YB 25 Jahre titelresistent

Wetten, dass YB irgendwann wieder einen Titel feiern darf? 1987 wurden die Berner letztmals Cupsieger. Am Montag empfangen sie Aufsteiger Lausanne (16 Uhr).

Der letzte YB-Pokalgewinn: 1987, als die Bilder noch grösstenteils schwarzweiss waren, siegten die Young Boys im Cupfinal gegen Servette.

Der letzte YB-Pokalgewinn: 1987, als die Bilder noch grösstenteils schwarzweiss waren, siegten die Young Boys im Cupfinal gegen Servette. Bild: Andreas Blatter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist ein kleines, wenig feierliches Jubiläum. 1987 gewannen die Young Boys den letzten Titel, langjährige YB-Anhänger erinnern sich bestimmt an den 4:2-Sieg nach Verlängerung im Cupfinal gegen Servette. Ein Vierteljahrhundert ist das her. Erich Honecker besuchte 1987 als erster DDR-Staatschef die Bundesrepublik Deutschland, Mathias Rust landete mit einer Cessna auf dem Roten Platz in Moskau (Sowjetunion), und Thomas Gottschalk moderierte erstmals «Wetten, dass?».

Die YB-Fangemeinde hat seither eine grosse Leidensfähigkeit entwickelt und begegnet der Erfolglosigkeit mit einer Prise Humor. Auf der Internetseite Rasenschach.ch kann man seit kurzem sogar ein YB-Shirt mit dem Aufdruck «25 Jahre titelresistent» erwerben.

Auch mit Titeltrainer Zweiter?

Christian Gross ist der Mann, der im letzten Sommer das Traineramt antrat, um YB eine neue Leistungskultur zu verordnen – und Titel zu gewinnen. Der Zürcher hatte ein Jahr nach dem YB-Cupsieg 1987 seine Trainerlaufbahn in Wil begonnen. Ab 1994 gewann er bis 2008 bei GC und Basel 11 Titel (6 Meisterschaften, 5 Cupsiege). Es ist eine bemerkenswerte Bilanz, doch auch der in Bern schier als Messias empfangene Coach wird diese Saison höchstens auf Rang 2 beenden. Sein Berner Projekt sieht den ersten YB-Meistertitel seit 1986 spätestens im dritten Jahr vor. Druck und Erwartungen sind gewaltig, doch der erfahrene Trainer geht gelassen damit um. Vor dem Heimspiel am Ostermontag gegen Lausanne sagt er: «Ich beschäftige mich nur mit dem nächsten Spiel. Gegen das defensiv eingestellte Lausanne wird es nicht einfach.»

4 Heimspiele in 5 Partien

In den nächsten 5 Spielen darf YB viermal zu Hause antreten. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass die Berner danach und auch Ende Saison (mal wieder) auf Platz 2 stehen werden. «Ich bin kein Trainer, der Punkteforderungen aus einer Anzahl Spiele stellt», sagt Gross. «Wir streben Verbesserungen in allen Bereichen an. Gelingt uns das, kommen die Punkte von alleine.»

Eine Heimniederlage gegen Lausanne allerdings würden Kritik an YB und Unruhe im Betrieb vergrössern. Vor wenigen Wochen, bei der Nullnummer in Lausanne, lieferte das talentierte, teure, prächtig besetzte Berner Team ja eine dieser seltsam leblosen Auftritte ab. «Es wäre hilfreich, würde uns am Montag ein frühes Tor gelingen», sagt Gross.

Basel in 8 Tagen Meister?

Übermorgen muss YB in der Offensive auf die gesperrten Raúl Bobadilla und Matias Vitkieviez verzichten. Selbstverständlich sind die einsetzbaren Akteure der Berner immer noch deutlich stärker als jene Lausannes, alles andere als ein diskussionsloser Heimsieg wäre eine Enttäuschung für den Spitzenklub YB. Langweilig wie selten aber bleibt das Titelrennen so oder so. Leader Basel könnte schon am 15.April, ausgerechnet dann, wenn er seinen Cuphalbfinal in Winterthur bestreitet, sechs Runden vor Saisonende Meister sein. Und zwar, wenn YB bis dahin die Heimspiele gegen Lausanne und GC (am nächsten Samstag) nicht gewinnt – sowie Luzern heute gegen Basel verliert und am 15.April beim FCZ nicht siegt. Geht es nach Christian Gross, wird der FCB erst später feiern können: «Wir wollen alle Heimspiele bis Ende Saison gewinnen.»

SCB-Spiel im Stade de Suisse

Und wie man helvetischer Champion wird, können die Young Boys in diesen Tagen ja möglicherweise vom SC Bern lernen. Ein Kuriosum – der SCB-Titelgewinn, während YB spielt – aber bleibt ihnen nach der 1:2-Niederlage des SCB vorgestern bei den ZSC Lions erspart. Am Montag nämlich bestreitet der Eishockeyklub zeitgleich in Zürich Spiel 4 der Playoff-Finalserie.

Die Besucher des YB-Heimspiels gegen Lausanne können den zweiten SCB-Auftritt in zwei Tagen auf Bildschirmen im Stade de Suisse verfolgen. Christian Gross schätzt SCB-Chef Marc Lüthi seit langem, und über dessen eher rustikalen Umgang mit Trainern schweigt er höflich: «Es ist nicht meine Aufgabe, das zu beurteilen.» Gross hat genug zu tun mit dem scheinbar titelresistenten YB. Doch vielleicht ist bald die Zeit für weitere historische Veränderungen gekommen. Die kommunistischen Staaten DDR und Sowjetunion gibt es ja schon lange nicht mehr. Und seit Anfang Jahr wird «Wetten, dass?» tatsächlich nicht mehr von Thomas Gottschalk präsentiert.

Liveticker, Montag ab 16 Uhr

Erstellt: 07.04.2012, 13:42 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Remis beim unterhaltsamen Klassiker

Der FC Zürich und die Young Boys trennen sich nach einem ausgezeichneten und ereignisreichen Duell mit 2:2. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live. Mehr...

GC besiegt zehn Young Boys 2:0

Die Grasshoppers feiern gegen YB ihren ersten Sieg im neuen Jahr. Sie profitieren dabei von einer mehr als 70-minütigen Überzahl. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

Mamablog Wären Sie gerne Ihr eigenes Kind?

Sweet Home Holen Sie sich die Natur ins Haus

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...