Warum der Sport ein beliebter Tummelplatz für Milliardäre ist

Die Beweggründe, in den Sport zu investieren, sind für reiche Männer deutlich vielfältiger als die berücksichtigten Sportarten.

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Indonesien wird von den meisten Westeuropäern primär mit Ferien assoziiert. An Millionäre denken sie kaum. Erick Thohir ist so ein Millionär. Der 43-Jährige hat zusammen mit zwei weiteren indonesischen Investoren grossen Gefallen am italienischen Traditionsclub Inter Mailand gefunden. Also kaufte er der Besitzerfamilie Moratti vor einem Monat 70Prozent ihrer Anteile ab. 340 Millionen Dollar bezahlte das Trio dafür und verspricht grosse Investitionen und goldene Zeiten für Inter.

Thohir ist nicht der erste Neureiche aus dem asiatischen oder osteuropäischen Raum, der in einen Sportverein investiert: Ob der Russe Michail Prochorow in der NBA, ein katarischer Emir beim Fussballclub Paris St. Germain oder der Mexikaner Carlos Slim in der Formel 1 und im Fussball, sie alle bringen ihre Millionen bis Milliarden auch in den Sport ein. Der internationale Fussball und die amerikanischen Profiligen interessieren sie besonders. Diese beiden Märkte sind finanziell sehr lukrativ. Gemäss «Financial Times» investierten Sponsoren letztes Jahr allein in den Fussball 4,5 Milliarden Dollar.

Der Durchschnittsbesitzer solcher Vereine aber ist weiterhin ein weisser Europäer oder Amerikaner, oft ein Milliardär. Frauen sind in dieser Welt nahezu inexistent. Am grössten ist die Ballung des Geldes im US-Profisport (siehe Statistik). Im American Football weisen gemäss «Forbes» 17 von 32 Clubbesitzern ein Vermögen von mehr als 1000 Millionen auf. Dass sie sich für ein Engagement im Sport entschieden haben, hat unterschiedlichste Gründe, wie die folgenden Kapitel zeigen.


Finanzielles Interesse
Manchester United wird verschuldet – und floriert

Warm wurde die US-Investorenfamilie Glazer von den Manchester-United-Fans nicht empfangen. Als Geldsäcke wurden die Glazers beschimpft, als sie 2005 den Club übernahmen. Sie würden den Rekordmeister bloss finanziell aussaugen, klagten die Anhänger. Der Ärger war begründet. Um die Mehrheit von ManU übernehmen zu können, setzten die Glazers zu einer fremdfinanzierten Übernahme an. Sie kauften den Club also mit geliehenem Geld und drückten dem zuvor schuldenfreien ManU ein Minus von 700 Millionen Pfund in die Bücher. Um die Zinsen begleichen zu können, ziehen die Glazers jährlich um die 60 Millionen aus dem Clubbudget ab und überweisen sich auch noch gleich ein paar Millionen. Aktuell beträgt die Schuldenlast des Klubs noch knapp 389 Millionen.

Die Rechnung der Glazers ist trotzdem aufgegangen, gilt ManU gemäss «Forbes» doch als eine der wichtigsten Sportmarken der Welt. Auf 3,165 Milliarden Dollar schätzt das Wirtschaftsblatt den Club. Nur Real Madrid (3,3 Mia.) wird von allen Sportvereinen höher gehandelt. Entsprechend gefragt ist Manchester bei Sponsoren und zeigt sich im Geldgenerieren kreativ: 659 Millionen Dollar zahlt General Motors ab 2014, um über sieben Jahre auf den Trikots werben zu dürfen. Die Trainingsshirts sowie die Leibchen bei Überseereisen aber sind mit der Schrift von Aon (Versicherer) verziert. Das bringt ManU 30 weitere Millionen Dollar ein.

