Porträt

Wie ein 38-Jähriger die Natur austrickst

Gürkan Sermeter ist ein kleines Phänomen. Der Altmeister steht mit Bellinzona vor dem Aufstieg in die Super League. Der Wädenswiler verrät seine kleinen Geheimnisse des Lebens.

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«Ich lebe und liebe den Fussball über alles. Und das erhält mich physisch und psychisch jung und gesund», sagt der Captain der AC Bellinzona gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Er geniesse jeden Tag, an dem er trainieren und spielen dürfe. «Wir haben einen wunderbaren und spannenden Beruf. Es ist ein Privileg, wenn man Fussballprofi sein darf», sagt Sermeter. Dafür sei er dankbar. Seit 1993 ist der Stürmer nun schon im Geschäft. Vor seinem Engagement im Tessin spielte er für GC, YB, Luzern und den FC Aarau. Jetzt strebt er mit der AC Bellinzona den Aufstieg in die Super League an.

Der Routinier will vor allem den jungen Spielern mit seiner Erfahrung helfen und ihnen viel von seinem Know-how vermitteln. «Ich möchte ihnen meinen Enthusiasmus weitergeben. Ich will ihnen aufzeigen, dass man auch im hohen Fussballalter noch Leistung bringen kann und nicht unbedingt zum alten Eisen gehören muss. Ich will ihnen aufzeigen, was man mit Talent und Ehrgeiz alles erreichen kann», sagt Sermeter. Auch alte Hasen könnten noch über die Schmerzgrenze hinausgehen. Er habe in seiner Karriere eine persönliche Entwicklung durchgemacht. Er habe dabei aber auch Fehler gemacht. «Ich möchte den Jungen mit meinem Erfahrungsschatz in ihrer Persönlichkeitsentwicklung helfen und sie weiterbringen. Auch das ist für mich als Captain der AC Bellinzona eine grosse Herausforderung.» Das Zusammenspiel mit den jungen Spieler erhalte ihn jung und frisch im Kopf.

«Ich höre sehr auf meinen Körper»

Gürkan Sermeter ist immer noch topfit. Er wirkt völlig austrainiert. In der Rückrunde hat er im Heimspiel gegen Stade Nyonnais beim 2:0-Sieg den ersten Treffer erzielt. Und auch am Samstag konnte er vor eigenem Anhang wieder Akzente setzen. Beim 2:0 gegen Etoile Carouge traf er den Pfosten. Auch beim 0:0 in Biel blieb Bellinzona in der Rückrunde ohne Gegentor und rangiert auf Platz 2. «Ich höre auf meinem Körper, schlafe viel, ernähre mich gesund und freue mich einfach jeden Tag wahnsinnig am Leben», nennt Sermeter das Geheimrezept für seine Vitalität. Wann seine fussballerische biologische Uhr definitiv abläuft, kann er nicht sagen. «Ich werde aber sicher nicht das berühmte eine Jahr zu viel machen», verspricht er. Er sei im Kopf auf das Karriereende bereits gut vorbereitet. Sermeter spricht Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch und Türkisch. «Zurzeit bin ich auch am Spanischlernen», verrät er. Nach der Karriere will er auch seine Beziehungen spielen lassen. «Ich habe mir ein Netz aufgebaut und kenne in der Branche viele Leute», sagt er. In welcher Funktion er im Fussball weiterarbeiten werde, weiss er noch nicht. «Ich kann mir durchaus vorstellen, in einem Verein auch Sportchef zu sein», sagt Sermeter. Erster Ansprechpartner sei jedoch immer die AC Bellinzona. «Der Verein liegt mir sehr am Herzen. Er hat mir viel gegeben.»

«Es ist beeindruckend, mit welchem Enthusiasmus Gügi durchs Leben geht», lobt Sermeters Teamkollege Hakan Yakin. Er sei ein Vorbild in jeder Beziehung. «Von einer grossen Persönlichkeit wie Gügi kann auch ich als Routinier noch viel lernen und profitieren», sagt Yakin. Sermeter sei als Fussballer unterschätzt worden. «Mit seiner Klasse hätte er eigentlich 50 Länderspiele verdient. Aber er wurde nicht einmal aufgeboten», bedauert der ehemalige Nationalspieler.

«Er liebt und lebt den Fussball»

Für Bellinzonas Trainer Martin Andermatt ist Sermeter als Captain ein wichtiger Ansprechpartner. «Er setzt sich extrem für die Jungen ein», sagt Andermatt. Er weise sie aber auch zurecht, wenn es etwas zu beanstanden gäbe. «Wenn es Probleme gibt, erkennt er diese schon im Ansatz», so Andermatt. Sermeter sei ein Profi, der den Fussball lebe und liebe. «Deshalb ist er auch immer noch so ehrgeizig.» Der Trainer nennt gleich ein Beispiel. «Wenn er einmal nicht von Anfang an spielt, dann ist er unzufrieden.» Das sei aber eine Unzufriedenheit auf eine positive Art. Andermatt bezeichnet das Verhältnis zu Sermeter als eine positive und ehrliche Basis. «Ich kann mich hundertprozentig auf ihn verlassen. Wir kommunizieren offen miteinander. Wir haben keine Geheimnisse.»

Auch FCZ-Sportchef Fredy Bickel hält grosse Stücke auf Sermeter. Die beiden haben bei YB zusammengearbeitet. «Gügi ist ein Supermensch mit einem feinen und grundehrlichen Charakter», sagt der Zürcher. Sermeter sei ein Fussballverrückter im positiven Sinn. Er liebe seinen Beruf über alles. «Das hält ihn jung. Das motiviert ihn, auch mit 38 Jahren in jedem Training und in jedem Spiel volles Engagement zu bringen.» Einen Spieler wie Sermeter wünsche sich eigentlich jeder Trainer in seiner Mannschaft. «Er ist eine absolute Respektsperson.»

Erstellt: 09.03.2012, 11:44 Uhr

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