Frauenfussball erhält eigene Ausstellung im Fifa-Museum

Das Fifa-Museum in Zürich widmet dem Frauenfussball eine Sonderausstellung und will damit ein Statement setzen.

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Es sind die bunten Farben der Trikots und hellen LED-Screens, welche die Besucher im Museum des Internationalen Fussballverbands (Fifa) empfangen. Hinter einem schwarzen Vorhang und dunklen Gang liegt indes die neue Sonderausstellung, die sich dem Frauenfussball widmet. Es geht darum, das Momentum zu nutzen, das Momentum der Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich, welche am Freitag in Paris mit einem 4:0-Sieg der Gastgeberinnen gegen Südkorea feierlich eröffnet wurde.

Während der Weltmeisterschaft der Männer im vergangenen Sommer wurde eine eigens konzipierte temporäre Ausstellung in Moskau überrascht vom Ansturm der rund 95'000 Besucherinnen und Besucher. Nun soll der neuerliche Schwung eines Fifa-Turniers die Fans ins Museum in Zürich-Enge locken. Doch von welchem Schwung ist da die Rede? In der Öffentlichkeit wurde der Turnierstart kaum wahrgenommen. SRF überträgt 21 von 52 Spielen via Livestream und rechtfertigt diese Haltung mit der Nicht-Qualifikation der Schweizerinnen. Am Fernsehen sind neben dem bereits erfolgten Eröffnungsspiel noch die Halbfinals und der Final zu ­sehen.

Frauenfussball fördern

«Wir möchten ein Statement setzen als Museum und eine Vorreiterrolle einnehmen», sagt Emmanuel Bucher, der als Bildungsverantwortlicher die Ausstellung «Heroes: Centuries of Women’s Football» kuratiert hat. Man sei zur Einsicht gelangt, dass der Frauenfussball auch museal unterrepräsentiert sei, und man als Verbandsmuseum den Auftrag habe, ein Bewusstsein auch für diese Sparte zu schaffen und sie zu fördern.

Das Museum versucht zwar in seiner Dauerausstellung seit längerem, den Beitrag beider Geschlechter abzubilden, kämpft dabei aber zwangsläufig mit der eigenen Vergangenheit: Die Fifa als ein 1904 von Männern gegründeter Verein hat sich lange Zeit nur für den Fussball der Männer interessiert. Jener der Frauen hat seine Wurzeln in Grossbritannien. So erstaunt es nicht, dass viele der gezeigten Exponate aus der privaten Sammlung eines Briten stammen. Das erste offizielle internationale Spiel zweier Frauenteams fand am 7. Mai 1881 in Edinburgh zwischen Schottland und England statt. 2000 Zuschauer verfolgten damals den 3:0-Erfolg der Schottinnen an der Easter Road. 13 Jahre später war es Nettie Honeyball, die mit der Gründung des «British Ladies’ Football Club» zur Heldin werden sollte und so ihren Beitrag zur Entwicklung eines organisierten Frauenfussballs leistete.

Zu Heldinnen wurden auch all jene Frauen, die während des Ersten Weltkriegs nicht nur in den Munitionsfabriken, sondern auch auf den Sportplätzen die Männer ersetzten. Als ein Zeichen der Normalität an der Heimatfront waren es die sogenannten Munitionettes, die in Wohltätigkeitsspielen auf dem Rasen Geld für verwundete Soldaten sammelten.

Zum Diskurs anregen

Doch auf rund 200 Ausstellungs-Quadratmetern geht es um mehr als einen historisch chronologischen Abriss der Geschichte des Frauenfussballs. «Die Ausstellung soll verschiedene Sinne ansprechen, Gedanken stimulieren und zum Selbstentdecken anregen», erklärt Museumsdirektor Marco Fazzone. Und so ist ein wesentlicher Bestandteil der Ausstellung, den prägenden Frauen in der Historie des Frauenfussballs Gehör zu verschaffen und ihren Geschichten zuzuhören. Hier geht es nicht darum, eine Institutionen-Geschichte der Frauen-WM oder grosser Spielerinnen zu erzählen. Vielmehr wird hier eine Sozialgeschichte des Fussballs erzählt, in die die Besucher wortwörtlich selbst eintauchen können.

Helfen soll dabei vor allem der Dialog als Form der menschlichen Interaktivität. Mehr als es Tablets und grosse Touchscreens können, will man über den ­persönlichen Austausch zur Debatte anregen. Eine grössere Debatte über den Frauenfussball insgesamt in Gang zu setzen, ­haben sich die Verantwortlichen auch als Ziel mit ihrer Ausstellung gesetzt. «Wir möchten uns mit dieser Sonderausstellung nicht an Besucherzahlen orientieren und haben uns deshalb keinen Gradmesser gesetzt», sagt Andreas Alf, Kommunikationsverantwortlicher des Fifa-Museums.

Und vielleicht ist es gerade der öffentliche Diskurs, der den Frauenfussball aus seiner oftmals belächelten Nische zu holen vermag und die neuen Heldinnen der WM in Frankreich ins kollektive Gedächtnis rückt.

Erstellt: 11.06.2019, 11:07 Uhr

Buchpublikation als Grundlage

Die Sonderausstellung «Heroes: Centuries of Women’s Football» bleibt bis zum 28. Juli geöffnet. Sie kann dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr besucht werden. In grossen Teilen basiert sie auf einer unter der Herausgeberschaft des Fifa-Museums publizierten Buches. «The Official History of the FIFA Women’s World Cup: the Story of Women’s Football from 1881 to the Present» erschien Anfang Juni bei Carlton Books und liegt im Museum auf. Während des Zeitraums der Ausstellung findet im Fifa-Museum zudem ein breites Kulturprogramm statt. (erh)

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