«Wir stufen den Entscheid als sinnvoll ein»

Die Empfehlung der Fifa-Taskforce, die Fussball-WM 2022 in Katar vor Weihnachten durchzuführen, hat diverse Reaktionen hervorgerufen.

Prunkvoll: Im Lusail Iconic Stadium sollen das Eröffnungsspiel und der WM-Final in Katar stattfinden.

Prunkvoll: Im Lusail Iconic Stadium sollen das Eröffnungsspiel und der WM-Final in Katar stattfinden. Bild: Keystone

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Marco von Ah, Medienchef des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), meinte zum Terminvorschlag aus Doha gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Natürlich hätten wir in der Schweiz mit einer Fussball-WM im Januar und Februar gut leben können. Schliesslich herrscht zu Jahresbeginn in unseren Breitengraden tiefster Winter. Aber offensichtlich will die Fifa mit einer Endrunde in Katar zu jenem Zeitpunkt nicht die Olympischen Winterspiele 2022 konkurrenzieren.» Da der Winter in der Schweiz mehrere Monate dauert, überrascht die nachfolgende Äusserung des SFV-Funktionärs nicht: «Wir stufen den Entscheid der Fifa-Taskforce, die WM im November und Dezember auszutragen, als sinnvoll ein.» Die Temperaturen in Katar in den vier Wochen vor Weihnachten betragen durchschnittlich 25 bis 29 Grad Celsius.

Aufgrund der grossen Hitze im Wüstenemirat Katar zur traditionellen WM-Zeit in den Sommermonaten Juni und Juli war die Diskussion über einen neuen Termin überhaupt erst entbrannt. Europäische Topligen brachten eine Vorverlegung um lediglich ein paar Wochen in das Frühjahr hinein vor. Die Fifa betrachtete diesen Vorschlag aber wegen des zeitgleichen Ramadan und der wohl schon zu hohen Temperaturen jedoch nicht als ideale Lösung.

Quelle: Fifa

Dass die WM nun voraussichtlich in den Monaten November und Dezember 2022 durchgeführt wird, ist auch der Wunsch von Fifa-Präsident Sepp Blatter. Der Terminvorschlag dürfte das Fifa-Exekutivkomitee an seiner Sitzung vom 19./20. März in Zürich absegnen. «Es ist absolut die richtige Entscheidung. Ich habe stets gesagt, dass eine WM in den Monaten Juni/Juli in Katar wegen des lokalen Klimas nicht infrage komme», meinte Fifa-Vizepräsident Jim Boyce gegenüber der BBC. Temperaturen um die 50 Grad im Sommer sind im Wüstenstaat keine Seltenheit. Cuno Wetzel, der Arzt der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, begrüsst den Entscheid der Taskforce auf den ersten Blick ebenfalls: «Was die klimatischen Bedingungen betrifft, ist eine Durchführung der WM in den Monaten November und Dezember sicher sinnvoll.» Alle anderen Umstände oder Aspekte könne er aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen. «Die WM findet in rund sieben Jahren statt. Ich habe mich mit ihr fachspezifisch noch nicht intensiv auseinandergesetzt.»

Blatters Versprechen – und das «Desaster»

Der Termin Januar/Februar, der von Uefa-Präsident Michel Platini bevorzugt wird, hätte bei den Wintersportverbänden für mehr als nur einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Denn vom 4. bis zum 20. Februar 2022 sollen die Olympischen Winterspiele in Almaty oder Peking stattfinden. Der Walliser Blatter, der gleichzeitig als Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOK) sitzt, hatte im Vorfeld Thomas Bach versprochen, dass «es zu keiner Konfrontation mit den Winterspielen kommen wird». Dies behauptete der deutsche IOK-Präsident gegenüber der deutschen Agentur SID.

Nicht alle Funktionäre begrüssen den Terminvorschlag des Gremiums aus Doha. Vor allem die Clubs aus der Premier League, die mit einer Fussball-WM in den Monaten November und Dezember wohl am meisten Geld verlieren würden und die grössten Probleme mit einem sinnvollen Spielplan hätten, sind verärgert. «Die Saisonplanung wird damit ausgesprochen schwierig. Es könnte nicht störender und chaotischer sein», erklärte Peter Coates, der Präsident von Stoke City, und nahm bezüglich der Situation das Wort «Desaster» in den Mund. Damit sprach Coates seinen Amtskollegen aus dem Herzen.

Erleichterung bei der FIS

Dass nicht nur Europas Topligen vom Terminproblem der Endrunde 2022 in Katar betroffen sind, beweist der SFV mit seinem Communiqué, das am Nachmittag veröffentlicht wurde: «Unbestritten ist, dass es bis zu dieser WM noch sehr viele Arbeiten auf verschiedenen Ebenen zu bewältigen gilt, insbesondere auf Stufe der Erstellung von Spielplänen für die Landesmeisterschaften. Betroffen sind nicht nur die Landesverbände und ihre Ligen, sondern auch die Uefa mit den Wettbewerben Champions League und Europa League.»

Der Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS), Gian-Franco Kasper, reagierte erleichtert auf die neue Entwicklung. «Wir sind erfreut, dass der Vorschlag der Fifa, die WM Ende 2022 auszutragen, nicht mit Olympia kollidiert», sagte der Bündner Kasper heute bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften im schwedischen Falun. Die Auswirkungen auf die Skiweltcups in dem betreffenden Zeitraum seien derzeit nicht absehbar, weil es noch keinen Terminkalender für die Wintersaison 2022/23 gibt.

Noch vor anderthalb Wochen hatte Kasper der «SonntagsZeitung» erklärt: «Mit November und Dezember könnten wir leben, notfalls. Nicht jedoch im Februar während Olympia. Aber eben, was sollen wir dagegen tun?» Und schliesslich hatte er das Interview im zynischem Unterton beendet: «Was wir als FIS auf jeden Fall garantieren: Wir werden im Juli 2022 keine alpinen Weltcuprennen in Katar austragen.»

Erstellt: 24.02.2015, 14:58 Uhr

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