Was die Liga vor dem Wiederbeginn beschäftigt

Goalie-Sorgen, Logo-Streit, Transfer-Gefahren: Zehn Fragen an die zehn Clubs der Super League zum Start der Rückrunde.

Plötzlich wieder im Fokus bei YB: Goalie Marco Wölfli. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Plötzlich wieder im Fokus bei YB: Goalie Marco Wölfli. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Young Boys

Kostet ein verletzter Goalie den Bernern den Meistertitel?
Sportchef Christoph Spycher: «Ich bin überzeugt, dass uns die Verletzung von David von Ballmoos nicht den Titel kosten wird. Klar, David hat die Erwartungen mehr als erfüllt, er hat sehr gute Leistungen gezeigt. Das tat Marco bei seinen fünf Einsätzen aber auch. Wir sind überzeugt: Zwischen dem Duo von Ballmoos und Wölfli sowie dem Duo Wölfli und dem frisch ausgeliehenen Alexandre ­Letellier gibt es keine grossen Unterschiede. ­Letellier hat sich in Frankreich auf höchstem Niveau bewiesen, er wird für positiven Druck sorgen. Aber Marco hat sich unser Vertrauen verdient, das war rasch klar. Und dabei ging es keine ­Sekunde darum, dass es eine kitschige Geschichte wäre, wenn wir mit ihm im Tor den Titel gewinnen würden. Dass seine Vergangenheit mit den zweiten Plätzen thematisiert werden wird, ist klar. Doch klar ist auch: Wir haben heute nicht dasselbe Team wie damals, heute herrscht bei uns ein extrem positives Leistungsdenken.»

Basel

Wann beklagt sich Stocker das erste Mal beim Sportchef?
Neuzugang Valentin Stocker: «Woher wissen Sie, dass das nicht schon passiert ist (lacht)? Im Ernst: Jeder weiss, was Sportchef Marco Streller und mich verbindet. Wir zwei müssen uns nicht mit Samthandschuhen anfassen, wir haben uns schon als Spieler gegenseitig gesagt, wenn uns etwas am anderen nicht gepasst hat. Aber ich werde mich nicht bei ihm beklagen, wenn ich einmal Ersatzspieler sein sollte. Wieso auch, wenn der Trainer seine Gründe hat? Ich erinnere mich gut an die Zeit unter Thorsten Fink und Heiko Vogel beim FCB: Auch damals hatte es viele Spieler im Kader – und doch kamen alle zu ihren Einsätzen, und keiner musste unzufrieden sein.»

FC Zürich

Kommen jetzt endlich die jungen Wilden?
Trainer Uli Forte: «In der Vorbereitung hat Fabian Rohner (19, Red.) einen gewaltigen Schritt vorwärtsgemacht. Die anderen Jungen haben sich auch gut entwickelt, aber er ist in der momentanen Form ein ernsthaftes Thema für die Rückrunde. Es ist nicht so, dass mich der Vorstand dazu drängen muss, junge Spieler einzubauen. Schliesslich habe ich das in meiner Trainerkarriere immer schon getan. Eben erst hat einer drei Liga-Awards abgeräumt, den ich einst in St. Gallen als 18-Jährigen auf die Position des rechten Aussenverteidigers gesetzt habe, wo er in die Fussstapfen eines gewissen Marc Zellweger treten musste. Ich tat das auch gegen den Widerstand seines eigenen Umfelds, das in ihm eher keinen Rechtsverteidiger gesehen hat – Michael Lang kennt diese Geschichte gut (lacht). Ich versuche immer, so viele Junge wie möglich einzusetzen. Aber am Ende geht es für einen Trainer um den ­Erfolg. Du musst Resultate liefern, sonst hast du in unserem kurzlebigen Geschäft schnell Probleme.»

