YB-Spieler sind auf dem Balkon nicht erwünscht

An der grossen Meisterfeier darf YB den Pokal nicht vom Balkon des Parlamentsgebäudes aus präsentieren.

1998 nutzten Ständeräte den Balkon, um ein Konzert des Rekrutenspiels Chur zugunsten von Minenopfern mitzuverfolgen.

1998 nutzten Ständeräte den Balkon, um ein Konzert des Rekrutenspiels Chur zugunsten von Minenopfern mitzuverfolgen. Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Das ist ein Dämpfer für den frischgebackenen Schweizer Fussballmeister: Die Verwaltungsdelegation der Bundesversammlung hat das Gesuch des BSC Young Boys zur Benutzung des Balkons abgelehnt. Geplant war, dass die Spieler an der Meisterfeier vom Pfingstsonntag den Pokal den Fans auf dem Bundesplatz vom Balkon des Parlamentsgebäudes aus präsentieren. Doch daraus wird nun nichts: Die aus Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter (FDP) und Nationalratspräsident Dominique de Buman (CVP) und deren jeweiligen Vizepräsidenten bestehende sechsköpfige Verwaltungsdelegation des Parlaments hat das Gesuch der Berner abgelehnt, wie das Onlineportal Nau.ch gestern berichtete.

In der Begründung gratulieren die Politiker den Young Boys zum «Meistersieg» und anerkennen die «ausgezeichnete Leistung». Sie stellen aber fest, dass der Balkon gar nicht für eine «effektive» Nutzung konzipiert worden sei. So sei etwa die Brüstung nicht hoch genug, um genügend Schutz zu bieten. Ausserdem befänden sich Verkabelungen auf dem Balkon, was das Risiko eines Unfalls erhöhe. Deshalb folgte das Gremium dem Sicherheitsbeauftragten des Bundeshauses und lehnte das Gesuch einstimmig ab. Die Verwaltungsdelegation diskutierte das Gesuch von YB am Freitag, also am Todestag des ehemaligen Berner Stadtpräsidenten und SP-Nationalrats Alexander Tschäppät, der kurz vor seinem Tod den Wunsch zur Freigabe des Balkons geäussert hatte. Es gehöre nicht zum «Courant normal», dass der Balkon des Gebäudes für sportliche, werbliche oder unterhaltende Zwecke freigegeben werde, hatte Mark Stucki, der Informationschef der Parlamentsdienste, im Vorfeld des Entscheids gesagt. «Aktivitäten von Dritten» seien in den Weisungen grundsätzlich nicht vorgesehen.

Springt Valiant in die Bresche?

Vor zwölf Jahren kam YB dem Balkon sehr nahe: 2006, vor dem Cupfinal gegen Sion, gab die Verwaltungsdelegation auf Betreiben von Alexander Tschäppät die Zusicherung, den Balkon für die Feier nutzen zu dürfen. Doch YB konnte den Schritt auf den Balkon nicht tun, weil der Final gegen die Walliser im Penaltyschiessen verloren ging. 2009 – YB stand wieder gegen Sion im Cupfinal und verlor auch diesen – verzichtete Tschäppät dann auf entsprechende Bemühungen.

Ganz hoffnungslos ist die Suche nach einem repräsentativen Ort aber durch das Nein des Parlaments nicht geworden. Die Bank Valiant verfügt am Bundesplatz ebenfalls über einen Balkon. Allerdings ist dieser nur ungefähr einen Meter breit. Da könne es sehr schnell eng werden, teilte die Bank auf Anfrage des «Bund» mit. «Auch aus Statik- und Sicherheitsgründen müssten wir genau abklären, ob unser Balkon für eine Mannschaftspräsentation geeignet wäre.» Als Sponsor von YB würde man den Club aber gerne unterstützen, liess Valiant weiter verlauten. (awb)

Erstellt: 07.05.2018, 12:16 Uhr

Cupfinal

Stadt Bern will Fanmärsche tolerieren

Den Ostermontag 2014 haben Bernerinnen und Berner in unguter Erinnerung: Vor dem Fussball-Cupfinal war es damals während der Märsche von FCZ- und FCB-Fans zu Sachbeschädigungen und Ausschreitungen gekommen. Die Stadt Bern verzichtete in der Folge während Jahren auf die Durchführung des Traditionsanlasses. Der Cupfinal YB - FCZ vom 27. Mai ist der erste, der nach der damaligen Eskalation wieder im Stade de Suisse stattfindet.

Vor dem seit einigen Tagen ausverkauften Match ist heute klar: Auch heuer wird es erneut zu Fanmärschen vom Stadtzentrum zum Stadion kommen. Noch Anfang März hatte der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) ein neues Konzept angekündigt: Die Anhänger der beiden Finalisten wären demnach getrennt an den Bahnhöfen Wankdorf und Ostermundigen im Norden der Stadt angekommen.

Dieses Wunschkonzept des Stadtpräsidenten liess sich nun offenbar nicht durchsetzen: «Die Situation ist eine besondere, weil YB im Final steht», sagte der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause auf Anfrage. Es sei der «Wunsch vieler YB-Fans ist, sich in der Innenstadt zu besammeln», und der Weg zum Stadion führe für viele Stadtberner ohnehin durchs Zentrum, so der CVP-Politiker. Den Zürcher Fans kann Nause allerdings kaum verweigern, was er den YB-Anhängern erlaubt; zumindest nicht, ohne beim FCZ-Anhang eine Trotzreaktion zu provozieren, wie er durchblicken lässt: «Auch aus Zürich kam letztlich der Wunsch nach einem Marsch vom Hauptbahnhof zum Stadion», so Nause.

Man habe «versucht, die Wünsche der beiden Fangruppen in Übereinstimmung zu bringen». Aufgrund der Kontakte mit den Fanverantwortlichen sei man «optimistisch, die Fans räumlich aneinander vorbeizubringen», ohne dass es zu Szenen wie 2014 komme.

Es ist wohl davon auszugehen, dass die Berner auf der Achse Kornhausbrücke–Breitenrain und die Zürcher via Lorrainebrücke–Wylerquartier zum Stadion gelotst werden sollen. Die FCZ-Fans kündigen auf ihrer Website an, mit «mehreren Extrazügen» anreisen zu wollen, die «ab Zürich HB an den Hauptbahnhof Bern fahren werden».

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