WM-Affäre: Jetzt wehrt sich Netzer

Nach Franz Beckenbauer geht eine weitere Ikone des deutschen Fussballs in die Offensive. Der ehemalige GC-Star droht mit einer Verleumdungsklage. Seine Kronzeugin wäre seine Frau.

Falls nötig, will Günter Netzer seine Frau Elvira als Kronzeugin aufbieten.

Falls nötig, will Günter Netzer seine Frau Elvira als Kronzeugin aufbieten. Bild: Keystone

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Haben sich die Deutschen die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land mit Schmiergeld erkauft? Der «Spiegel» löste mit seiner Enthüllungsstory «Das zerstörte Sommermärchen» ein gewaltiges Erdbeben in Deutschland aus. Das Blatt legte nun in einer weiteren Ausgabe nach und beruft sich auf den ehemaligen Präsidenten des deutschen Fussballbundes, Theo Zwanziger.

Dieser behauptet, der deutsche Fussballweltmeister Günter Netzer habe ihm gegenüber die Existenz einer schwarzen Kasse im Zuge der Bewerbung für die WM 2006 in Deutschland eingeräumt. «Damit haben wir die vier Asiaten bezahlt», soll Netzer gesagt haben. Der seit Jahren in Zürich wohnende ehemalige Spielmacher der Grasshoppers bestreitet dies kategorisch und will nun gegen Zwanziger juristisch vorgehen, wie die «Süddeutsche Zeitung» und «Sport Bild» übereinstimmend berichten. Netzer war damals als Sportrechtevermarkter Mitglied des Verwaltungsrates des Organisationskomitees der Fussballweltmeisterschaft 2006.

«Sie kann bezeugen, dass Zwanziger lügt»

Netzers Medienanwalt Ralf Höcker bestätigte die Berichte gegenüber der Deutschen Presseagentur. Netzers Anwälte setzten Zwanziger offenbar eine Frist bis Freitag um 14 Uhr für eine Erklärung, künftige Behauptungen dieser Art zu unterlassen. Ansonsten werde Netzer Zwanziger verklagen.

«Entweder er verpflichtet sich, die Verleumdungen künftig zu unterlassen, oder er muss sich vor Gericht verantworten. Die Wahl liegt bei ihm», sagte Höcker auf Anfrage der Deutschen Presseagentur und erklärte weiter, dass Netzers Frau bei dem Treffen im Herbst 2012 mit am Tisch gesessen habe und den Inhalt der Unterredung auch bezeugen könne. Das habe Zwanziger «offenbar vergessen», sagte Höcker. «Sie kann bezeugen, dass Zwanziger lügt.»

Zwanziger bleibt unbeeindruckt

«Ich weiss, dass ich solche Verleumdungen leider noch aufwerte, wenn ich den Rechtsweg beschreite», sagte Netzer der «Süddeutschen Zeitung». «Aber es gibt einen Punkt, an dem man so etwas nicht mehr einfach ignorieren kann. Und der ist jetzt gekommen.»

Zwanziger lässt das ziemlich kalt. «Es ist sein gutes Recht, seinen Standpunkt auf diesem Wege zu vertreten, wichtiger wäre es allerdings, zur Aufklärung beizutragen», sagte der frühere DFB-Präsident ebenfalls gegenüber der Deutschen Presseagentur. «Das ist nicht die erste Unterlassungserklärung, die ich in meinem Leben sehe. Sie waren selten erfolgreich.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.10.2015, 07:36 Uhr

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