Wenn Balotellis Mutter weint und Frau Icardi für Chaos sorgt

Als letzte der vier grossen Ligen nimmt die Serie A am Wochenende den Betrieb auf. Einiges ist beim Alten, vieles ist neu.

Er will zurück an die EM, wo einst seine grösste Stunde schlug: Mario Balotelli. Fotos: Keystone

Er will zurück an die EM, wo einst seine grösste Stunde schlug: Mario Balotelli. Fotos: Keystone

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Ein Serienmeister, der sich eigentlich nicht gross für das Geschehen in der Heimat interessiert. Ein fussballerischer Problemfall, der noch einmal ganz unten anfangen will. Eine Frau, die in Mailand für ein grösseres Personalproblem sorgt. Ein kleiner Verein, der nach 112 Jahren Existenz zu einer Premiere kommt. Und nur noch drei Schweizer mittendrin: Wenn morgen die Serie A als letzte der vier grossen Ligen in die Saison startet, ist einiges beim Alten. Und doch vieles neu. Diese Clubs und Spieler gilt es im Auge zu behalten.

Der nächste internationale AnlaufJuventus Turin

Danilo, Demiral, dazu Gigi Buffon zurück aus Paris und natürlich De Ligt, das 20-jährige Supertalent von Ajax, das mit 85 Millionen Euro so viel kostete wie Liverpools Van Djik: Wer die Juve-Abwehrtransfers analysiert, könnte daraus schliessen, die letzte Saison sei ein Desaster gewesen. Dabei waren 30 Gegentore der beste Wert der Liga. Um den Titel geht es aber gar nicht, der Spannungsgehalt der Serie A ist seit 2011 vergleichbar mit jenem jeglicher Wahlen in Nordkorea.

Spektakel garantiert: Maurizio Sarri ist ein Liebhaber des offensiven Fussballs. (Bild: Keystone)

Acht «scudetti» gewann Juve seither, in der Champions League waren aber klare Finalniederlagen 2015 und 17 die Bestresultate, im ersten Jahr mit Cristiano Ronaldo folgte das Out im Viertelfinal. Nur auf Sicherheit wird Maurizio Sarri, der neue Coach, der in Parma wegen einer Lungenentzündung fehlt, nicht setzen. Er liebt das Spektakel und das 4-3-3. Trotz dem Überangebot an Offensiven machte zuletzt der Name Neymar die Runde.

Die Heimkehr des ExzentrikersMario Balotelli

Mario Balotelli wählte nicht irgendeinen Tag für die Ankündigung. Am 12. August sagte er dem Brescia-Präsidenten, er wolle zum Aufsteiger kommen, es war sein 29. Geburtstag. Nach Hause, in der Provinz Brescia ist der Sohn ghanaischer Einwanderer aufgewachsen. «Meine Mutter weinte, als ich ihr das erste Mal die Möglichkeit andeutete», sagte Balotelli bei seiner Vorstellung, «und mein Adoptivvater wäre sehr stolz.»

Der Exzentriker mit den Stationen Inter, Manchester City, Milan, Liverpool, Nice und Marseille will wieder neu angreifen. Er wird Vorurteile und Pfiffe erdulden müssen – oft war er in Italien Zielscheibe rassistischer Anfeindungen. Unvergessen bleibt seine grösste Stunde: die beiden Tore beim 2:1 im EM-Halbfinal 2012 gegen Deutschland. Um noch einmal bei einer EM dabei zu sein – sein erklärtes Ziel – braucht er viele Tore. Und keine Schlagzeilen neben dem Platz.

Eine Frau namens WandaInter Mailand

Im Oktober 2017 stand Mauro Icardi auf dem Rasen des San Siro und hielt sein Trikot mit der Nummer 9 in die Höhe. So feierte er das 3:2 gegen den Stadtrivalen Milan, er hatte alle drei Treffer erzielt. Seither kamen viele Tore dazu, stets mit der Nummer 9, oft als Captain. Doch fast zwei Jahre später ist alles anders. Die 9 gehört Rekordtransfer Romelu Lukaku, die Captainbinde Goalie Samir Handanovic.

Sorgten für Chaos in Mailand: Mauro und Wanda Icardi. (Bild: Keystone)

Und Icardi? Seine Frau und Beraterin Wanda forderte für eine Vertragsverlängerung ihres Gatten eine Lohnerhöhung von 4,5 auf 9 Millionen Euro. Zur Strafe musste Icardi im Winter einige Spiele zuschauen. Noch immer steht der Argentinier im Kader von Inter, obwohl der neue Coach Antonio Conte sagte, er plane nicht mit ihm. Für 50 Millionen wäre er zu haben. Frau Icardi will in Mailand bleiben, die Familie baut ein Haus, und soll gedroht haben, dass man den Vertrag bis 2021 auch aussitzen würde.

Nach holländischem VorbildAtalanta Bergamo

16 der 32 Plätze in der Champions League sind an Teams der grossen vier Ligen vergeben. Dabei sind die üblichen Verdächtigen. Sie haben im Sommer mächtig Geld investiert für neue Spieler. Aber da ist auch Atalanta Bergamo: erst 30 Millionen Euro ausgegeben, in der Bilanz steht ein Plus von 27 Millionen.

Auf in Richtung Champions League: Alejandro Gomez ist der Schlüsselspieler von Atalanta. (Bild: Keystone)

Die Zahlen zeigen, wie es die Norditaliener geschafft haben, zum ersten Mal auf dieser Bühne mitzuspielen. Der Erfolg beruht nicht auf grossem Geld, der Vergleich mit Ajax Amsterdam liegt nah. Jeden Sommer muss Atalanta seine Besten an Italiens Prominenz abgeben und sie mit günstigen Einkäufen oder Junioren ersetzen. Etabliert haben sich die Bergamaschi trotzdem – in Italien mit dem Cupfinal und den Rängen 4, 7 und 3 in den letzten Saisons. Nun wollen sie Europa überraschen. Vorbild Ajax kämpft sich trotz Halbfinal im Vorjahr durch die Qualifikation. Etablierung ist ein langer Prozess.

Viel Konkurrenz für RodriguezDie Schweizer

Ein Vertrauensbeweis war es für Ricardo Rodriguez nicht, als die AC Milan im Sommer von Real Madrid den Linksverteidiger Theo Hernandez verpflichtete. 20 Millionen Euro und einen Fünfjahresvertrag war den Lombarden der Franzose wert, der zuletzt in San Sebastián spielte. Auf dieser Position einsetzbar ist zudem Ivan Strinic. Kein Wunder, wurde bei Rodriguez zuletzt über einen Wechsel zu Schalke spekuliert, obwohl er seit 2017 Stammspieler und sein Vertrag bis 2021 terminiert ist.

Liegt seine Zukunft in Mailand? Wenn ja, hat Ricardo Rodriguez viel Konkurrenz. (Bild: Getty Images)

Nach dem Wechsel von Valon Behrami von Udinese zu Sion spielen noch drei Schweizer in der Serie A. Remo Freuler ist bei Champions-League-Debütant Atalanta weiterhin ein Leistungsträger, und für Blerim Dzemaili geht es mit Bologna um mehr als nur Resultate: Derzeit bewegt vor allem das Schicksal von Sinisa Mihajlovic, der das Team trotz Leukämie vom Krankenbett aus coacht.

Erstellt: 23.08.2019, 20:22 Uhr

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