Wo auch die Skinheads freundlich sind

Sportlich unterlag der kleine FC Winterthur dem Basler Fussballriesen. Den Zuschauern wurde trotzdem ein Spektakel geboten – leider nicht ganz ohne gewalttätige Szenen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach dem Cup-Spiel am Sonntag zwischen dem FC Basel und dem FC Winterthur haben Fans der Basler Mannschaft am Bahnhof Winterthur Steine gegen die Polizei geworfen. Diese reagierte mit Tränengas und Gummischrot. Ein Polizist wurde verletzt.

Am Nachmittag nach Spielschluss hatten sich Anhänger der beiden Clubs in der Nähe des Stadions und auf dem Weg zum Bahnhof gegenseitig provoziert. Bis unmittelbar vor der Abfahrt des Extrazuges konnte die Polizei Auseinandersetzungen verhindern, wie die Winterthurer Stadtpolizei mitteilte. Kurz bevor der Zug losfuhr, warfen jedoch Basler Fans Steine vom Perron gegen die Polizei, Winterthurer Fans und zahlreiche Gaffer. Ein Polizist wurde durch einen Faustschlag sowie einen Steinwurf im Gesicht verletzt.

Davon abgesehen haben sich die Fans jedoch vorbildlich verhalten. Zürcher Ultras liessen sich in Winterthur nicht blicken, und die Basler konnten ihren Arbeitssieg feiern. Aber auch die Winterthurer liessen sich die Festlaune nicht verderben und feierten ihren Achtungserfolg: «Wir haben in dieser Saison zwei Wunder geschafft, ein drittes Mal geht halt nicht», sagt ein pragmatischer Fan während des Spiels.

Kein Fan-Gezicke vor dem Spiel

Die Stimmung auf der mit 8500 Zuschauern ausverkauften Schützenwiese während des Spiels war ausgelassen. Beim Einmarsch der beiden Mannschaften ertönte der Song «Hells Bells» von AC/DC, so wie es in Deutschland beim FC St. Pauli Sitte ist. Winterthur und die Hamburger verbindet eine Fussballfreundschaft, der FCW sieht sich als St. Pauli der Schweiz.

Selbst als die Basler Anhänger auf der Schützenwiese ankamen, blieb die Stimmung im und um das Stadion angenehm und gesittet. Die Vorfreude auf einen herzhaften Cupfight war gross, auch bei den Anhängern des Aussenseiters aus der Challenge League. Nur das Wetter spielte nicht mit.

Polizei schon am Bahnhof präsent

Die Polizei nahm die Basler bereits am Bahnhof mit einem grossen Aufgebot in Empfang. Um 12.30 Uhr, kurz bevor die Gäste mit dem Zug ankamen, schlossen die gut ausgerüsteten Einsatzkräfte die Unterführung und leiteten die Fans des FCB auf einem anderen Weg zum Stadion. Die rot-blauen Anhänger gaben sich siegessicher und laut, aber nicht aggressiv.

Winterthurs Captain Stefan Iten verwies im Vorfeld der Halbfinal-Partie auf die Tatsache, dass sein Team bereits gezeigt habe, dass es höher eingeschätzte Mannschaften aus dem Wettbewerb werfen kann. Sowohl gegen den ehemaligen Meisterschaftsanwärter Young Boys als auch gegen den souveränen Challenge-League-Leader St. Gallen setzte sich Winterthur jeweils im Penaltyschiessen durch.

«Respekt, aber keine Angst»

Wie der FC Basel befindet sich auch Winterthur, das seit Mitte der Achtzigerjahre nie mehr der höchsten Liga angehörte, seit Monaten auf einer Euphorie- und Erfolgswelle. Seit Oktober verlor das Team von Trainer Boro Kuzmanovic nur ein Pflichtspiel.

Entsprechend gross war das Selbstvertrauen im FCW-Umfeld vor dem grossen Spiel. «Wir haben Respekt, aber keine Angst vor dem grossen Gegner», so Kuzmanovic, dem gegen Basel alle Spieler zur Verfügung standen. «Das Spiel ist der Lohn für die zuletzt stark verbesserten Leistungen des Teams. Ich mag es den Spielern gönnen», sagte er im Vorfeld. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.04.2012, 13:57 Uhr

Artikel zum Thema

Nicht nur der FC Winterthur ist nervös

Die Abschrankungen auf der Schützenwiese wurden repariert, und Basler wie Winterthurer freuen sich auf das Zusammentreffen am nächsten Sonntag. Sorgen bereiten der Polizei allerdings die Zürcher Fans. Mehr...

Fremde Fans machen in Winterthur Krawall

Nach dem Cupsieg des FC Winterthur musste die Polizei Fans aus vier Städten mit Tränengas voneinander trennen. Nicht nur Fussballanhänger wollten sich in Winterthur prügeln. Mehr...

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...