Was der PR-Berater Blatter einflüsterte

Klaus Stöhlker sagt, Sepp Blatter habe sich trotz Rücktritt nicht festgelegt. Die Fifa distanziert sich davon.

Steht er immer noch im Dienst von Sepp Blatter? PR-Berater Klaus J. Stöhlker. Foto: Martin Rütschi (Keystone)

Steht er immer noch im Dienst von Sepp Blatter? PR-Berater Klaus J. Stöhlker. Foto: Martin Rütschi (Keystone)

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Er hat, er hat nicht, er hat . . . ja, er hat. Klaus Stöhlker, das wissen wir seit dieser Woche, hat Sepp Blatter gecoacht, das Mandat soll am 31. Mai ausgelaufen sein. Nur: Seither verteidigt der 74-jährige ­Unternehmens- und PR-Berater mit ­einem Flair für Provokation das Werk Blatters umso lauter und spricht davon, dass Blatter doch noch den Rücktritt vom Rücktritt erklären könnte. «Er hat sich noch nicht definitiv festgelegt», sagt Stöhlker gegenüber dem TA.

Er hat sich nicht festgelegt? Berät er ihn also immer noch? Auf Anfrage distanziert sich die Fifa von den Aussagen Stöhlkers und sagt, er habe kein Mandat mehr. Das sagt auch Stöhlker, doch nicht sagen will er, wann er das letzte Mal mit dem Büro Blatter Kontakt hatte. «Es geht hier um Grosses, um die Zukunft der Fifa. Deshalb sage ich, dass ich von Blatters Leistung überzeugt bin, wenn mich Journalisten fragen. Ich bin unabhängig ­genug, um mir das zu leisten.»

Insider zweifeln Unabhängigkeit an

Diese Unabhängigkeit von Blatter zweifeln Fifa-Insider jedoch an. Stöhlkers Auftritte seien zwar auch PR in eigener Sache, aber nur mit der Billigung des Präsidenten denkbar, sagt einer. Ein Versuchsballon, um die Stimmung zu testen. Doch wie kommt Stöhlker überhaupt dazu, im Fifa-Drama mitzuspielen? Sein offizielles Engagement begann im Januar – in Kontakt sind die beiden aber schon länger.

Die Legende sagt, dass sie sich über Stöhlkers Frau kennen – eine Walliserin. Aber Stöhlker widerspricht. Blatter habe ihn einfach gefragt, ob er seinen Wahlkampf persönlich begleite. Was Stöhlker dabei bewirkte, da gehen die Meinungen auseinander. Er sagt, er habe einen engagierten Wahlkampf ganz auf die 209 Mitgliederverbände ausgerichtet, um deren Stimmen es ging.

Anders sehen das jene, die meinen, einen Wahlkampf habe es nicht gegeben, da Blatter die Stimmen ja auf sicher hatte. Ihnen ist Stöhlker vor allem als Strippenzieher im Hintergrund aufgefallen, der harsche Kritik an der Fifa-Kommunikation übte, während im Vordergrund der Kommunikationschef Walter de Gregorio weibelte und dem Chef riet, sich nicht zu exponieren. Zu seiner Kritik steht Stöhlker: «Ich habe gesagt: Herr Präsident, Sie wären nicht in dieser Lage, wenn die Kommunikation besser wäre. Die Leistung der Fifa wurde zu ­wenig nach aussen getragen.»

Der Draht in Putins Vorzimmer

Es braute sich also ein Richtungsstreit zusammen: Soll der Präsident zurückhaltend kommunizieren, damit er nichts sagt, was ihm vorgehalten werden könnte? Oder müsste er seine Leistung für den Weltfussball offensiver hervor­heben? Bis zu den Verhaftungen im ­Hotel Baur au Lac köchelte der Disput auf tiefer Flamme, de Gregorio und Stöhlker trafen sich nur zweimal, Stöhlker war als persönlicher Berater von Blatter an grossen offiziellen Sitzungen auch nicht anwesend. Für Kopfschütteln sorgte er innerhalb der Fifa bisweilen durch seine selbstsichere Art – etwa als er im Zusammenhang mit der WM 2018 in Russland erzählte, dass er einen direkten Draht in Putins Vorzimmer habe und da Einfluss nehmen könne. Was Stöhlker gar nicht abstreitet, denn «diesen Draht habe ich dank einiger Kunden».

Die Dynamik änderte sich nach den Auftritten de Gregorios im Zusammenhang mit den Verhaftungen, als er eine gute Presse hatte, aber Blatter davon nicht profitierte, im Gegenteil. Stöhlker sagt heute, wie sich de Gregorio mit seiner ­saloppen Art präsentiert habe, das tue man nicht: «Das ist unprofessionell.» Jedenfalls fand Stöhlkers Kritik an de Gregorio zunehmend Gehör im inneren Kreis um Blatter, dessen Büro begann die Kommunikationsabteilung bei Entscheidungen über Presseauftritte zu übergehen. Und schon damals spielten Leute intern mit dem ­Gedanken, Blatter könne vom Rücktritt auch wieder zurücktreten. Als de Gregorio dann die Vertrauensfrage stellte, liess ihn Blatter fallen.

Kommunikationsabteilung wird umgebaut

Für die letzten 6 Monate von Blatters Präsidentschaft werde die Kommunikationsabteilung wieder umgebaut. Auch sei Blatter von Stöhlkers jüngsten offensiven Auftritten zugunsten der Fifa nicht mehr so begeistert, wie gut unterrichtete Quellen sagen. Fürchtet Stöhlker nicht, dass er mit seinen Auftritten nur zusätzlichen Schaden anrichtet? «Nein, ich bin da, um zu helfen. Ich würde auch nicht mit Ihnen reden, wenn der Präsident mich anrufen und sagen würde: Bitte hör auf.»

Erstellt: 17.06.2015, 23:57 Uhr

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