St. Gallen

Weiss Cedric Itten, in welches Tor er schiessen muss?
Stürmer Cedric Itten: «Also, ich muss schon nicht vor dem Spiel kurz aufs Trikot schauen, um zu wissen, für wen ich gerade spiele. Auch wenn es speziell ist, in einer Saison bei drei Vereinen zu spielen. Anfang Saison bin ich in Luzern zu meinen Einsätzen gekommen. Darum habe ich mich nicht leichtgetan, als mich der FC Basel im September von der Ausleihe zurückrief. Aber das ist nun mal mein ­Heimatclub – und dann war da noch die Aussicht auf die Champions League. Jetzt ist Ricky van Wolfswinkel von seiner Verletzung zurück, und wir waren in Basel vier Stürmer für wahrscheinlich nur einen Platz im Angriff. Da habe ich dem FCB von mir aus gesagt, dass ich noch einmal ein halbes Jahr ausgeliehen werden möchte. Von den möglichen Clubs haben mich die St. Galler überzeugt. Sie haben ein tolles Stadion, tolle Fans – und es herrscht wegen der neuen Führung mit Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter eine richtige Euphorie. Die wollen wir nutzen, um möglichst weit nach vorn zu kommen.»

Lausanne

Verkauft Lausanne Sport gerade seine Seele?
Fan Raphaël Delessert: «Ja, als ich das neue Wappen gesehen habe, in das die neuen Besitzer das Orange und das O ihrer Firma Ineos eingebaut hatten, war ich mir sicher: Lausanne Sport verliert seine Seele. Werbung ist im Fussball so schon allgegenwärtig: Sie ist auf den Trikots, auf den Banden, Stadien werden umbenannt – in Lausanne sind die Tribünen nach Sponsoren getauft. Aber bitte nicht auch noch Werbung im Logo! Das ist ein Skandal. Ich bin seit über 30 Jahren treuer Fan dieses Vereins, er ist meine grosse Leidenschaft. Aber jetzt habe ich mit meinem LS-Blog aufgehört, den ich seit sieben Jahren schreibe. Und ich werde kein Spiel mehr besuchen. Das Problem ist: Wenn so etwas in Basel passiert, geben 5000 Leute ihr Abo zurück, in St. Gallen vielleicht 500. Aber in Lausanne sind wir wohl nur 20. Viele Fans denken, wir müssten dankbar sein für die Geldgeber, sie freuen sich auf Stürmer Rapp, den jungen ­Zidane und den Europacup. Ich war ja erst auch begeistert. Aber für mich spielt auf der Pontaise neu der FC Ineos. Und das macht mich traurig.»

Grasshoppers

Halten die Wintertransfers länger als jene des Sommers?
Sportchef Mathias Walther: «Diese Frage ist zugespitzt und zielt an der aktuellen Thematik ­vorbei. Was ich in der Kürze sagen kann: Letzten Sommer stellten wir eine Mannschaft für einen anderen Trainer (Carlos Bernegger) zusammen, mit Thomas Lindner, Souleyman Doumbia, Jeffrén, Marco Djuricin oder Nabil Bahoui. Aber selbst mit dem neuen Trainer (Murat ­Yakin) funktionierte sie. Sie verlor elfmal hintereinander nicht und von 14 Spielen nur eines. Jetzt will der ­Trainer anders spielen lassen, und mein Job ist es, dass er dafür die optimale Zusammensetzung hat und dass es für ihn stimmt. Erste Veränderungen haben wir vorgenommen, mit Kapic und Taipi zum ­Beispiel verfügen wir über mehr Kreativität im Mittelfeld. Jetzt sind wir laufend am Prüfen, welche Ergänzungen noch realisierbar sind.»

Thun

Wann kommt der Ex-Basler Marc Janko endlich ins Tessin?
Präsident Angelo Renzetti: «Wir haben eine sehr gute Mannschaft und eine sehr gute Stimmung zwischen Staff und Fussballern, die Basis ist gegeben. Marc Janko wäre mit seiner Erfahrung, seiner Stärke in der Luft und seinem Torriecher eine willkommene Verstärkung. Einer wie er, der in etwas mehr als 60 Spielen in der Schweiz mehr als 30 Tore erzielt, auf den kann man zählen. Wir sind uns mit ihm einig, aber die Beziehungen zwischen seinem Club Sparta Prag und ihm sind nicht die besten. Sie reden nur wenig miteinander, und natürlich versuchen beide Seiten, für sich das Beste herauszuholen. Jetzt fliege ich am Donnerstag nach Tschechien und versuche, Frieden zu stiften. Ich war immer optimistisch, und ich bin es auch heute noch.»

