Zum Hauptinhalt springen

Alain Nef singt und sagt Adieu

Die FCZ-Spieler beendet seine Karriere und wird von den Fans ein letztes Mal gefeiert.

Alain Nef steht vor der Südkurve, die Fans verabschieden ihn.
Alain Nef steht vor der Südkurve, die Fans verabschieden ihn.
Keystone

Irgendwann kommt der Moment in dem der Übergang ins neue Leben vollzogen wird. Alain Nef hat sein Leibchen der Südkurve übergeben, die Nummer 13 hängt nun wie eine Reliquie am Zaun, dann steigt er hoch ins Dasein als Zuschauer.

Er klettert über den Zaun und steht mitten in die Südkurve, nimmt sich ein Mikrofon und beginnt vorzusingen. Kein Problem für einen, der jedes Lied, jeden Text kennt. Nef stimmt an, und es klingt als beschreibe da einer gerade sein neues Leben, seine neue Rolle im FCZ: «Egal wos anegaht, fahr vorus, mier reised nah, alles stah und ligge lah, zum i jedes Stadion gah.»

Alain Nef singt. Bild: Keystone
Alain Nef singt. Bild: Keystone

Alain Nef hat gestern seine Karriere beendet, der Abschied wird zum Fest, bereits vor dem Spiel. Seine Mitspieler tragen ein Einlaufleibchen mit einem Foto von Nef, dann stehen sie Spalier beim Einlaufen, die Fans schenken ihm eine Choreografie so gross wie die ganze Südkurve, das Präsidentenehepaar Canepa spendiert Händedruck und Erinnerungsbild. Und dann wird noch einmal an die 93. Minute aus dem Jahr 2006 gedacht, als Nef mit einem Einwurf Tor und Meistertitel in letzter Sekunde einleitete - und sich zur Club-Legende machte.

Die Choreografie der FCZ-Fans. Bild: Keystone
Die Choreografie der FCZ-Fans. Bild: Keystone

Tränen und Stolz

Das Adieu-Sagen geht Nef nahe. Die Emotionen überfahren ihn mit einer solchen Wucht, dass Tränen fliessen. Stolz und Trauer fühle er in diesem Moment, sagt er. Sein Zimmerkollege Yann Brecher beschreibt die Verneigung der Fans als «emotional» und «verdient», sein langjähriger Mitspieler Marco Schönbächler nennt sie «grandios». Auch er mit Tränen in den Augen.

Bereits als Nef in der Nachspielzeit ausgewechselt wird, erheben sich die Menschen im Letzigrund zu einer stehenden Ovation. Der andere abtretende Fussballer auf dem Feld, Tranquillo Barnetta, würdigt ihn mit einer Umarmung. Die Zuschauer beginnen Nefs Namen zu singen - und hören einfach nicht mehr auf. Als Nef eine halbe Stunde später in der Südkurve von Fan zu Fan geht, überreichen ihm die Ultragruppierungen Schals und Leibchen. Es ist eine Ehrbekundung und die Folge einer Karriere, die er als 16-Jähriger beim FCZ begann und nun als 37-Jähriger im gleichen Club beendet.

Nef hat über die Jahre den Respekt der Fans gewonnen, weil er nahbar war, weil er mit ihnen auch mal ein Bier trank, weil er Tugenden des Kampfes und Aufopferung auf den Platz getragen hat. «Ein Privileg», seien diese Fans, die in bloss zwei Tagen eine derart grosse Choreographie basteln können, sagt er: «Die Spieler sollen es schätzen, was sie hier an diesen Fans haben.» Es klingt wie eine Mahnung an die Jungen von einem der Älteren, der weiss, dass er zu den letzten seiner Art gehört. Wie es mit Nef genau weitergeht, ist unklar. Er bleibt dem Club erhalten, in welcher Form sollen Gespräche in den nächsten Wochen zeigen. Eines weiss Nef aber bereits heute, nämlich die Antwort auf die Frage, was er im Fussballerruhestand am meisten schätzen wird: «Im Stadion eine Wurst essen und Bier trinken.»

Das Video der Choreografie. Quelle: SRF

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch