittwochabend eine bescheidene Anzahl Journalisten auf die zu vielen Stühle verteilen. Das Interesse der deutschen Medien am ersten Gegner des VfB Stuttgart in der Europa League deckt sich in etwa mit jenem der englischen Presse beim YB-Auftritt in Tottenham – ergo sind bei der YB-Pressekonferenz am Vorabend des Spiels fast ausschliesslich Berichterstatter aus der Schweiz dabei.

Die Young Boys bezogen am Mittwoch bereits gegen Mittag in der Stuttgarter Innenstadt ihr Quartier. Zum Medientermin erscheint Trainer Vladimir Petkovic zusammen mit Christoph Spycher und Marco Wölfli, das erste Traktandum ist natürlich die Verletzung von Emiliano Dudar. Spycher ist froh, konnte man mit der positiven Nachricht, dass der am Sonntag verunfallte Abwehrchef aus dem Koma erwacht und auf dem Weg zur Besserung sei, nach Deutschland fahren: «Das erleichtert uns die Vorbereitung auf das Spiel.» Und Captain Marco Wölfli sagt: «Natürlich denken wir immer auch an Dudar. Auch für ihn wollen wir in der Europa League einen guten Start hinlegen.» Wie immer vor einem YB-Auftritt wollen die rätselnden Journalisten vom Trainer wissen, wie er seine Spieler aufstellt, vor allem in der Abwehr. Und wie immer lässt sich Pokerspieler Petkovic nicht in die Karten blicken. «Bei mir ist alles möglich», sagt er cool, «Alternativen habe ich genug.»

Wölfli findets interessant

Diese braucht er auch, schliesslich fehlen ihm mit dem verletzten Dudar und den gesperrten David Degen und Senad Lulic gleich drei Stammspieler. Petkovic sieht die Stuttgarter vorne besser besetzt als hinten, deswegen ist es möglich, dass der offensive Emmanuel Mayuka für Degen spielen wird. Für Lulic böte sich mit Mario Raimondi ein erfahrener Spieler an. In der Abwehr stellt sich die gewohnte Frage, ob YB mit drei oder vier Mann verteidigt. Aber ob die Defensive nicht doch zu dritt organisiert wird und ob Scott Sutter nach vorne ins Mittelfeld rückt, darüber darf munter spekuliert werden. Wahrscheinlich ist aber bei YB ein 4-2-3-1-System. Marco Wölfli meint dazu verschmitzt: «Es ist doch interessant, wenn man immer so stark über unsere Aufstellung rätseln kann.» Moritz Marthaler

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