Warten auf den Weihnachtsmann

Die Grasshoppers wollen in ihrer Not wieder einmal auf den Nachwuchs bauen, um zu gesunden.

GC will in der Not wieder ganz fest auf die Ausbildung des Nachwuchses setzen: Stephan Anliker (links) und Manuel Huber (rechts) bei der Pressekonferenz am 27. November. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

GC will in der Not wieder ganz fest auf die Ausbildung des Nachwuchses setzen: Stephan Anliker (links) und Manuel Huber (rechts) bei der Pressekonferenz am 27. November. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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Auf dem Tisch im Heugümper beim Paradeplatz stehen stilles Wasser und Gipfeli. Die Nachricht, welche die GC-Führung am Donnerstagmorgen präsentiert, ist ähnlich prickelnd. Im Kern heisst sie: GC geht in seiner Ausrichtung zurück auf Feld 1 und will in der Not wieder ganz fest auf die Ausbildung des Nachwuchses setzen.

Um zu verstehen, was das bedeutet, lohnt sich ein Blick zurück. Vor dreieinhalb Jahren war es Roland Leutwiler, der seinen Traum von einem neuen GC formulierte, von einer gewinnbringenden Nachwuchsförderung.

Die Strategie ist grandios gescheitert. Oder anders gesagt: Sie wurde gestrichen, als im Frühjahr 2012 der Abstieg nur knapp vermieden wurde. Leutwiler ging, André Dosé kam und mit ihm eine ganz andere Ausrichtung. Die hiess: vorwärts. Der Erfolg kam zurück.

Finanzielle Abgründe

Offenbar aber geschah das zu über­rissenen Kosten. Darum musste Dosé letzten Dezember gehen, und das Chaos brach bei GC wieder aus. «Wir haben einen Imageschaden verursacht», bilanziert Geschäftsführer Manuel Huber im Heugümper.

Am Mittwoch hielten die Owner ihre Generalversammlung ab. Gut und konstruktiv soll die Atmosphäre gewesen sein. Aber was dabei herauskam, bringt nur die Verzweiflung zum Ausdruck, mit der die Führung und Besitzer von heute um die Zukunft von GC kämpfen. «Die sportlichen Ziele wollen wir nicht nach den Ausgaben richten, sondern nach den Einnahmen», sagt Präsident Stephan Anliker.

Wo es bei GC um die Finanzen geht, tun sich fast Abgründe auf. 16 Millionen Franken gab Leutwiler als Budget an. Bald war von rund 20 Millionen die Rede. Jüngst nannte Anliker einen Betrag von «20 Millionen plus/minus 10», also von einer Spannbreite von 10 bis 30 Millionen. Jetzt sagt er salopp: Wenn man wolle, könne man auch von «20 Millionen plus/minus 5» reden.

So ist das bei GC: Mit Zahlen wirft man grosszügig um sich. Ungefähr so grosszügig wie mit dem Geld. Gegen die 30 Millionen betrugen die Aus­gaben allein für die vergangene Saison. Auf einen Betrag dieser Grössen­ordnung kommt man jedenfalls, wenn man von Huber erfährt, dass «ein leichter Überschuss» nur dank der Transfereinnahmen möglich gewesen sei. Diese Einnahmen betrugen dank der Verkäufe von Zuber, Hajrovic, Vilotic, Bürki und Gashi rund 15 Millionen. Es erstaunt darum nicht weiter, dass die Owner von Transparenz nichts halten und sich zum Geschäftsgang nicht äussern wollen.

Quadratur des Kreises

Huber und der neue Sportchef Axel Thoma haben nun den Auftrag, die Rechnung zu optimieren. An einem Ausgabenblock von rund 9 Millionen (für Campus, Nachwuchs und Stadion/Sicherheit) können sie wenig ändern. Es hilft ihnen auch nichts, dass die Matcheinnahmen im Letzigrund karg sind, ganz unabhängig von den Resultaten der Mannschaft.

Ihr Werkzeug sind die Spieler­verträge, die bis anhin Kosten von ungefähr 10 Millionen verursachen. Davon laufen bis nächsten Sommer zehn aus, von Lang, Abrashi, Grichting, Dingsdag, Gülen, Jahic, Ngamukol, Merkel, Kahraba und Sinkala. Gerade Thoma ist gefordert, die Quadratur des Kreises zu schaffen: besseres Personal für weniger Geld zu finden.

Anliker plädiert für Ruhe und Zeit, um zurückzugewinnen, was GC an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren hat. Vertrauen und Glaubwürdigkeit wiederum sollen neue Geldgeber anlocken. Und in «zwei, drei Jahren» (Anliker) sollen neue Junge bereit sein für die erste Mannschaft. Und dann sollen sie einmal so gut sein, um mit Gewinn verkauft werden zu können. Und ja, vielleicht kommt irgendwann der Weihnachtsmann.

Erstellt: 27.11.2014, 22:51 Uhr

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