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Auf den Plakatskandal mit Humor reagiert

Mit einer Beleidigung unter der Gürtellinie provozieren die Hertha-Fans Leipzigs Ralf Rangnick.

Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick und ein Maskottchen seines Clubs RB Leipzig.
Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick und ein Maskottchen seines Clubs RB Leipzig.
Keystone

Spiele gegen Leipzig werden in diesen Tagen von Fussballromantikern gerne verklärt. Es ist ein «Böse gegen Gut», ein «Klatschkartone gegen Vereinstradition», oder eben gekaufte gegen echte Liebe. Um ihrem Unverständnis darüber Ausdruck zu verschaffen, greifen Fans gerne zu Schriftzügen, denn Plakate haben ihren Reiz. Doch wie bei so vielem, kann man diese Stimuli auch überreizen. So geschehen am Samstag beim Spiel RB Leipzig gegen die Hertha aus Berlin.

Die umstrittene Plakataktion der Hertha-Anhänger. Bild: Twitter.
Die umstrittene Plakataktion der Hertha-Anhänger. Bild: Twitter.

Aus dem Gästesektor der 4500 Hertha-Fans prangte in der ersten Halbzeit ein Plakat mit dem Schriftzug: «Ey Ralf, wir warten sehnlichst auf deinen nächsten Burnout.» Der Kontext: Erstens, Ralf Rangnick, Leipzigs Sportdirektor und Hirn, hatte 2011 bei Schalke wegen eines Erschöpfungssyndroms seinen Trainerjob niedergelegt. Zweitens, Leipzig ist der Club, dessen RB für Rasenballsport steht, der aber insgeheim für klebrige Dosengetränke bürgt.

Das erzürnt Fans in ganz Deutschland. Zum Teil berechtigt, Geld im Überfluss sorgt dafür, dass sich ein Club von branchenüblichen Zwängen wie kurzfristigen sportlichen und langfristigen finanziellen Druck lösen kann. Das führt mitunter zu einer Verschiebung der Stärkeverhältnissen einer Liga, aber eben auch zu niveaulosen Aktionen wie derjenigen der Hertha-Fans. Die Berliner entschuldigten sich sogleich: «Hertha BSC distanziert sich von diesem widerlichen Banner!», schrieb Manager Michael Preetz bei Twitter. «Ich habe das nicht gesehen. Ich konzentriere mich immer aufs Spiel», sagte Herthas Trainer Pal Dardai.

Die gelassene Antwort von Rangnick

Gelassener reagierte der betroffene Rangnick: «Ich fasse das eher als kleines, verstecktes Kompliment auf», sagte der 58-Jährige: «Ich kann mir schon vorstellen, dass es bei Hertha einige Hardcore-Fans gibt, die sich wünschen würden, dass es mich in meiner Funktion nicht mehr geben würde. Ich kann diesen Fans aber nicht zu viel Hoffnung machen, da ich mittlerweile sehr gut auf mich aufpasse.»

Die Berliner Fans legten derweil in der zweiten Hälfte nach und kritisierten mit der Geschichte des Ostens die Historie RB Leipzigs und dessen Retortenschöpfung: «Und dafür seid ihr 1989 auf die Strasse gegangen?»

Herthas Anhänger sind bekannt für ihre Plakataktionen – meist zum Unverständnis der Clubspitze. Immer wieder äussern sie sich über Belange, die ihren Verein betreffen. Ob Stadion-Neubau, gegnerische Fangruppen oder pinke Auswärtstrikots, die Fans machen ihrem Ärger Luft und fordern auch einmal den Rücktritt von Präsident Gegenbauer. Also reagierte der Club auf diese Saison: Im heimischen Olympiastadion müssen Plakate einen Tag vor dem Spiel angemeldet werden. Kritische Worte sind erlaubt, Beleidigungen nicht. Hertha hat lange auf Vertrauen gesetzt, nun aber wegen der jüngsten Ereignisse zu dieser Massnahme gegriffen.

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