Anlikers Problem heisst Vogel

Nach Roland Klein muss der GC-Präsident auch den Mann loswerden, der weiter seine Machtspiele treibt.

Gefordert an allen Fronten: Stephan Anliker, seit vier Jahren Präsident der Grasshoppers. Foto: Reto Oeschger

Gefordert an allen Fronten: Stephan Anliker, seit vier Jahren Präsident der Grasshoppers. Foto: Reto Oeschger

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Stephan Anliker trägt das Bedächtige des Langenthalers in sich. Er ist kein Haudrauf, keiner, der sich in den Vordergrund drängt, wie das andere gerne tun, die eine Funktion haben wie er.

«Reden, hören, reden, hören», das ist der Grundsatz des GC-Präsidenten, um sich eine Meinung zu bilden. Er ist ein geduldiger Mensch, er handelt lieber überlegt als überstürzt. Das mag ihn zögerlich wirken lassen. Aber wenn er zu einer Meinung gekommen ist, handelt er und tut das konsequent.

Er hörte zu, als es um die Rolle von Roland Klein im Verwaltungsrat der Grasshoppers ging. Er redete, um Einfluss auf Klein zu nehmen. Er hat wieder zugehört und festgestellt, dass doch nichts besser geworden ist. «Und dann», sagt er, «haben wir zusammen entschieden.»

Ist Walther stark genug, um Yakin zu führen? Oder lässt Yakin das gar nicht erst zu?

So ist Klein seine Funktion als Vizepräsident bei GC wieder losgeworden, nur sechs Monate nach seiner Wahl. Am Mittwoch hat Anliker mit Georges Perego, Stav Jacobi und András Gurovits beschlossen, Klein per sofort von seinen Funktionen freizustellen (Ausgabe vom Freitag).

Anliker selbst hat nichts gegen die Person Klein, die mag er. Aber er sagt: «Verwaltungsrat bei GC ist die falsche Position für ihn.» Der Vorwurf ist schnell auf den Punkt gebracht: Klein hat die Strategie des Vereins nicht mitgetragen, sondern sich lieber in das operative Geschäft eingemischt. «Das ist richtig», sagt Anliker, «das heisst, wir haben unterschiedliche Auffassungen von der Geschäftsführung. Das gibt natürlich Unruhe.»

Was Klein selbst von seinem Sturz hält, behält er für sich. Via SMS richtet er bloss aus, dass er sich zurzeit nicht äussere. Er sei sich sicher, dafür bringe man ein gewisses Verständnis auf.

Der instrumentalisierte Klein

Somit bleibt die Themenhoheit beim Verein, bei Anliker. Und der redet von einem Prozess, von Beobachtungen, die nicht von heute auf morgen stattgefunden hätten. Er redet von der Destabilisierung der Operative. Und meint damit nicht zuletzt CEO Manuel Huber und Sportchef Mathias Walther, die sich in ihrem Einflussbereich gestört fühlten und das intern mehr als einmal kundtaten. Auch im Nachwuchsbereich wurde Kleins Einmischen als lästig empfunden.

Auf Details will sich der Präsident nicht einlassen, er sagt lediglich: «Es ist die Summe, die zu unserem Entscheid geführt hat.» Die Frage ist, ob diese Vorwürfe reichen, um einen Vizepräsidenten zu suspendieren, oder ob allenfalls noch etwas anderes vorgefallen ist. Anlikers Antwort geht so: «Im Grundsatz unterschiedliche Auffassungen über die Strategie und ihre Umsetzung reichen allein schon für eine Suspendierung. Und wenn es eine Einmischung in die Operative gibt und eine Destabilisierung der Organisation – dann reicht das dafür erst recht.»

Alte Gewährsleute sollten zurück auf den Campus

Klein sass als Vertreter von Heinz Spross und Peter Stüber im Verwaltungsrat. Spross und Stüber halten wie Anliker je 30 Prozent an den GC-Aktien und garantieren zusammen mit dem Präsidenten während mindestens drei Jahren für die Deckung eines Fehlbetrages von jeweils 3 Millionen Franken. Klein war auch der Vertraute von Erich Vogel, der wiederum mit Spross und Stüber eng verbunden ist. Vogel, ein Grasshopper seit Jugendtagen, nutzte und benutzte Klein, um über ihn Einfluss auf das Tagesgeschäft bei GC zu nehmen. Er liess offenbar nichts unversucht, um alte Gewährsleute wie Walter Grüter und Ricardo Cabanas senior wieder auf dem Campus zu installieren.

