Zwergenaufstand in der Fremde?

Der Sechstligist Rielasingen-Arlen empfängt im DFB-Pokal Borussia Dortmund. Fast hätte das Spiel in der Schweiz stattgefunden.

Sechstligist gegen Titelverteidiger. Die Auslosung meinte es gut mit dem Dorfclub. Bild: Getty Images

Sechstligist gegen Titelverteidiger. Die Auslosung meinte es gut mit dem Dorfclub. Bild: Getty Images

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Es ist, wie wenn ein Löwenrudel hungrig einem Hasen nachjagt – und dann plötzlich ein gut ernährtes Zebra sichtet. Die Löwen ändern ihre Strategie, der Hase ist nicht mehr interessant, nun wird das Zebra umkreist. Die Rolle des Zebras in Dortmund verkörpert diese Woche Ousmane Dembélé. Die Journalisten sind die Löwen, und die Rolle des Hasen spielt der Sechstligist 1. FC Rielasingen-Arlen.

Im Gegensatz zum Zebra erregte Dembélé gerade durch seine Nichtanwesenheit im Training vom Donnerstag Aufmerksamkeit. Am selben Tag war in Dortmund eigentlich eine Pressekonferenz mit BVB-Trainer Peter Bosz für Fragen rund um den Pokalauftakt Dortmunds gegen den Dorfclub geplant. Eigentlich, weil das Spiel von heute (15.30 Uhr) zur Nebensache verkam und Bosz fast nur Fragen zum Fall Dembélé beantworten musste.

Auch Schaffhausen war eine Ausweich-Option

«Vielleicht fehlt dem BVB etwas der Fokus auf den Fussball», sagt denn auch Peter Dreier, Vorstandsvorsitzender des 1. FC Rielasingen-Arlen, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Sportlich gesehen, bleibt er realistisch: «Wir könnten 0:10 verlieren, und doch bleibt eine kleine Chance, dass wir 1:0 gewinnen.» Für den kleinen Verein, nur wenige Gehminuten von der Schweizer Grenze in der Nähe des Bodensees entfernt, ist schon die Teilnahme an der Hauptrunde des DFB-Pokals eine Sensation. Rielasingen-Arlen ist nach einem Siebtligisten auf dem Papier der zweitschlechteste Club im Feld der letzten 64.

Dortmund! Die Reaktionen auf das Losglück im Video. (Quelle: Youtube)

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gelang dieser Coup, indem der Verbandsligist den Südbadischen Cup gewann und nun mit Dortmund auch noch den amtierenden Pokalsieger in der ersten Hauptrunde empfangen darf. Weil diese Affiche mehr als 1500 Zuschauer anlocken würde, die auf der heimischen «Sportanlage an den Talwiesen» Platz finden, schaute sich der Verein nach Alternativen in der Region um.

Der BVB ist in der Schweiz sehr beliebt, führt sein Trainingslager im Sommer jeweils in Bad Ragaz durch und testete erst am 28. Juli in Winterthur vor 9000 Zuschauern gegen Espanyol Barcelona (0:1). «Zuerst kam auch Schaffhausen als Austragungsort infrage, doch es wäre organisatorisch nicht aufgegangen», sagt Dreier. Deshalb mietete der Club das Schwarzwald-Stadion in Freiburg, 90 Minuten vom heimischen Platz entfernt. Absicht ist auch die Nähe von Freiburg zur Schweiz, um BVB-Fans von hierzulande anzulocken.

Bürgermeister: «Fussballfest», Bosz: «Respekt»

Dreier sagt, der Stadionwechsel sei ein Risiko gewesen, denn nur mit genügend verkauften Tickets würde sich die Stadionmiete lohnen. Noch könne er nicht sagen, was für den Sechstligisten und die Spieler rausschauen wird. Von 22’000 möglichen Karten waren gestern aber nur noch 1200 zu haben. Es kommen nicht nur Dortmunder, der Veranstalter darf mit starker Unterstützung rechnen. 9000 Tickets wurden in der unmittelbaren Region verkauft, bei nur fast 12’000 Einwohnern der Gemeinde Rielasingen-Worblingen eine stolze Zahl. Die Nordtribüne im Schwarzwald-Stadion soll komplett in Rot erscheinen, der Hauptfarbe des Clubs.

Sogar der Bürgermeister war an der Liveübertragung der Auslosung der ersten DFB-Pokalrunde im Clubhaus und freute sich über das «Traumlos». Im aufwendig gestalteten Stadion-Magazin nimmt er Stellung, gratuliert noch mal überschwänglich und wünscht dann allen ein «friedliches Fussballfest». Das Pokal-Abenteuer wird, wenn nichts völlig Unerwartetes passiert, nur 90 Minuten dauern, denn der Fussballalltag hat für Rielasingen-Arlen bereits begonnen. Im ersten Saisonspiel verlor man gegen den FV Lörrach, hinzu kam ein knapper Sieg gegen Löffingen – in der Qualifikation für den DFB-Pokal 2018/19. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.08.2017, 12:21 Uhr

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