Warmlaufen war mal

Kein Land stellt mehr Viertelfinalisten in der Champions League als Spanien. Für zwei von ihnen lief die Vorbereitung in der nationalen Liga beschwerlicher als erhofft.

Atmosphärische Störungen: Superstar Neymar ärgert sich des Öfteren wegen Barças Trainer Luis Enrique (r.).

Atmosphärische Störungen: Superstar Neymar ärgert sich des Öfteren wegen Barças Trainer Luis Enrique (r.). Bild: Keystone

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Es gab Zeiten, da konnten sich Spaniens Grossvereine an den Wochenenden in der nationalen Liga locker warm laufen für die wahren und lukrativen Aufgaben, die ihnen unter der Woche harrten – in Europa, in der Königsklasse. So gross war die Diskrepanz zwischen den Protagonisten und den Statisten im heimischen Wettbewerb, ein Formalitätenstadl. Nun ist alles etwas anders. Aus dem Duo Barça und Real ist ein Trio mit Atlético Madrid geworden, einem Team mit Niveau, das ebenfalls wieder prominent mitspielt in der Champions League. Und in der Primera División gibt es heuer zwei, drei weitere Vereine mit beträchtlichem Störpotenzial, solche, die den Granden das ganze Engagement abfordern.

Einer davon ist der FC Sevilla. Nach jedem finanziell bedingten Aderlass führt er seinem Kader billigeres Personal zu und hat doch weiter Erfolg, gibt sich kaum mal eine Blösse, gerade daheim nicht, im Stadion Sánchez Pizjuán. Der FC Barcelona reiste am Samstag denn auch mit der Gala-Elf nach Andalusien. Luis Enrique gewährte keinem Stammspieler eine Pause, obschon am Mittwoch das Hinspiel im Viertelfinal der Champions League stattfindet, auswärts gegen Paris Saint-Germain. Man gab sich schnell konzentriert, spielfreudig. Nach einer halben Stunde Wirbel führten die Katalanen dank Toren von Lionel Messi und Neymar 2:0 und hätten bald noch höher führen können, wenn der Dritte der Offensivabteilung, der Uruguayer Luis Suárez, nicht mehrmals am Elementarsten gescheitert wäre – am mechanischen Einschieben des Spielgeräts.

Neymars Ärger

Doch dann erlahmten Sturm und Drang plötzlich, und der FC Sevilla verkürzte, glich aus, war am Ende näher dran am Sieg. Warmlaufen geht anders, da wurde über die Massen geschwitzt. Für Gesprächsstoff sorgt nun die Auswechslung Neymars in der 73. Minute. Der Brasilianer war wahrscheinlich der Beste der Seinen gewesen. Und so sah er das selber auch. Nicht zum ersten Mal enervierte sich der junge Mann über eine Auswechslung. Seinen Unmut offenbarte er mit einer sehr italienischen Handgeste, mit der er dem Trainer bedeutete: Was soll denn das? Er warf auch ein bisschen mit den Fussballschuhen um sich, was man auf der gut situierten Bank Barças selten sieht. Als Enrique nach dem Spiel auf die Episode angesprochen wurde, sagte er: «Das sind Nichtigkeiten, kleine Dummheiten, die euch Reporter interessieren. Mich kümmern sie nicht.»

Kümmern dürften ihn aber die verlorenen Punkte. Sieben Spieltage vor Saisonende beträgt Barcelonas Vorsprung auf Real, das den baskischen Aufsteiger Eibar ohne Mühe und mit vielen Ersatzspielern 3:0 bezwang, nun nur noch zwei Punkte. Und zwei Punkte sind in diesem Jahr der vielen Sensationen und des erfreulich häufigen Favoritengestolpers ein bescheidenes Kapital. Die Madrider Sportpresse wähnt die spanische Meisterschaft wieder völlig offen: «Remontad» titelte etwa «Marca», als wäre die Aufholjagd bereits vollendet. Cristiano Ronaldo traf mal wieder mit einem direkten Freistoss, was ihm davor 57-mal verwehrt geblieben war. Eine süsse Erlösung, obschon der Ball auf dem Weg zum Tor von der Mauer abgelenkt wurde und einen ungewollten Richtungswechsel erfuhr. Der Statistik sieht man solche Details ja nicht an.

Atlético Madrid hingegen, am Dienstag Gegner Reals in der Champions League, brauchte alle seine Kräfte und Stars, um dem FC Málaga, dem Tabellensiebten, wenigstens ein 2:2-Unentschieden abzuringen. Und wieder einmal war der Franzose Antoine Griezmann zuständig fürs Zählbare. Er hat in dieser Saison nun bereits 18 Tore erzielt, so viele wie nie zuvor in seiner Karriere. Getroffen hat auch Rückkehrer Fernando Torres, ein Idol des Vereins, der für den verletzten Mario Mandzukic auflief – nur halt ins eigene Tor. Und so mag von den drei spanischen Eliteclubs wohl einzig Real Madrid dem Wochenende Positives abgewinnen. Vielleicht nimmt es daraus gar einen mentalen Schub für die Champions League mit. Vielleicht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.04.2015, 13:41 Uhr

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Primera Division

38. Runde

19.05.Granada - Espanyol1 : 2
20.05.Sporting Gijon - Real Betis2 : 2
20.05.Deportivo La Coruna - Las Palmas3 : 0
20.05.Leganes - Alaves1 : 1
20.05.Sevilla - Osasuna Pamplona5 : 0
21.05.Valencia - FC Villarreal1 : 3
21.05.Atletico Madrid - Athletic Bilbao3 : 1
21.05.Celta Vigo - San Sebastian2 : 2
21.05.Barcelona - Eibar4 : 2
21.05.Malaga - Real Madrid0 : 2
Stand: 21.05.2017 21:48

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Real Madrid382963106:4193
2.Barcelona382864116:3790
3.Atletico Madrid38239670:2778
4.Sevilla38219869:4972
5.FC Villarreal381910956:3367
6.San Sebastian381971259:5364
7.Athletic Bilbao381961353:4363
8.Espanyol3815111249:5056
9.Alaves3814131141:4355
10.Eibar381591456:5154
11.Malaga3812101649:5546
12.Valencia381371856:6546
13.Celta Vigo381361953:6945
14.Las Palmas381091953:7439
15.Real Betis381091941:6439
16.Deportivo La Coruna388121843:6136
17.Leganes388111936:5535
18.Sporting Gijon387102142:7231
19.Osasuna Pamplona384102440:9422
20.Granada38482630:8220
Stand: 21.05.2017 21:48

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