Für den Fussballclub aber gilt die gleiche simple Regel wie für alle anderen Sportvereine: Entscheidend ist für das Überleben nicht der Umsatz oder der Markenwert, sondern das Betriebsergebnis sowie die Höhe der Schulden. Bei diesen Kennziffern haben andere Vereine die Spitzenpositionen inne, etwa die Bayern aus München. Der Club ist schuldenfrei und weist gemäss «Forbes» ein aktuelles Betriebsergebnis von 88 Millionen Dollar aus. Steuern, Abschreibungen oder Spielertransfers sind da noch nicht berücksichtigt. Erfolgreich arbeiteten auch die Manager der Dallas Cowboys (Football). Sie erzielten ein Betriebsergebnis von 250,7 Millionen Dollar. Der Schuldenberg der Cowboys beläuft sich jedoch auf 180 Millionen. Selbst für die zugkräftigsten Sportmarken der Welt ist das Geldverdienen also kein Naturzustand.


Staatliches Interesse
PR für Länder mit zweifelhaftem Ruf

Gazprom ist ein russischer Energiekonzern. Gazprom gehört dem Staat. Das Russland von Putins Gnaden geniesst im Westen einen bescheidenen Ruf und damit auch Gazprom – doch der Energieriese deckt ein Viertel des Gasverbrauchs von Europa ab. Gemäss dem Deutschen Bundestag wächst die Abhängigkeit der EU vom russischen Gas bis 2030 auf 60 Prozent. Da kann es dem Riesen keineswegs egal sein, wenn er kritisch beäugt wird. Gazprom entschied sich darum zu einer Charmeoffensive und wählte dafür die Fussballer von Schalke 04. Bis 2017 läuft das Trikotsponsoring der Russen noch. Flankierend wirbt Franz Beckenbauer für die russische Energiewirtschaft und erklärt, warum sich keiner vor seinen neuen Freunden fürchten muss.

Der Millionen-Einsatz lohnt sich: Gazprom ist nach eigenen Aussagen zu einer der bekanntesten Marken der Bundesliga aufgestiegen – und wird keineswegs nur von Schalke-Fans positiv bewertet. Diese Gastfreundschaft will der Staatskonzern nutzen. Er möchte in Zukunft nicht nur Gas nach Deutschland bzw. Europa liefern, sondern auch vermehrt direkt die Endverbraucher bedienen. Nur wenn die Marke Vertrauen geniesst, kann diese Strategie funktionieren.Zur Imagepflege und vor allem dem Befriedigen von Grossmachtfantasien dienen den Russen auch andere Sportengagements. Sie werden in den nächsten Jahren eine Vielzahl an Events inszenieren: Für die Winterspiele vom nächsten Februar verbauen die Russen um Sotschi am Schwarzen Meer 50 Milliarden Franken. Auch in die Fussball-WM von 2018 investieren sie Milliarden. Diese Kraftmeierei wirkt sich zumindest im Ausland nicht zwingend positiv aus, wie Beispiele zeigen. China wurde vor den Sommerspielen 2008 als kompliziertes und gelenktes Land wahrgenommen – und dieses Image herrscht auch nach dem Peking-Anlass vor.


Politisches Interesse
Wenn Frankreichs Präsident mit dem Scheich

Weil der Sport die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft anzieht wie das Licht die Motten, bildet er eine ideale Plattform für Netzwerker. Da solche Treffen eher abseits der Öffentlichkeit stattfinden, sind sie meist nur schwer zu belegen. Eine der bekanntesten neueren Verflechtungen zwischen Grössen aus Politik, Wirtschaft und Sport wurde im Januar ruchbar. Sie betrifft den früheren französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, Uefa-Chef Michel Platini und Öl-Scheich Hamid al-Thani, den Emir von Katar. Bei einem Abendessen im Elysée soll Platini auf Drängen von Sarkozy zugesagt haben, Katar seine Stimme als WM-Ausrichter 2022 zu geben. Das war am 23. November 2010. Neun Tage später erhielt Katar den Zuschlag. Im Gegenzug soll der Emir bereit gewesen sein, Sarkozys Lieblingsfussballclub Paris St. Germain zu übernehmen und ihn mit Millionen aufzupäppeln.

