Adi hat's im Griff

Adi Hütters Start in Frankfurt war holprig. Wochen später herrscht bei der Eintracht Euphorie. Der ehemalige YB-Coach ist angekommen.

Eintracht-Dirigent Adi Hütter erlebt mit Frankfurt aufregende Wochen.

Eintracht-Dirigent Adi Hütter erlebt mit Frankfurt aufregende Wochen. Bild: Keystone

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Zu Beginn war da dieses herzliche «Grüssgott». Als Adi Hütter Ende Mai das Podium im Presseraum betrat, war zu spüren, dass dieser Tag nicht nur für Eintracht Frankfurt, sondern auch für ihn ein spezieller war.

Der Club hatte soeben seinen Erfolgscoach Nico Kovac an die Bayern verloren, fand in Hütter einen neuen Mann, der die Eintracht weiterentwickeln sollte. Hütter hatte mit den Young Boys das geschafft, was in den 32 vorangegangenen Jahren keinem YB-Coach mehr gelungen war: Er holte den Meistertitel. Seine Mission in Bern war beendet, ein neues Abenteuer sollte her. Die Bundesliga. Seine Wunschdestination.

Sympathisch war er den Menschen in Frankfurt ja von Beginn weg. «Er geht mit so viel Euphorie an die Sache», sagte etwa Sportdirektor Bruno Hübner. Und doch dauerte es nicht lange, bis ihm die ersten Kritiker nahelegten, das «Grüssgott» mit einem «Auf Wiedersehen» zu ersetzen. Denn der Start, der missriet Hütter gänzlich.

Im Supercup gingen die Hessen gegen die Bayern 0:5 unter. Wenige Tage später blamierte sich der Bundesligist beim Regionaligisten Ulm und schied in der ersten Pokal-Runde aus. Hütters Abenteuer drohte jäh zu enden.

Dass er zu Saisonbeginn in manchen Medien als Rauswurfkandidat Nummer eins betitelt wurde, liess den Voralberger nicht kalt. «Wenn man sich diese Listen anschaut und seinen Namen ganz oben findet, ist das unangenehm», sagte er kürzlich dem «Standard». Würde diese Liste heute aktualisiert, wäre sein Name weit nach unten gerutscht.

Hütter jammerte nicht, er versprühte Zuversicht

Seit den Startschwierigkeiten ist in Frankfurt einiges passiert. Hütter hat es geschafft, dass am Main der Glaube an die eigene Stärke zurück ist. Und das obwohl die Voraussetzungen alles andere als günstig waren. Leistungsträger wie Lukas Hradecky, Kevin-Prince Boateng oder Marius Wolf verliessen den Club im Sommer, einige Akteure waren von den WM-Strapazen gezeichnet und die Neuzugänge integrierten sich nicht so schnell wie erhofft. Er hätte Grund dazu gehabt, doch Hütter jammerte nie. Stattdessen versprühte er Zuversicht und Ruhe.

In einem ziemlich ruhigen Stadion war es dann auch, wo Hütter und Frankfurt das erste Ausrufezeichen setzten. Vor leeren Rängen ging das Europa-League-Spiel in Marseille überraschend 2:1 gewonnen.

Es war der Startschuss zu aufregenden Wochen. Es gab Siege gegen Hannover, Hoffenheim, Lazio und am Freitag gegen Düsseldorf. Die 7:1-Gala gegen die Fortuna war der vierte Pflichtspielsieg in Serie. Das gelang der Eintracht zuletzt vor über sechs Jahren.

Innert wenigen Wochen hat Hütter seine Position am Main spürbar gestärkt. Lob gibt es dafür, dass er Leistungsträger, die ihre Leistung nicht brachten, einfach mal auf die Tribüne beorderte. Komplimente bekam er auch für die Resozialisierung zwischenzeitlich aussortierter Spieler. Hütter sei heimlich, still und leise aus Kovacs Schatten getreten, schreibt die «Frankfurter Neue Presse». Der Österreicher habe sich eine Position der Stärke erarbeitet, meint die «Frankfurter Allgemeine Zeitung».

«Die Mannschaft ist hungrig und willig»

Sie hätten den Bock umgestossen, beschrieb Hütter den Umschwung jüngst in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Die Mannschaft ist hungrig und willig. Ich erwarte, dass wir den eingeschlagenen Weg weitergehen. Aber das wird kein Selbstläufer.»

Der 48-Jährige formuliert trotzdem ambitionierte Ziele bis zur nächsten Nationalmannschaftspause Mitte November. «Wir können uns in der Bundesliga in den Top Ten festbeissen und in der Europa League das Weiterkommen perfekt machen.» Eines sagt Hütter nicht: «Auf Wiedersehen.» (cst)

Erstellt: 20.10.2018, 17:26 Uhr

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