VW will Image mit 500 Millionen Euro und Fussball aufpolieren

Volkswagen hat ein Imageproblem. Mit einem massiven Ausbau des Fussballsponsorings will der Autogigant nun wieder zurück auf die saubere Seite.

Sorry, Wolfsburg! Die Pläne von VW im Fussball bewegen sich weit über die deutsche Autostadt hinaus.

Sorry, Wolfsburg! Die Pläne von VW im Fussball bewegen sich weit über die deutsche Autostadt hinaus. Bild: Keystone

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Das Vertrauen hat gelitten. Das Vertrauen einer ganzen Nation in eine Branche, die vielleicht wie keine zweite für das steht, woran man den Aufstieg dieses Landes gerne festmacht: deutsche Wertarbeit. Bald drei Jahre ist es her, als bekannt wurde, dass der deutsche Autobauer Volkswagen an mehr als elf Millionen Fahrzeugen die Motorsteuerung manipuliert hat, um die Abgasnormen zu umgehen.

Bilder: Das war der Abgasskandal von VW

Die Konsequenzen des Dieselskandals beschäftigen die deutsche Autowirtschaft bis heute. 13 Milliarden Euro sollen Nachrüstungen, Korrekturen und Rückzahlungen die Firma kosten. Nur schwer aufgerechnet werden kann der damit verbundene Imageverlust. Im grössten Absatzland USA sind die Werte der einst hochgeschätzten deutschen Autokultur im Keller, in den meisten europäischen Ländern ebenso.

Mehr als 250 Millionen Euro für Fussball

Dem versucht VW nun mit einer gross angelegten Offensive im Sponsoring entgegenzuwirken. Dem Westdeutschen Rundfunk WDR liegt ein internes Planungspapier vor, welches bereits 2015 erarbeitet worden ist und in dem ein Sponsoringaufwand von mehr als 500 Millionen Euro budgetiert ist – mehr als die Hälfte davon für Engagements im Fussball.

Der Fussball ist, gelinde gesagt, ein gewöhnungsbedürftiger Partner für eine Imagekorrektur. Doch VW plant nicht nur im grossen Stil, sondern auch für lange Zeit: Ab 2019 steigt man für mindestens sieben Jahre bis zur WM 2026 beim DFB ein – und hat dort gemäss WDR auch den Riesen Mercedes ausgebremst. Der DFB ohne Mercedes, das ist eigentlich kaum vorstellbar. 45 Jahre dauerte die Zusammenarbeit und dass der Daimler-Konzern nach so langer Zeit aussteigt, muss auch heissen, dass VW massiv investiert hat. «Das Paket, um das es ging, beinhaltete weniger Leistungen als das bisherige. Um es zu bekommen, hätten wir aber deutlich mehr zahlen müssen», sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche unlängst gegenüber der «Welt».

Die EM, eine ideale Plattform

Auch mit der Uefa geht VW langjährige Partnerschaften ein, fungiert in der in diesem Jahr startenden Nations League als Premiumsponsor und will das auch an der EM 2020 bleiben. Das Turnier findet in diversen Städten Europas statt – die ideale Plattform für den internationalen Autoriesen.

Die finanziell aufwendige Offensive auf dem Sponsoringmarkt irritiert Experten. Sei VW doch gezwungen, allein in Deutschland in den nächsten Jahren 30’000 Stellen abzubauen, sagte Marketingexperte Peter Rohlmann gegenüber WDR.

Die Ziele von VW bleiben auch in der Krise unverändert hoch. Bald will man wieder zu den wertvollsten zehn Industriemarken der Welt gehören. Altlasten und schlechte Presse sind dabei nur hinderlich. Zurück auf die saubere Seite soll es gehen – ausgerechnet mithilfe des Fussballs. (mrm)

Erstellt: 17.03.2018, 18:10 Uhr

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