Über einen Mittelsmann kaufte al-Thani kurz darauf tatsächlich den Verein. Katars Tourismusbehörde, ebenfalls von al-Thani abhängig, war in der Folge bereit, bis 2016 gleich 720 Millionen Franken in die Pariser zu investieren. Und das Personal seines Fonds, der den Fussballverein gekauft hatte, erhielt bald nach der WM-Vergabe einen neuen Europachef: Laurent Platini, den Sohn Michels. «Alles Zufall», liessen die Beteiligten wissen. Michel Platini gab zwar das gemeinsame Essen im Elysée und sein Votum für Katar zu, wies jede Form der Kollaboration aber weit von sich. Man muss darum folgern: Die Katarer scheinen die Franzosen einfach zu mögen. Schliesslich haben sie ihr Geld auch in französische Spitzenhotels, Luxuslabels oder in die Flugzeugindustrie gesteckt.


Sportliches Interesse
Weg mit der Statue von Michael Jackson

Als Tom Hicks sich 2007 über den Atlantik traute, trat er gleich einmal in den Fettnapf. Zusammen mit Geschäftspartner George Gillett hatte der Amerikaner den FC Liverpool gekauft. Kaum war er da, sprach er vor entsetzten Fans vom «Franchise der Liverpool Reds». Mit einem dürren Fundament an Reserven und ohne Fussballkenntnisse wollten Hicks und Gillett den sportlichen Erfolg. Sie glaubten wohl, es laufe wie 1999: Hicks hatte gerade die Dallas Stars gekauft, schon feierten sie ihren einzigen Stanley-Cup-Triumph. Mit den Baseballern der Texas Rangers hatte er weniger Glück: Er hatte sich vom sündhaft teuren Alex Rodriguez begeistern lassen.

Auch das Experiment in Liverpool ging so schief, wie es nach dem schlechten Start nur konnte: Die Investoren blieben jeden Beweis schuldig, den Club vorwärtszubringen. Sie waren unbeliebt bei den Fans, die ihre Ausräucherungstaktik durchschauten und nicht wollten, dass ihr Club wie ein US-Franchise geführt wird. Die Pläne für einen Stadionneubau vergilbten zusehends. 2010 endete der Albtraum.

Shadid Khan will aus Fehlern von Investoren wie Hicks und Gillett lernen. Der gebürtige Pakistaner hat in den USA eine Tellerwäscher-Karriere hinter sich, inzwischen ist er 3,8 Milliarden Dollar schwer. Seit zwei Jahren besitzt er das NFL-Franchise der Jacksonville Jaguars und seit vergangenem Sommer in London den FC Fulham. «Es gibt Gemeinsamkeiten zwischen Fussball und Football», sagt Khan, aber: «Es sind zwei ganz verschiedene Angelegenheiten.»

Synergien will er trotzdem nutzen. Fulham reiste vor der Saison zu Freundschaftsspielen nach Florida, um dort seine Marke zu stärken; es wird dies regelmässig tun. Aus demselben Grund verlegen die Jaguars ein Heimspiel pro Jahr ins Wembley-Stadion nach London. Khan will sie als «Europas Footballteam» bekannt machen – ein neu gegründeter Fanclub in England hat schon über 17'000 Mitglieder. Und vor dem Craven-Cottage-Stadion hat Khan eine Michael-Jackson-Statue abmontieren lassen, installiert von Vorbesitzer Mohamed al-Fayed und verhasst bei den Fulham-Fans. Al-Fayed hatte aus den Cottagers das «Manchester United des Südens» machen wollen. Khan will «eine ausgeglichene Bilanz».


Marketing-Interesse
Ob Fussball, Hockey, Formel 1 – die Tradition verschwindet

Herzlich wurden sie nicht willkommen geheissen, die Marketingleute von Red Bull: 2005 tobte in Salzburg ein Kampf um Farben und Symbole, als der Getränkehersteller den schwer angeschlagenen Fussballclub Austria Salzburg übernahm. Die Fans, die Ultras, begehrten auf, doch die neuen Besitzer waren nicht kompromissbereit. «Das ist ein neuer Verein», hiess es. «Es gibt keine Tradition, keine Geschichte, kein Archiv.»

