Ortstermin am Fussball-Hallenmasters in Winterthur::

Viele Tore, viel Spektakel

Das letzte Profi-Hallen­turnier der Schweiz bietet fliegende Goalies und ein bisschen Copacabana.

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Es ist nicht zu übersehen, welche Sportart hier normalerweise ausgeübt wird. Aber an diesem Wochenende hat der Fussball die Winterthurer Eishalle Deutweg in ­Beschlag genommen. Sechs Schweizer Teams spielen auf dem Kunstrasenfeld um den Sieg. Das einzige Profi-Hallenturnier in der Schweiz feiert sein zehnjähriges Bestehen. Es ist der letzte Anlass seiner Art.

Die unzähligen ­Geschwister, die einmal über die ganze Schweiz verteilt waren, sind alle verschwunden – zu aufwendig die Organisation, zu wenig das Geld, zu gross die Angst vor Verletzungen aufseiten der Teams. Die Winterthurer setzten im Gegensatz zu gewöhnlichen Hallenböden schon immer auf Kunstrasen und machten sich so für die Clubs attraktiv. Doch auch in diesem Jahr laufen vor allem ­Ergänzungsspieler und Junioren auf.

Über 100 Tore

Die Partien dauern zweimal 12 Minuten. Gewechselt wird fliegend – ein bisschen Eishockey ist auch im Spielfluss wiederzuerkennen. Die Spieler springen über die Holzbanden oder benutzen die gefüllten Kanister, die als Gegengewicht hinter diesen stehen, als Ein- und Ausstiegshilfen. Wenn sie nicht auf dem Platz stehen, rufen sie ihren Teamkollegen Anweisungen zu, beklatschen gut ­gelungene Aktionen, schlagen sich die Hände vors Gesicht und leben auch ­gefährlich. FCZ-Ersatztorhüter Novem Baumann wird von einem abgelenkten Ball am Kopf getroffen.

Das Gebotene ist attraktiv, es fallen über 100 Tore. Das ist zum einen auf das kleine Spielfeld zurückzuführen, zum anderen aber auch darauf, dass die meisten Torhüter ihre Position sehr offensiv interpretieren. FCZ-Goalie Da Costa ist dabei bescheiden erfolgreich. Sein Trainer ist trotzdem ein Fan des Hallenfussballs. «Es ist das wahre Gesicht des technisch-taktischen Fussballs», sagt Urs Meier, «du darfst dir keine Fehler leisten, sonst liegt der Ball schon im Tor.» Was seine Mannschaft zeigt, gefällt ihm nicht. Nur eines der vier Spiele gewinnen die Zürcher, im Halb­final entgehen sie auch dem Stängeli nicht (4:10 gegen Schaffhausen).

Zauberfussball mit J. Lo

Trotz der mässigen Resultate sind es die mitgereisten FCZ-Fans, die in der Halle Stimmung machen. «Es braucht ein Team, das einen grossen Namen hat, damit viele Leute kommen», sagt Oliver Kaiser, Geschäftsführer von Pulssport, dem Veranstalter des Turniers. Es wäre auch möglich, neben dem FCZ auch GC und den FC Basel einzuladen, «aber dann bräuchten wir ein anderes Sicherheitskonzept». Das baut an diesem Nachmittag darauf, dass am gesamten Anlass kein Alkohol ausgeschenkt wird. Bei Schneeregen und 3 Grad ist das Turnier ein willkommenes Sonntagnachmittagsprogramm für Familien, mit 2230 Zuschauern ist das Stadion fast voll.

Das Motto des Masters heisst «Zauberfussball vom Feinsten». Ein Credo, das der Speaker immer wiederholt. Dass während jeder Partie mindestens einmal ein Gefühl von Jogo Bonito aufkommt, dafür sorgt das Reglement: Die letzte Minute wird jeweils mit Musik unterlegt. So bringen J. Lo und Pitbull ein bisschen Copacabana in die Eishalle. Es unterstreicht die gelassene, familiäre Stimmung, die an diesem Nachmittag nicht nur auf den Rängen, sondern auch um das und auf dem Spielfeld herrscht.

Zum Ende ist es ruhiger geworden in der Halle. Die FCZ-Fans sind nach dem Halbfinal-Aus wieder nach Hause gereist. Im Final setzt sich Schaffhausen 7:3 gegen Winterthur durch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2015, 22:15 Uhr

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