Wie die Deutschen Guardiola demontieren

Seit Bayerns Startrainer seinen Abgang aus München kommuniziert hat, hat sich die Tonalität im Umgang mit dem Katalanen schlagartig geändert.

Pep Guardiola weht ein eisiger Wind entgegen.

Pep Guardiola weht ein eisiger Wind entgegen. Bild: Keystone

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Bei seiner Ankunft in München vor zweieinhalb Jahren wurde Pep Guardiola, der Titelsammler und zweifache Champions-League-Sieger mit dem FC Barcelona, wie ein Messias empfangen. Er sei eine grosse Bereicherung und Attraktion für den deutschen Fussball. Er werde die Bayern revolutionieren. «Er bringt jeden Spieler noch einen Schritt in seiner Entwicklung weiter», sagte der deutsche Weltmeister Günter Netzer gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Und heute? Seit Guardiola seinen Abgang bei den Bayern auf Ende Saison nach drei Jahren kommuniziert hat, hat sich die Tonalität im Umgang mit dem Katalanen schlagartig geändert. Guardiola ist nicht mehr der Unantastbare. Zwei deutsche Meisterschaften und ein Pokalsieg zieren zwar seine Visitenkarte bei den Bayern. Was ihm nach wie vor fehlt, ist der Gewinn der Champions League, was Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes in München geschafft haben.

Massive Vorwürfe an Guardiolas Adresse

«Bleibt Pep kleiner als Hitzfeld und Heynckes?», fragt die «Bild»-Zeitung. Und reagiert sogleich auf die unheimliche Verletzungsserie, die den deutschen Rekordmeister zurzeit heimsucht, mit einer weiteren Schlagzeile: Pech oder Pep? Weltmeister Jérôme Boateng, der beim 2:1-Sieg zum Rückrundenstart in Hamburg mit einem Muskelbündelriss an den Adduktoren hatte ausgewechselt werden müssen und wohl für drei Monate ausfällt, sei nun schon der siebte Bayernspieler, der mit Muskelproblemen ausfalle, wie das Millionenblatt auflistet.

Die «Bild» zitiert einen Insider, der aus Angst vor Konsequenzen nicht namentlich genannt werden will. Die Vorwürfe an die Adresse von Guardiola sind denn auch ziemlich massiv. «Es gibt nicht die eine Ursache, es ist ein Zusammenspiel von mehreren Gründen: Der neue Hybridrasen-Trainingsplatz ist extrem hart. Dazu kommen das Zusammenspiel zwischen Trainer und Medizinern und die Trainingssteuerung. Viel Tempo, wenig Ausdauer, Regeneration und Prävention, also Vorbeugung von Verletzungen.»

Hitzfelds Meinung

Auch der ehemalige Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld schaltet sich via «Blick» in die Diskussion um Guardiola ein. Guardiola konzentriere sich bei den Bayern nur auf sein taktisches Schaffen, er bereite sich akribisch auf seine Trainings vor, er beschäftige sich Tag und Nacht mit der Taktik.

«Er hat sich aber bisher nicht gross im zwischenmenschlichen Bereich auf die Mannschaft konzentriert. Er hat fast keine Einzelgespräche geführt», bemängelt der Lörracher. Auch mit der Presse sei Guardiola sehr zurückhaltend. «Er hat sich ein bisschen abgeschottet», sagt Hitzfeld. Und das sei als Trainer nicht optimal, wenn es darum gehe, auch als Repräsentant für den Verein aufzutreten.

Das geht doch nicht

Schon im Dezember letzten Jahres hatte die Expertenrunde im «Volkswagen Doppelpass» auf Sport 1 die Frage nach Guardiolas Art, den FC Bayern zu repräsentieren, aufgeworfen. Dabei liess Fritz von Thurn und Taxis mächtig Dampf ab. «Die Art, wie er den Verein repräsentiert hat, war nur mässig gut. Wir reden nur immer über Guardiola, haben aber noch nie mit ihm gesprochen. Das geht doch nicht», ereiferte er sich.

Er habe versucht, über Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick ein Treffen mit Guardiola zu bekommen. Das sei aber völlig ausgeschlossen gewesen. «Wenn ich ins Ausland gehe, muss ich mich doch ein bisschen der Kultur des Landes, wo ich hingehe, annähern und adaptieren.» Das sei Guardiola überhaupt nicht gelungen. Das werde unter Ancelotti vollkommen anders sein.

Bei Guardiola Mäuschen spielen

Frank Wormuth, seit acht Jahren Leiter der Fussballlehrer-Ausbildung beim Deutschen Fussball-Bund (DFB), bildet die Bundesligatrainer aus. In einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» liess sich der 55-Jährige auch über Pep Guardiola aus. Schon in der Einstiegsfrage ging es um den Coach der Bayern. «Über Pep Guardiola heisst es, er sei der beste Trainer der Welt. Geniessen Sie es, ihn noch ein halbes Jahr in der Bundesliga zu sehen?»

«Schade ist, dass wir den Trainern nicht im Verein bei ihrer Arbeit zusehen können. Dann würden wir sehen, dass es auch viele überragende deutsche Trainer gibt», sagte Wormuth. Er würde nicht nur bei Pep Guardiola gerne Mäuschen spielen, sondern auch bei Trainern, die weniger im Rampenlicht stünden.

Das sagt Matthäus

«Bei Stefan Ruthenbeck in Fürth zum Beispiel, den ich aus unserer Ausbildung kenne. Es gibt auch Taktikfüchse in der dritten Liga. Sollen wir jemanden, der medial hervorgehoben wird, als besten Trainer der Welt bezeichnen? Es gibt sehr viele gute Trainer, die mit weniger guten Spielern herausragende Leistungen bringen.»

Guardiola sei ein hervorragender Trainer, der, mit Verlaub, aber bisher immer nur hervorragende Mannschaften trainiert habe. «Ich würde ihn gerne einmal bei einer durchschnittlichen Mannschaft in der Oberliga sehen», sagte Wormuth.

Lothar Matthäus, Weltmeister und mit 150 Länderspielen nach wie vor Deutschlands Rekordnationalspieler, erklärt in seiner Kolumne bei «Sport Bild», dass Guardiola in seinem letzten Jahr keine Ausreden mehr habe. Der Gewinn der Champions League werde verlangt. «In der vergangenen Saison konnte der Trainer vielleicht noch mit dem Pech der vielen Verletzungen das Aus in der Champions League entschuldigen. Das geht nun nicht mehr. Mit Coman und Costa hat Guardiola super Alternativen zur Verfügung.» In der Breite seien selbst Barcelona und Real Madrid nicht so gut besetzt.

(tn)

Erstellt: 26.01.2016, 12:36 Uhr

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