Argentinier verlangen Einsicht in Schiedsrichter-Protokoll

Nach dem 0:2 im Halbfinal der Copa América gegen Brasilien kritisiert der argentinische Verband Fehlentscheide massiv. Auch Messi beschwert sich heftig.

Für die Argentinier ein klarer Fall: Nicolas Otamendi wird im Copa-Halbfinal vom Brasilianer Arthur im Strafraum mit dem Ellenbogen umgerammt, doch es gibt keinen Penalty. (Video: Twitter)

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Der Halbfinal an der Südamerika-Meisterschaft in Brasilien stand für die Argentinier von Beginn weg unter einem schlechten Stern. Die Mannschaft war am Morgen um 06.30 Uhr unsanft aus den Federn geholt worden. Offenbar hatte ein Angesteller ihres Fünfsterne-Hotels mit Weckern für einen Sabotageakt gesorgt. Am Abend folgten in Belo Horizonte im Duell mit Brasilien – das der Gastgeber 2:0 gewann – die nächsten Aufreger, für die primär Schiedsrichter Roddy Zambrano verantwortlich gemacht wird. Darauf hat der argentinische Fussballverband (AFA) nun mit einem sechsseitigen Protestbrief an den Südamerika-Verband Conmebol reagiert.

Im Schreiben kritisiert AFA-Präsident Claudio Tapia vor allem die Fehlentscheidungen des Unparteiischen aus Ecuador. Dieser habe bei strittigen Szenen darauf verzichtet, den Videobeweis hinzuziehen. «In mindestens zwei Situationen» hätte gemäss Tapia der VAR beigezogen werden müssen, um Fouls an Sergio Agüero und Nicolas Otamendi mit Elfmetern zu ahnden.

Im an den paraguayischen Conmebol-Präsidenten Alejandro Dominguez gerichteten offenen Brief zweifelt Tapia gar die «Ethik, Loyalität und Transparenz» des nach dem Fifa-Skandal neu aufgestellten südamerikanischen Verbands an. Die argentinischen Nationalspieler seien «enttäuscht und misstrauisch darüber, dass der Fussball Südamerikas sich gewandelt» habe.

Messi: «Brasilien kontrolliert alles»

Lionel Messi hatte sich bereits nach Spielende massiv beschwert. «Brasilien kontrolliert alles», polterte der Superstar. «Es gab Dinge, die gegen uns gelaufen sind», beklagte sich Argentiniens Captain weiter. Auch er übte heftige Kritik an den Unparteiischen: «Das ganze Turnier schauen sie jeden Schwachsinn am Bildschirm an, aber heute keine einzige strittige Entscheidung.» Messi, der in der 57. Minute aus spitzem Winkel nur den Pfosten getroffen und kurz darauf einen Freistoss aus 18 Metern nicht an Goalie Alisson vorbei gebracht hat, ist auch der Meinung, dass «es zwei Penaltys hätte geben müssen, die nicht gepfiffen wurden».

Laut einem Bericht der brasilianischen «Globo Esporte» soll die Kommunikation zwischen Schiedsrichter Zambrano und der Videozentrale gestört gewesen sein. Conmebol bestätigte zwar Probleme bei der Funkverbindung, garantierte aber, dass diese vor Anpfiff des Spiels behoben worden seien. Der AFA-Präsident fordert nun sogar Einblick in die Kommunikation zwischen Videozentrale und Zambrano.

Auch Bolsonaros Selbstinszenierung stösst sauer auf

Der AFA weist die Conmebol allerdings darauf hin, dass er Schiedsrichter Zambrano wegen «negativer Vorgeschichten» bereits im Vorfeld des Halbfinals infrage gestellt hat. Und der Verband kritisiert in seinem Protestschreiben auch die brasilianischen Organisatoren. Neben den geringen Zuschauerzahlen sowie logistischen Problemen beschwert er sich auch über die schlechte Rasenqualität in einigen Stadien im Ausrichterland der WM 2014. Im Mineirão in Belo Horizonte war der Untergrund zwar noch der Beste von allen, doch auch der dortige Rasen ist im Vergleich zu jenen in Europa mit einem Acker vergleichbar. Daran hatten sich die Argentinier gestört.

Vorwürfe erhebt der AFA auch an die Adresse des brasilianischen Staatsoberhaupts. Jair Bolsonaro hatte in der Pause eine halbe Ehrenrunde im Stadion gedreht und sich vom Publikum feiern lassen. Tapia unterstellt ihm, das Spiel für eine politische Kundgebung missbraucht zu haben. Bolsonaros Verhalten erfordere eine Verwarnung, weil die Fifa und die Conmebol ein solches strikt untersage.

Nun will die Conmebol gemäss eines Sprechers abklären, wie der Verband auf die heftigen Anschuldigungen des AFA reagiert. Den argentinischen Spielern bleibt vorerst nichts anderes übrig, als am Samstag im Spiel um Rang 3 gegen Titelverteidiger Chile eine Reaktion auf dem Platz zu zeigen. (ddu/dpa)

Erstellt: 04.07.2019, 21:12 Uhr

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