Verletzungen gehören dazu

Richter verurteilen einen Fouler. Eine Premiere.

Der St. Galler Yannis Tafer liegt im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Thun verletzt am Boden. Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller

Der St. Galler Yannis Tafer liegt im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Thun verletzt am Boden. Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller

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Schienbeinkopfbruch, zehn Tage im Spital, drei Monate arbeitsunfähig, nie mehr Fussball spielen. Und das nur, weil er im Mai 2016 auf dem Fussballplatz mit dem Ball auf den Torhüter loslief und von jenem mit gestrecktem Bein im Strafraum empfangen wurde. Die Folge: Penalty, Gelbe Karte – und, eben, der Krankenhausbesuch.

Penalty und Gelbe Karte reichten dem 4.-Liga-Stürmer nicht, er begab sich auf den rechtlichen Weg, nun hat das Wiler Kreisgericht in erster Instanz entschieden: Schuldspruch wegen fahrlässiger Körperverletzung. Das Urteil ist streng, Juristen können sich im Amateurfussball kaum an einen vergleichbaren Fall erinnern. Darum wird das Urteil von manchen als wegweisend gedeutet. Müssen sich künftig Laienfussballer bei jedem Foulspiel vor dem Richter verantworten? War der Schuldspruch so etwas wie ein Warnschuss für alle Amateure?

Eher nicht. In einer Kabine im Amateurfussball riecht es nach Tigerbalsam, Perskindol und anderen Verletzungsvorbeugern. Die Salben mit ihren feurigen Gerüchen sprechen eine klare ­Sprache: Wer Fussball spielt, der weiss um die Gefahr von Verletzungen, er nimmt sie gar ein Stück weit in Kauf. Diese Einwilligung entkräftet gewisse Taten, die im Restleben als rechtswidrig gälten. Darum werden Beinbrüche und Kreuzbandrisse nach wie vor unschöner, aber akzeptierter Teil des Spiels bleiben. Kommt dazu, dass der juristische Weg sehr teuer ist. Der Schuldspruch zeigt aber auch, dass besonders brutale Vergehen bestraft werden und man sich auf dem Rasen nicht alles erlauben kann. Das ist gut so. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2017, 20:39 Uhr

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