An Dummheit nicht zu überbieten

Böllerwürfe überschatten das Kantonsderby. Ein 10-jähriger Bub muss ins Spital gebracht werden.

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Fünf Minuten vor Schluss fliegt von der Gegentribüne ein Böller auf das Spielfeld, landet zwei Meter von Winterthur-Captain Schuler entfernt und explodiert. Der Verteidiger sackt zusammen, das Spiel steht kurzzeitig vor dem Abbruch, Schuler kann wenig später weiterspielen. In der Nachspielzeit schiesst Dwamena das 3:0, er feiert mit seinen Kameraden vor der 1800 Mann starken Zürcher Fankurve, als plötzlich wenige Meter neben ihm wieder ein Böller detoniert – aus dem eigenen FCZ-Sektor geworfen. Noch einmal: aus dem eigenen Sektor! Ein 10-jähriger Bub muss darauf wegen eines Hörtraumas ins Spital.

Diese Würfe sind an Dummheit nicht zu überbieten. Es irritiert daran alles: der Zeitpunkt, der Ort, der Gegenstand. Das Spiel ist praktisch vorbei, die Partie entschieden, der FCZ kurz vor dem Aufstieg. Der Werfer auf der Gegentribüne kommt aus Schaffhausen, noch ist unklar, wessen Fanlager er angehört. Der FC Winterthur wird nun rechtliche Schritte einleiten.

Wenn es einen unpassenderen Ort für Böllerwürfe gibt, dann Winterthur. Ein Club, der seit Jahren für eine gewaltfreie Fankultur steht. Dass Fans den leuchtenden, aber nicht knallenden Pyros etwas abgewinnen und sie zu einer funktionierenden Fankultur zählen, ist das eine. Doch hier sprechen wir nicht von Pyros. Es sind Böller, die bei ihrer Detonation ein ganzes Stadion zusammenzucken lassen. Sie sind so gefährlich wie verpönt – auch beim Gros der Fussballfans. Trotzdem gibt es sie. Was ist der Reiz daran, wenn nicht die pubertäre Idiotie?

Der Werfer von der Gegentribüne wurde durch Hunderte von Zeigfingern lokalisiert und von der Menge beinahe gelyncht. Es ist wohl der einzige realistische Weg, die leicht zu schmuggelnden Böller aus den Stadien zu verbannen. Club und Fans müssen miteinander sprechen. In den Kurven muss das Gefühl wachsen, dass Böllerwürfe tabu sind – und vor allem: dass die Selbstregulierung greift. Das geht nur mit konsequenter Fanarbeit.

Erstellt: 14.05.2017, 22:25 Uhr

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