YB wird südamerikanisch

Die letzten Zuzüge bei YB machen es deutlich: Die Zusammensetzung des Teams hat sich verändert. Unter Trainer Christian Gross sollen mehr Südamerikaner spielen.

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Die ruhigen Tage sind vorbei. Fussballer wie Verantwortliche der Young Boys schwärmten zuletzt von den guten Bedingungen, die sie im warmen Cala de Mijas an der andalusischen Küste fernab von Hektik im Trainingslager geniessen durften. «Für nächstes Jahr wollen wir bereits wieder reservieren», verkündet der Technische Direktor Hansruedi Hasler. YB hat zum grossen Medientreff geladen – vier Tage vor dem Rückrundenstart soll es noch einmal Gelegenheit geben, die Winterpause Revue passieren zu lassen. Gut 25 Journalisten haben die Einladung angenommen. Am Mittag offeriert YB Pasta und Salat am Buffet – und vor allem die Möglichkeit zum Austausch im lockeren Rahmen. Später bereiten sich die Fussballer aufs Training vor, das Wort gehört den Klubverantwortlichen.

Sie sind vor allem um Ausblicke bemüht und geben sich zukunftsorientiert. Doch in den letzten Wochen hat sich im YB-Kader viel bewegt. So nutzt CEO Ilja Kaenzig die Gelegenheit und kommt noch einmal auf die erfolgreiche Transferperiode zu sprechen, die – zumindest international – am Dienstagabend endete. «Die nationale Konkurrenz haben wir in der Winterpause auf dem Transfermarkt distanziert», sagt er. Und erneut dankt Kaenzig den Investoren, die finanzielle Kraftakte wie die Verpflichtung des Argentiniers Raul Bobadilla von Borussia Mönchengladbach möglich gemacht haben.

«Ihre Spiellust tut uns gut»

Oft war in den letzten Monaten, als YB auch nach der Verpflichtung von Christian Gross als Trainer nicht sofort Sieg an Sieg reihte, von einem Kulturwechsel die Rede. Die Neuausrichtung schien zuletzt auch auf dem Transfermarkt stattzufinden. Ausser dem Kanadier Josh Simpson stammen alle Zuzüge aus Südamerika: Die Venezolaner Josef Martinez und Alexander Gonzalez, der Argentinier Bobadilla und der uruguayisch-stämmige Matias Vitkieviez. Christian Gross ist bekennender Fan dieser (Spiel-)Kultur: «Die Herzlichkeit und vor allem die Spiellust, die diese Akteure mit sich bringen, tun uns allen gut.» Mit Gross’ Ankunft hat in Bern die Stossrichtung in der Spielersuche geändert. Die Zusammenarbeit mit der Fussballschule in Abidjan, eine von zahlreichen Talentschmieden an der Elfenbeinküste, wurde beendet, jene mit dem Spielerberater Jean Bernard Beytrison, zum Beispiel an den Transfers von Thierry und Pascal Doubai beteiligt, reduziert.

Der neue «YB-Kontinent»

In den letzten Jahren, unter Kaenzigs Vorgänger Stefan Niedermaier als Geschäftsführer, standen bei YB viele Nord- (Issam Mardassi, Saif Ghezal, Ammar Jemal) und Westafrikaner (Youssouf Traoré, Seydou Doumbia, Thierry Doubai, Hassan Lingani) unter Vertrag. Heute sind es nur noch der Schweiz-Kameruner Freddy Mveng und der Ivorer Pascal Doubai. «Ich habe fast nur gute Erfahrungen mit südamerikanischen Fussballern gemacht», erklärt Gross den Schwerpunkt Südamerika bei den jüngsten YB-Einkäufen. Beim FC Basel zählte er die Argentinier Christian Gimenez, Matias Delgado und Julio Hernan Rossi zu seinen Leistungsträgern – den heutigen Basler Abwehrchef David Abraham holte er 2008 aus Argentinien in die Schweiz. Mit den Transfers vom neuen «YB-Kontinent», die der Trainer als «sorgfältig und überlegt» bezeichnet, will Gross künftig auch in Bern Erfolg haben.

Lange Verträge

Kaenzig sagt: «Wir beschäftigen uns bereits jetzt mit den Möglichkeiten vom nächsten Sommer.» Eine gewisse Weitsicht sei auch im kurzlebigen Fussballgeschäft nötig, ergänzt Hansruedi Hasler. Und er sei stolz, vermelden zu können, dass im Sommer «kein Vertrag eines Spielers ausläuft». Wenige Tage vergingen in den letzten Wochen ohne Neuigkeiten – Ilja Kaenzig musste gar im Büro in Bern bleiben, statt wie üblich ins Trainingslager mitzureisen. Auch am Mittwoch gibt YB eine kleine Mutation bekannt, die neuen Partnerschaften mit Gstaad Tourismus und den Tankstellen von BP sind die Transfermeldungen der etwas anderen Art.

Erstellt: 02.02.2012, 10:28 Uhr

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