Ancelotti auf dem Sofa

Was Kuno Lauener und seine Band Züri-West mit den Grossen und Kleinen im europäischen Fussball zu tun haben.

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Das Paar, das sich einmal liebte, jetzt aber zu Hause auf dem Sofa sitzt, vor sich eine halb leere Flasche Rotwein, und sich nichts mehr zu sagen hat und jedes Wort eines zu viel wäre, wird sich diesmal aus Langeweile ein anderes Spiel anschauen müssen. Nicht mehr «Schachtar gäge Gent», die zweite Halbzeit. Dies ist Kuno Laueners Geschichte in einem Lied auf der neuen Züri-West-CD «Love». Schachtar Donezk gegen KAA Gent, vor einem Jahr in der Europa League, kein Spiel für die Geschichtsbücher.

Und sollte sich das Paar immer noch nicht getrennt haben und sich weiter langweilen, böte sich in dieser Woche, wenn in ganz Europa wieder Fussball gespielt wird, FC Fastav Zlin gegen Sheriff Tiraspol an, der tschechische Cupsieger gegen den Meister von Moldau. Am nächsten Donnerstag, 19 Uhr, auf Eurosport.de kann dieses Spiel verfolgt werden – Bohumil Pánik oder Roberto Bordin, welcher Trainer wird nach 90 Minuten die Nase vorne haben? Finden Sie es heraus in unserem Liveticker. So wird im Internet dafür geworben.

Pánik? Bordin? Zwei von 96 Trainern, die in dieser Woche irgendwo in einem Stadion an der Linie stehen, in der Champions League oder eben der Europa League, jeweils 1. Runde.

Von Bohumil Pánik, dem Tschechen, oder Roberto Bordin, dem Italiener, der in Libyen geboren ist, wird nur in den lokalen Medien die Rede sein, und ihre Zukunft hängt kaum vom europäischen Abschneiden ihrer Mannschaften ab.

Bei anderen ist dies anders, und bei einem besonders. Carlo Ancelotti wird daran gemessen, wie weit der Weg von Bayern diesmal führt, und in München erwarten viele, dass er erst in Kiew endet, am 26. Mai 2018 beim Final der Champions League. Nur Meister im eigenen Land zu sein, genügt nicht, das ist selbstverständlich im Club mit dem «Mia san mia»-Denken.

Aber was wird sein, wenn Ancelotti vorher scheitert, und wer sagt es ihm, Karl-Heinz Rummenigge, der ihn geholt hat und ihn bisher schützte, oder Uli Hoeness, dem die menschliche Seite des gemütlichen Bauernsohns aus der Emilia Romagna nahe ist, weil sie ähnliche Typen sind, der aber auch Zweifel hat? Hoeness hat schon manchen Trainern klarmachen müssen, dass es bei Bayern nicht weitergeht. Beim Holländer Louis van Gaal klopfte er einst im Büro an, fragte, ob er Zeit für ein Gespräch habe, und sagte:

Wir verstehen manches nicht, aber wir würden Sie nach aussen gerne verteidigen, müssten allerdings auch die Hintergründe kennen. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Entweder weihen Sie uns in Ihre Überlegungen ein, oder Sie machen das nicht, dann müssen Sie einfach Erfolg haben.

Van Gaal, der nur Van Gaal akzeptiert, antwortete Hoeness, es sei lieb, dass er mit ihm darüber rede, aber er mache weiterhin, was er wolle. Das könne er, sagte Hoeness, dann ­wünsche er ihm viel Erfolg. Er blieb nicht mehr lange Trainer der Bayern.

Bei Ancelotti könnte es eher so sein wie damals bei der ersten Trennung von Heynckes und Hitzfeld, die beide mehrmals Trainer in München waren. Sie sassen abends im Haus von Hoeness zusammen, tranken einigen Rotwein – und um Mitternacht heulten sie wie Schlosshunde, erzählen sie.

Vielleicht sollte das Paar aus Laueners Lied auf dem Sofa doch eher Spiele der Bayern anschauen statt «Schachtar gäge Gent» oder Ähnliches. Es verspricht mehr Spannung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2017, 16:17 Uhr

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