Anliker hat die Problematik mit Vogel immer gekannt, seit er im Februar 2014 Präsident wurde. Einmal erteilte er ihm ein Besuchsverbot für den Campus, weil er genug hatte von Vogels Machtspielen. Vogel allerdings will davon nie etwas gewusst haben. Dann dachte er wieder ganz anders und sagte: «Vogel ist wieder präsenter als auch schon. Ich sehe darin kein Problem, sondern eine Chance. Der Mann lebt für GC!» Das war im vergangenen September.

Ungreifbar wie ein Fisch

Jetzt muss Anliker jedoch erkannt haben, dass sein Versuch, den 79-Jährigen zu integrieren statt auszugrenzen, fehlgeschlagen ist. Dass Vogel wie ein Fisch ist, den er nicht greifen kann.

Fürs Protokoll sagt Anliker: «Im Moment geht es um Roland Klein. Der Verwaltungsrat hat die Führung dieser Organisation und trägt die Verantwortung dafür. Das war so und bleibt so. Das ziehen wir durch. Ein Thema Vogel möchte ich keins daraus machen.»

Dabei ist kein anderer als Vogel das Thema. Deshalb kommt Anliker nicht umhin, sich mit Vogel zu beschäftigen, will er den Frieden auf dem Campus wiederherstellen. Und das muss er in erster Linie im Gespräch mit Spross und Stüber. Das könnte schwierig werden, «manchmal hat ein Präsident eine dankbare Aufgabe, und manchmal hat er eine schwierige Aufgabe», sagt Anliker. Immerhin lässt sich erahnen, dass die beiden Mitbesitzer nicht gegen die Suspendierung von Klein als ihrem Vertreter im Verwaltungsrat waren. Das kann Anlikers Hoffnung nähren, auch im Fall von Vogel eine Lösung zu finden.

Vogel steht Yakin nahe

Klein pflegte auch die Nähe zu Murat Yakin. Er verstand sich als sein Berater, als seine rechte Hand. Er brachte diesen Winter seine Meinung ein, als auf Wunsch des Trainers gleich sieben Spieler ausgetauscht wurden. Dass Vogel mit seiner Expertise nicht weit war, liegt auf der Hand. Vogel steht auch Yakin nahe. Oder umgekehrt. Die Neuen gelten als Yakin-Spieler, während die Abgänge als Walther-Spieler bezeichnet werden.

Auch Yakin und Klein unterhalten eine gute Beziehung. Die Anfänge gehen auf die Zeit zurück, als Murats jüngerer Bruder Hakan unglücklich in Katar festsass. Klein war damals im Emirat beschäftigt, um beim Aufbau eines Nationalteams zu helfen. Und mit Hakan lernte er auch Murat kennen.

Anliker muss die Entwicklung genau verfolgen

Als Klein in die Schweiz zurückkehrte, schaute er gelegentlich in Schaffhausen vorbei, um Murat Yakins Arbeit zu verfolgen. Er half dann mit, ihn letzten August von Schaffhausen zu GC zu lotsen. Es wird spannend zu sehen sein, wie Yakin auf die Trennung von Klein reagiert. Yakin gilt als Machtmensch.

Offiziell muss Klein von der Generalversammlung abgewählt werden. Das wird wohl im Spätsommer passieren. Vorderhand wird Anliker nicht müde zu betonen, was ihm wichtig ist: «Ich setze auf die Organisation des Verwaltungs- rates und der Operative, auf eine gesunde, gut funktionierende Struktur. Das ist unser Fundament. Und da haben Manuel Huber und Mathias Walther sehr wichtige Positionen.»

Gerade Walther wird das gerne hören. Kaum einer ist durch Kleins Anwesenheit mehr destabilisiert worden als er. In seinem Fall stellt sich eine Frage: Kann er Yakin nun führen, wie er das als Sportchef tun müsste? Ist er dafür stark genug? Oder versteht sich Yakin als eigener Planet und lässt sich gar nicht führen? Anliker wird die Entwicklung genau verfolgen müssen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2018, 21:42 Uhr

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