Thun

Wie fühlt man sich ganz am Ende der Nahrungskette?
Sportchef Andres Gerber: «Ja, wir haben unseren besten Torschützen, Simone Rapp, an Lausanne abgegeben. Aber ich fühle mich kein bisschen als Opfer. Ich jammere auch nicht, dass wir ein Ausbildungsverein sind. Wer ist das schon nicht, ausser Manchester United, Barcelona und Real Madrid? Hätte ich ­Simone nicht gehen lassen, wäre er unglücklich gewesen. Andere im Team, die ebenfalls zu uns gekommen sind, um den nächsten Schritt in ihrer Karriere zu machen, wären nervös geworden. Und die nächsten Spieler, die wir aus der Challenge League verpflichten möchten, würden vielleicht gar nicht erst zu uns kommen. Wir brauchen solche Transfers, um uns über Wasser halten zu können. Wenn ich einen Rapp abgebe, jammere ich nicht. Wir verkaufen, sagen Merci für die Ablösesumme und schenken dem nächsten Stürmer unser Vertrauen. Jetzt müssen halt andere ins Tor treffen. Ich bin überzeugt, dass wir die Spieler, die Rapp ersetzen können, bereits in unserem Kader haben.»

Luzern

Warum verlängert man seinen Vertrag mitten im Chaos?
Mittelfeldspieler Christian Schneuwly: «Weil ich in meiner Karriere selten in einer Mannschaft gespielt habe, in der ein so guter Geist herrschte. Und ich fühle mich auch in der Pflicht den Kollegen gegenüber: Es lief bisher nicht sehr gut, da kann und will ich mich nicht einfach verabschieden – ich habe genauso wie die anderen etwas gutzumachen. Das Jahr fing mit dem Trainerwechsel turbulent an, ja, es gab einige Schlagzeilen. Aber damit müssen wir Spieler einfach umgehen können. Und ich glaube, ich bin diesbezüglich ziemlich erprobt. Bei YB, in Thun und beim FCZ war es auch nicht immer nur ruhig. Abgesehen davon: Ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass im Verein chaotische Zustände herrschen. Wir belegen derzeit nur Platz 9, aber das ist eine Momentaufnahme und entspricht weder unseren Ansprüchen noch dem, was in unserem Kader steckt. Ausserdem habe ich noch nie eine Saison erlebt, die so ausgeglichen war. Hinter YB und Basel können fast alle Teams noch in Schwierigkeiten geraten. Ich freue mich auf diese Herausforderung und bin sicher, dass wir es packen.»

Sion

Würde Constantin den Wiederaufstieg finanzieren?
Präsident Christian Constantin: «In unserer Situation können wir den Abstieg nicht ausschliessen, obwohl wir noch viel Zeit haben, um dieses Szenario zu verhindern. Falls die Challenge League Realität wird, müssten wir alles daran setzen, um sofort wieder in die Super League zurückzukehren. Und klar ist auch, dass ich als Präsident nicht einfach davonlaufen würde, weil der FC Sion ohne mich in dieser Form kaum mehr existieren könnte. Ausserdem haben wir das Glück, dass wir über eine Reihe treuer Sponsoren verfügen, die sich nicht abwenden würden. Vielleicht könnten wir nicht mehr ein Budget in der Höhe von 22, 23 Millionen Franken stemmen, aber ich würde dafür sorgen, dass genügend Geld vorhanden ist, um eine qualitativ hochwertige Mannschaft finanzieren zu können.»

(fra/pmb/ths./mke/dwu)

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2018, 16:26 Uhr

Artikel zum Thema

Lang ist der beste Spieler der Super League

In Luzern zeichnete die Swiss Football League die besten Spieler von 2017 aus. Der FC Basel war mit drei Awards der Sieger des Abends. Mehr...

YB ist Wintermeister

Die Young Boys bezwingen den FC Luzern mit 4:2 und überwintern auf dem erste Tabellenplatz. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Spielend einfach: Click & Drive

Kein Abo, keine Jahresgebühren, keine Verpflichtungen.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Umgekippt: Der 128 Meter hohe Radio- und Telefonmast «La Barillette» der Swisscom liegt in Cheserex am Boden, nachdem 8 Kilogramm Sprengstoff zwei seiner Standfüsse zerstört haben. (24.Mai 2018)
(Bild: Valentin Flauraud/Laurent Gillieron/Laurent Darbe) Mehr...