Warum durfte Stefan N. unbehelligt in Nyon auftauchen?

Der bekannte GC-Hooligan reiste mit den Fans an das Auswärtsspiel. Clubpräsident Gurovits will diese Rückkehr nicht als Zeichen werten.

Spielabbruch in Luzern: Stefan N. und sein Gefolge sorgen für ein Chaos. (Video: Leserreporter)

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Etwas isoliert schien Stefan N. schon, als er am frühen Samstagabend den Bus ins Stade de Colovray nahm. Mit grimmigem Blick und alleine lief er voraus. Was zumindest vermuten lässt, dass sein Einfluss in der GC-Kurve gering ist. Oder nicht mehr besteht. Es macht den Anschein, als würde er von der Kurve lediglich geduldet, mehr nicht. Erst vor dem Stadion in Nyon scharte sich ein etwa sieben Personen kleines Grüppchen um N. – der Eintritt blieb ihnen verwehrt, wie der Verein am folgenden Tag bestätigte.

Die Präsenz von N. am Challenge-League-Spiel gegen Lausanne-Ouchy wirft dennoch Fragen auf. Weil die Kurve sich distanzieren wollte von rechtem Gedankengut. Sie tat es, indem sie Transparente aufhängte, indem sie sich mit der Vereinsführung auf den Schriftzug «No To Racism» auf den Trikots der Spieler einigte. Darum will Präsident András Gurovits die Rückkehr von N. auch nicht als Zeichen werten.

Keine Auflagen verletzt

Was N. am Samstag tat, war nicht verboten. Er verletzte weder eine Meldepflicht noch ein Rayonverbot. Er muss der Polizei seinen Aufenthaltsort nicht bekannt geben und darf sich im Umfeld der Schweizer Fussballstadien aufhalten. Nur hinein kommt er nicht, das Stadionverbot dauert bis 2021. Eine Meldepflicht könnte dann in Kraft treten, wenn N. verurteilt wird, die Untersuchung der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern läuft noch.

In Luzern betrat N. – er soll dem Neonazitum den Rücken gekehrt haben – im Frühling dieses Jahres den Rasen. Er galt schnell als Rädelsführer, auch weil er mit dem damaligen Präsidenten Stephan Rietiker und dem damaligen Captain Runar Mar Sigurjonsson diskutierte. Die aufgebrachte Meute forderte die Trikots der GC-Spieler, Sion-Leihgabe Aimery Pinga wurde sogar angegangen und soll rassistisch beleidigt worden sein. Er bestätigte dies Monate später im «Blick», der Freiburger spielt mittlerweile in Andorra Fussball.

Seither soll N., so heisst es aus Fankreisen, nicht mehr im Umfeld von Spielen aufgetaucht sein. Bis am Samstag, als er nach Nyon reiste.


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Erstellt: 02.12.2019, 15:34 Uhr

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