Yakins letzter Angriff

Aarau und Bellinzona sind die Topfavoriten für den Aufstieg in die Super League. Altmeister Hakan Yakin könnte den grossen Unterschied ausmachen – und er scheint fit zu sein.

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Der 87-fache Nationalspieler Hakan Yakin geht mit bald 35 Jahren seinem x-ten Frühling, aber auch dem Ende seiner Karriere entgegen. Mit der AC Bellinzona verfolgt er noch ein ganz grosses Ziel: Die Rückkehr in die Super League. Es ist so etwas wie sein letzter Angriff. «Auch wenn ich im Fussball viel erlebt und erreicht habe, ist der Aufstieg mit der ACB für mich noch einmal eine grosse und enorm wichtige Herausforderung», sagt der Basler gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Ich werde dafür noch einmal alle Kräfte mobilisieren.» Für Yakin geht es aber nicht nur um die Rückkehr in die Super League. «Wir wollen in Bellinzona das Stadionprojekt vorantreiben. Dabei wäre der Aufstieg Gold wert und so etwas wie eine Initialzündung», sagt der Mittelfeldstratege, der bei der ACB auch im Verwaltungsrat sitzt.

Geniesst Yakin wegen seines Sonderstatus im Club bei Trainer Martin Andermatt etwa Privilegien? «Dazu will ich mich gar nicht gross äussern. Die Personalie Hakan Yakin und damit alle möglichen und nicht möglichen Funktionen werden sich in den nächsten Wochen und Monaten von allein erklären oder eben nicht. Wer zu viel redet, hat meist zu wenig Zeit, um nachzudenken», gibt sich Andermatt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet diplomatisch.

Yakin und der Jo-Jo-Test

Wegen einer Verletzung war Yakin in der Vorrunde während Wochen ausgefallen. Doch im Trainingslager in der Türkei hat er sich offenbar eindrücklich zurückgemeldet. «Wir haben nach der Rückkehr in die Schweiz den Jo-Jo-Test mit den Spielern gemacht. Und dabei hat Yakin hervorragend abgeschnitten.» Der Jo-Jo-Test, den der Däne Jens Bangsbo entwickelte, ist der bekannteste Test in der Leistungsdiagnostik. Die Probanden laufen eine vorgegebene Strecke nach einer Zeitvorgabe, die immer schneller wird. Der Test ist beendet, wenn die Testperson die Laufgeschwindigkeit nicht mehr halten kann. Nach dem Test können individuelle Trainingsempfehlungen abgegeben werden.

«Er ist angefressen wie eh und je»

Andermatt stellt Yakin auch sonst ein glänzendes Zeugnis aus. «Er ist als Person gereift und kümmert sich um die Entwicklung unserer jungen Spieler. Er ist ein Leader und ein absoluter Teamplayer.» Yakin sei nach wie vor ehrgeizig und geradezu angefressen vom Fussball, den er immer noch liebe. «Wenn wir am Schluss des Trainings noch ein Mätchli machen, dann endet dieses nie unentschieden, weil Yakin dann sein Veto einlegt und bis zur Entscheidung weiterkicken will», berichtet Andermatt. Dann könne das Training unter Umständen mal beträchtlich länger werden. Yakin könne auch im Training immer noch nicht verlieren, werde dann «so richtig hässig». Yakin habe auch im Trainingslager jede Einheit voll durchgezogen. «Wir hatten einige Testspiele, da habe ich ihn schon mal geschont. Er ist ja schliesslich nicht mehr zwanzig.»

Die Entschuldigung des Präsidenten

Obwohl Martin Andermatt mit Bellinzona schon in der vergangenen Spielzeit fast aufgestiegen wäre, erhielt er für diese Saison keinen Vertrag mehr. Nach den Entlassungen von Raimondo Ponte und Francesco Gabriele hat Präsident Gabriele Giulini Andermatt für die Rückrunde zurückgeholt. «Er hat sich öffentlich bei mir entschuldigt und damit Grösse bewiesen», sagt der ehemalige Nationalspieler.

«Dann kann er den ganz grossen Unterschied ausmachen»

Ramon Egli, Sohn des ehemaligen Internationalen Andy Egli, hat mit dem FC Biel schon mehrmals gegen Bellinzona und Hakan Yakin gespielt. «In diesen Spielen machte mir Hakan keinen sonderlich fitten und motivierten Eindruck», sagt Egli gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Aber mit der Rückkehr von Martin Andermatt zu Bellinzona könne sich das durchaus schlagartig ändern. «Die beiden kennen sich und haben ja schon bei YB erfolgreich zusammengearbeitet. Andermatt wird Yakin das uneingeschränkte Vertrauen zurückgeben. Und wenn er die Vorbereitung tatsächlich komplett mitmachen konnte, er gesund bleibt und wieder voll motiviert ist, dann kann er in jedem Spiel den ganz grossen Unterschied ausmachen», sagt Egli. Yakin sei nach wie vor ein ausserordentlicher Fussballer. Ansonsten schätzt Egli den FC Aarau im Aufstiegskampf etwas stärker ein. «Die Aarauer haben sich mit Sven Lüscher von Winterthur gezielt und hervorragend verstärkt. Aarau ist für mich auch kompakter als Einheit.»

Erstellt: 07.02.2013, 12:23 Uhr

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