So geht ein Deal mit Red Bull: Das Unternehmen sponsert einen Sportclub nicht, es übernimmt ihn – und bestimmt die Regeln. Ob nun Austria Salzburg, SSV Markranstädt, EHC München oder die Formel-1-Rennställe wie Jaguar Racing und Minardi – steigt Red Bull ein, wird umgetauft und auf Erfolg getrimmt. Ein Drittel seines Jahresumsatzes wendet der Energiedrink-Hersteller für Marketing auf, gegen zwei Milliarden Franken. Weltweit ist diese Zahl einzigartig.

Andere Firmen folgten diesem Vorbild, jedenfalls ein Stück weit: als breit aufgestellter Sponsor. Samsung unterstützt heute 12 Fussballclubs und 7 Nationalteams, von Chelsea bis zum bolivianischen Erstligisten Bolivar, von Weltmeister Spanien bis zu den litauischen Basketballern. Und die Diamond League der Leichtathleten sponsert der Gemischtwaren-Konzern genauso wie die World Cyber Games. Der Wettanbieter bwin.com wiederum ist aus Marketingzwecken langjähriger Trikotsponsor von Real Madrid und unterhält oder unterhielt kostenintensive Partnerschaften mit Grössen wie Manchester United, Juventus Turin, AC Milan, Marseille.Einzig der Stadt Bremen war die Beziehung eines Wettanbieters mit einem Sportclub suspekt. 2006 verbot sie die Zusammenarbeit mit Bundesligist Werder.


Privates Interesse
Wenn die Milliarden auf dem Bankauszug nicht auffallen

Für die meisten Menschen ist es unvorstellbar, jemals drei Milliarden Franken zu besitzen. Für Roman Abramowitsch hingegen war es nicht viel mehr als ein Handstreich, drei Milliarden auszugeben. Für ein einziges Hobby: Chelsea. 2003 stieg der Russe beim maroden Club ein. 140 Millionen kostete ihn das damals. Inzwischen zählt Chelsea zu den grösseren Clubs, aber nicht zu den allergrössten. Einmal, 2012, hat es die Champions League gewonnen. Ein halbes Jahr lang hat das Abramowitsch zufriedengestellt. Dann entliess er Erfolgstrainer Roberto Di Matteo.

Wie reich Mansour Bin Zayed ist, bleibt unklar. «Forbes» listet den Besitzer von Manchester City genauso wenig auf wie Nasser al-Khelaifi, den Präsidenten von Paris St. Germain: In Königshäusern seien die Besitzverhältnisse sehr schwierig abzuschätzen. Im Fall von Mansour Bin Zayed, Spross der Herrscher von Abu Dhabi, schreiben englische Medien allerdings von einem Vermögen von 20 Milliarden Pfund – insgesamt soll er Zugang zu Geld in der Höhe von bis zu einer Billiarde haben. Investitionen in Spieler wie Sergio Agüero, Jesus Navas oder David Silva fallen im monatlichen Bankauszug nicht weiter auf.

Seit 2009 ist Manchester City im Besitz des Pferdenarren, ähnlich wie Abramowitsch klotzte er einen Club mit eher bescheidenen Meriten zur Meistermannschaft. Aber das genügt dem Geldgeber aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht. Als Nächstes versucht er das Experiment, mit dem Fussball in die USA zu expandieren. Gemeinsam mit dem Baseballteam der New York Yankees gründete Manchester City in New York ein Fussballteam, den New York City F. C. Mit offiziellem Franchise ausgestattet, soll dieser ab 2015 in der Major League Soccer spielen.

Erstellt: 21.11.2013, 14:22 Uhr

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(Grafik anklicken für Grossansicht.) (Bild: Forbes)

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