United Zürich wird mit 1:17 brutal aus dem Traum gerissen

Der Zürcher Club kündigte den Meistertitel 2018 an, jetzt verliert er zum Saisonstart desaströs – in der fünfthöchsten Liga.

Nicht mehr viele dabei: United Zürich vor der Saison 2018/19. Bild: fcunited.ch

Nicht mehr viele dabei: United Zürich vor der Saison 2018/19. Bild: fcunited.ch

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Es klingt wie zwei Ohrfeigen. 1:17 verlor United Zürich sein erstes Spiel der Saison gegen Chur. Und dann sagt der Trainer des Gegners noch, die Zürcher seien mit dem Resultat gut bedient gewesen. Dabei war United doch einst angetreten, um die Fussballwelt zu erobern. 2010 war es, als sich der Club von Fenerbahçe umbenennen liess und in Pendlerzeitungen doppelseitige Anzeigen schaltete, um den Schweizer-Meister-Titel 2018 anzukündigen. Ein paar Jahre lang träumten sie bei United davon, sich mit dem FCZ und GC in der Nachwuchsarbeit zu konkurrenzieren. Zuletzt wollte der Verein ein Auffangbecken für ehemalige Profis sein. Und jetzt? Erhält er zum Start der 2. Liga interregional zu Hause gegen Chur 17 Gegentore.

Es ist das Endstadium eines Zerfalls. Vom Kader, das vor zweieinhalb Monaten das letzte 1.-Liga-Spiel gegen Gossau bestritt, standen gegen Chur noch fünf Spieler auf dem Platz. Drei davon mit Namen Dzaferi. Kustrim ist seit vergangener Saison (Spieler-)Trainer, Indrit Torjäger und Ferdi Sportchef.

Ein Chaos hinterlassen

Der Verein gehört mittlerweile nicht mehr der Spielergewerkschaft SAFP, sondern dem Arzt Ali Gibreil. «Zuerst verlangten sie einen Fantasiepreis», erzählt Ferdi Dzaferi. Sein Frust über die vorgängigen Besitzer ist deutlich: «Bevor sie übernommen haben, war es ein gut strukturierter Verein.» Nun stehen die neuen Inhaber vor einem Chaos. Die SAFP wollte das nicht kommentieren.

Das Resultat des Durcheinanders ist am Samstag auf der Buchlern klar sichtbar. Sokol Maliqi, Trainer des nächsten Gegners Uzwil, sagte gegenüber «hallowil.ch»: «Diese Mannschaft hat nicht einmal 4.-Liga-Niveau. Es war unwürdig, sich so abschlachten zu lassen.»

Für die Dzaferis ist das keine Überraschung. Weil die Übernahme erst am vergangenen Dienstag besiegelt und damit die Zukunft des Vereins gesichert wurde, fand am Donnerstag das erste Training statt. Bereits zwei Tage später das erste Meisterschaftsspiel. «Weil der Gegner nicht verschieben wollte, haben wir uns überlegt, ob wir Forfait geben sollen», sagt Trainer Kustrim Dzaferi. Für Bruder und Sportchef kam das allerdings nicht infrage: «Sonst hätte es nur wieder Gerüchte gegeben, dass sich United ganz zurückziehen will.» Nur weil am Samstagmorgen noch kurzfristig fünf Spieler aufgeboten werden konnten, hatte United genug Spieler, um anzutreten. Mit dabei: mehrere A- und B-Junioren und ein 43-Jähriger.

Jetzt müssen sie ihre Kontakte nutzen

Die Dzaferis geben sich aber nicht geschlagen. Trainer und Sportchef glauben an den Ligaerhalt. «Auch wenn es schwierig wird», betont Kustrim. Es sei «nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf», um ein anständiges Team zusammenzustellen. Sie wollen jetzt ihre Kontakte nutzen.

Doch wieso tun sie das überhaupt? Wieso zahlen sie Geld für einen Scherbenhaufen? «United Zürich ist mittlerweile eine Herzensangelegenheit. Wir sind aus Altstetten, in der Nähe der Buchlern aufgewachsen», sagt Ferdi. Ausserdem sei die Zukunft von acht Juniorenteams auf dem Spiel gestanden.

Für den Club, der einmal von ganz Grossem träumte, geht es nur noch ums Überleben.

Erstellt: 13.08.2019, 14:14 Uhr

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