Als Alex Frei spuckte und Urs Meier sich verstecken musste

3 Bilder, 3 Geschichten: Legendäre Schweizer Erinnerungen an Portugal und die EM 2004

Erst das Schweizer Fernsehen entlarvte Alex Frei und sorgte für einen Eklat. Bild: Keystone

Erst das Schweizer Fernsehen entlarvte Alex Frei und sorgte für einen Eklat. Bild: Keystone

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Frei spuckt und wird überführt


Eigentlich sollte es an diesem Montagabend in Coimbra um Fussball gehen, um das dritte Gruppenspiel der Schweiz an dieser EM in Portugal. Es geht aber nur um Alex Frei und die Spuckaffäre, denn der Verband lädt zweieinhalb Stunden vor dem Spiel zur Pressekonferenz: Präsident Zloczower, Generalsekretär Gilliéron, Ligapräsident Stadelmann, der Delegierte Lämmli, Medienchef Benoit. Frei hatte den Engländer Gerrard («Tschärrerd», wie der Berner Zloczower sagt) im zweiten Gruppenspiel angespuckt und das immer bestritten, bis das Schweizer TV ihn der Lüge überführte.

Frage an Zloczower: Ist denkbar, dass der Verband Frei zur Falschaussage gezwungen hat? «Ich bin doch nicht hier, um Märchen zu erzählen. Denkbar ist alles, auch, dass eine Bombe hier herunterkommt und wir alle tot sind.» Die Veranstaltung verkommt zur Posse, vielleicht auch, weil zu viele Anwälte auf der Bühne sitzen, gleich drei. Die Schweiz verliert nachher gegen Frankreich 1:3 und scheidet sang- und klanglos aus, wenigstens macht sich Johan Vonlanthen mit 17 Jahren und 4 Monaten zum jüngsten Torschützen der EM-Geschichte. (pmb.)

Stöck, Wiss, Ralph

Bild: Keystone

Das Quartier, das die Schweizer während der EM beziehen, lässt keine Wünsche offen. Es liegt direkt am Atlantik, hat fünf Sterne, jede Menge Luxus und einen Golfplatz, auf dem sich Murat Yakin austoben kann. Das verleiht zu Ferienstimmung gerade bei den Funktionären. Unvergessen ist das Bild von Ralph Zloczower, dem damaligen Verbandspräsidenten (ganz links), wie er sich mit einer Jassrunde an den Pool zurückzieht. (ths.)

Meiers Pfiff und die bösen Folgen

Meier erklärt Wayne Rooney, dass es eben kein Tor war. Bild: Keystone

Im Estadio Da Luz findet am 24. Juni 2004 der EM-Viertelfinal zwischen Gastgeber Portugal und England statt – und der Schweizer Urs Meier leitet ihn. In der 90. Minute erzielt Sol Campbell das 2:1, das Siegtor. Das Siegtor? Meier annulliert den Treffer, weil er ein Foul von John Terry an Goalie Ricardo gesehen hat. Das Spiel geht in die Verlängerung, ins Penaltyschiessen. Portugal setzt sich 6:5 durch. Und den grossen Schaden hat Meier.

In England schäumen sie vor Wut über das nicht gegebene Tor. Die Boulevardblätter veranstalten eine Hetzjagd, schüren mit geschmackloser Berichterstattung den Hass auf einen Mann, dessen Entscheid gegen Terry korrekt war. «The Sun» erklärt Meier zum Staatsfeind, der «Daily Star» versteigt sich zur Schlagzeile «What an Urs Hole». 16'000 Engländer entladen ihren Frust mit wüsten E-Mails. Meier erhält auch Morddrohungen und kann nach seiner Heimkehr in die Schweiz vorerst nicht in seinen Wohnort Würenlos zurückkehren. Er versteckt sich im Jura bei seiner damaligen Lebenspartnerin Nicole Petignat. (pmb.)

Erstellt: 10.10.2017, 10:57 Uhr

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