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Als käme Woody Allen

Was soll und will Yakin in Schaff­hausen? Der Name, der nicht nur für Titel steht, sondern auch für Glamour, Glanz und Gloria?

Als die Meldung kam, im Dezember, schien sie wie eines jener Gerüchte, die es um diese Zeit gibt, wenn nicht mehr gespielt wird und Fussball trotzdem ein Thema sein muss. Es war, als würde eine Gastspiel­tournee mit Woody Allen im Stadt­theater Schaffhausen angekündigt oder ein Auftritt von Adele im nächsten Sommer bei Stars in Town mitten in der Altstadt.

Aber es war so: Murat Yakin wird Trainer beim FC Schaffhausen, dem Letzten in der Challenge League. Der Weltmann Yakin, zuletzt Moskau, vorher Basel, geht in die Provinz. Und durch den Kopf gingen spöttische Gedanken. Weiss Yakin, dass es in der Munotstadt total nur drei Discos hat und kein Kaufleuten? Dass laut Trip­advisor das beste Gourmetlokal in der Stadt das Café Vordergasse vor der Pizzeria Musikhof ist? Dass es zwei Kinos gibt, am Rande der Stadt immerhin ein Vier-Sterne-Wellness-Hotel? Und dass der letzte Zug ab Zürich HB Richtung Schaffhausen kurz nach Mitternacht um 00.08 Uhr fährt, die S9, Gleis 41, am Wochenende eine halbe Stunde später noch einer?

Was soll und will Yakin in Schaff­hausen? Der Name, der nicht nur für Titel steht, als Spieler und als Trainer, sondern vor allem auch für Glamour, Glanz und Gloria? Die Ironie blieb im Kopf zurück, zum Glück vielleicht, sie wäre nicht korrekt gewesen, nur jene typische schnelle Reaktion, die aufkommt, wenn man etwas hört, das eigentlich nicht passt, nicht glaubhaft scheint. Seither gab Murat Yakin einige Interviews, und die Frage war natürlich immer wieder: Warum Schaffhausen, ausgerechnet Schaffhausen?

Yakin erzählte, wie reizvoll diese Aufgabe sei. Dass er in Schaffhausen so sein könne, wie er eben sei. Freud und Leid mit Menschen teilen könne, die ihm etwas bedeuten. Dass er auch als Trainer einiges zu verlieren habe. Er sich auch hier sage, dass er nicht versagen dürfe. Dass er zuletzt Zeit gehabt habe, über vieles nachzudenken. Zeit, die ihm jahrelang gefehlt habe. Dass nicht alles gut gelaufen sei. Was auch an ihm liegen könne. Er freue sich auf die Aufgabe. Sehr. Am Abend des 25. Februar spielt der FC Schaffhausen zum ersten Mal im neuen Lipo-Park, gegen Winterthur.

Im Stadttheater wird an jenem Wochenende auch das Familienmusical «Tu doch, was dein Herz dir sagt» gezeigt, nach dem Roman des grossen englischen Schriftstellers Charles Dickens. Es war weniger Yakins Herz als sein Kopf, der ihm «Schaffhausen» sagte. Sein Instinkt. Der richtige Club im richtigen Moment. Schaffhausen, 35 000 Einwohner.

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