YB: Hoher Anspruch, triste Wirklichkeit

Die Young Boys absolvieren bisher eine sehr enttäuschende Saison. Trotz des teuersten Teams in der Vereinsgeschichte hinken sie den Erwartungen hinterher.

Unzufrieden: YB-Stürmer Emmanuel Mayuka.

Unzufrieden: YB-Stürmer Emmanuel Mayuka. Bild: Andreas Blatter

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Es ist eine merkwürdige Super-League-Saison mit vielen Absurditäten. Und deshalb überrascht es keineswegs, spielen auch die Young Boys eine sonderbare Rolle. Basel agiert hochüberlegen in eigenen Sphären, doch nach Verlustpunkten steht YB 14 Zähler hinter dem FCB derzeit tatsächlich auf Platz 2. Gemessen an den teilweise miesen und insgesamt sehr enttäuschenden Leistungen der Berner in den letzten Monaten, ist diese Rangierung bloss ein Beleg mehr für das schwache Niveau der schon als Operettenliga bezeichneten Super League in dieser Spielzeit. «Für uns geht es darum, die Saison als Zweiter zu beenden», sagt YB-CEO Ilja Kaenzig. «Das wäre noch ein einigermassen versöhnliches Ende.»

FC Sion wäre besser

Wie wenig Anspruch und Wirklichkeit bei den sehr ambitionierten Young Boys – mit der teuersten Mannschaft in der Klubgeschichte – korrespondieren, verdeutlichen zahlreiche Fakten. So haben Aufsteiger Servette und Aussenseiter Thun nach 23 Runden bloss 2 beziehungsweise 4 Punkte weniger auf dem Konto. Es sind zwei Teams, deren bescheidenes Ziel es vor der Saison war, nicht in den Abstiegskampf verwickelt zu werden. Zudem müsste YB noch erheblich ernsthafter um eine Europacupqualifikation kämpfen, wären Sion nicht 36 Punkte abgezogen worden. Der – allerdings ebenfalls überhaupt nicht konstante – Walliser Verein würde ohne die harte Bestrafung sogar 3 Zähler vor den Young Boys liegen.

Und zu schlechter Letzt lag Xamax in der Winterpause, vor dem Konkurs, auch bloss einen Punkt hinter dem Stadtberner Klub. Die Minieuphorie jedenfalls, die YB mit gutem Rückrundenstart entfacht hatte, ist längst wieder grosser Ernüchterung gewichen. «Wir sind alle nicht zufrieden, wie es läuft», sagte Goalie und Captain Marco Wölfli nach dem sehr enttäuschenden 0:0 vor bald zwei Wochen in Lausanne.

Morgen bei GC unter Druck

Seither haben die Young Boys keinen Ernstkampf mehr bestritten, weil das Heimspiel gegen Xamax am letzten Wochenende aus dem Spielkalender gestrichen wurde. Morgen soll im Gastspiel beim gleichfalls kriselnden GC mal wieder der Turnaround eingeleitet werden. Eine Niederlage in Zürich würde die Lage für YB dagegen noch ungemütlicher gestalten. Mit einer beachtlichen Transferoffensive und bemerkenswerten Investitionen haben die YB-Investoren in den letzten Monaten ja Kader und Staff aufgemotzt – der Meistertitel soll im Frühling 2013 die sportliche Vorwärtsstrategie krönen.

Vorerst aber beweisen die Zahlen, wie enttäuschend die Bilanz des Vereins in dieser Saison wirklich ist. Trotz eines sehr breiten, sehr prominent und sehr stark besetzten Teams haben die Young Boys zu diesem Zeitpunkt in den letzten sieben Saisons nie weniger Tore, Siege und Punkte auf dem Konto gehabt (siehe Kasten). Immerhin haben sie die Defensive stabilisiert und deutlich weniger Gegentore zugelassen als in den letzten Jahren.

Petkovics Entlassung

Vor einem Jahr hatte YB – als Fünfter – nach 23 Spieltagen ebenfalls bloss 35 Punkte. Damals siegten die Young Boys in der 24.Runde 2:0 in St.Gallen. Wenige Wochen später wurde Vladimir Petkovic dennoch als Trainer entlassen. Dieses Schicksal droht dem mächtigen Christian Gross nicht, er sitzt fest im Sattel – und ist mächtig unter Druck.

Erstellt: 16.03.2012, 06:57 Uhr

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In den letzten sieben Saisons hatte YB nach 23 Runden nie weniger Siege, Tore und Punkte auf dem Konto. Eines aber hat Trainer Christian Gross geschafft: Die Defensive ist deutlich stabilisiert worden. 22 Gegentore sind Bestwert in dieser Zeitspanne. fdr

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