Wenn die Männer nach der Pfeife eines Models tanzen

Tihana Nemcic (24) verdient ihren Lebensunterhalt als Model – und trainiert so nebenbei als erste Frau Kroatiens ein männliches Fussballteam.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

So langsam fallen nun wirklich alle Männerbastionen im Sport. So auch in Kroatien. Die Fussballer des kroatischen Unterklassigen Viktorija Vojakovac tanzen nach der Pfeife einer attraktiven Blondine. Aber nicht aus Gründen eines PR-Gags: Die 24-jährige Tihana Nemcic besticht primär durch ihre Fitness, Leidenschaft und Fachkompetenz. Davon konnten sich die Kicker schon mehrmals überzeugen.

Nemcic ist eine selbstbewusste junge Frau, die vom Handwerk etwas versteht. Als ehemalige Internationale des Frauen-Nationalteams sowie Aktive von Dinamo Zagreb weiss sie mit dem Arbeitsobjekt im Fussball bestens umzugehen. Zudem betreute das Model, das 2008 bei der Wahl zur Miss Sport landesweit bekannt geworden war, an der Universität Zagreb das Fach Sport. Schliesslich betreute sie schon die Mädchen der U-17-Auswahl Kroatiens, wie Rp-online.de schreibt.

Keine Probleme in der Garderobe

Nun trainiert sie also Männer. «Es ist für mich eine Herausforderung, aber auch eine logische Entwicklung, da ich praktisch schon mein ganzes Leben mit Fussball verbringe», erklärt sie gegenüber dem kroatischen Internetportal 24sata. Ihren Job nimmt sie sehr ernst. «Wenn eine Frau und ein Mann die gleichen beruflichen Qualifikationen für ein Traineramt haben, sehe ich keinen Grund, warum ich nicht mit Fussballern arbeiten soll.» Selbstbewusst verkündet sie aber auch: «Ich bin der Cheftrainer und plane die Taktik.» Mitspracherecht der kickenden Männer? Mitnichten.

Diese haben offenbar kein Problem damit, dass eine Chefin sagt, wo es auf dem grünen Rasen langgeht. Fussballer Tihomir Jagusic meint gegenüber der Agentur AP: «Sie ist fokussiert und ernst während der Trainings. Sie ist auch sehr streng. Aber sie macht das gut, und wir hören auf sie.» Mit anderen Worten: Bei Viktorija gibt es kein Autoritätsproblem.

Und es scheint auch keine Alltagsprobleme zu geben. Wenn sich die Männer in der Garderobe umziehen oder duschen, bleibt die Trainerin, die überdies die Nachwuchsabteilung betreut, draussen. Coach Nemcic: «Wenn die Spieler fertig sind, kommt einer raus und holt mich rein. So kommt es zu keinerlei Komplikationen.» Fussball kann so herrlich einfach sein.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2012, 12:01 Uhr

Artikel zum Thema

Fifa: 20 Millionen für Kunstrasen, Flutlicht und Frauen

Die Millionen, die der Weltfussballverband ursprünglich ans neue Zürcher Stadion zahlen wollte, gehen nun in den Breitensport. Für 17 Millionen werden Kunstrasen erstellt, 3 Millionen fliessen in den Frauenfussball. Mehr...

Schweizerinnen in EM-Qualifikation gescheitert

EM-Qualifikation Das Schweizer Frauenfussball-Nationalteam scheitert im Kampf um die Qualifikation für die EM-Endrunde 2013 in Schweden vorzeitig. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Mamablog Crashkurs für Eltern

Politblog Arnold Koller und der Zuchtziegenbock

Die Welt in Bildern

Kampf gegen Rassismus: Ein Demonstrant protestiert gegen die Kundgebung «Liberty of Death», eine Versammlung von Rechtskonservativen vor der Seattle City Hall in Seattle, Washington. (18. August 2018)
(Bild: Karen Ducey/AFP/Getty) Mehr...