Auf eine Ohrfeige reagieren

Eine Woche nach dem 0:4 gegen Lugano spielt der FC Zürich in Luzern (16 Uhr). Es ist seine zweite Chance, zu zeigen, dass er aus der letzten Saison wirklich die richtigen Lehren gezogen hat.

Für Trainer Ludovic Magnin beginnt die Saison am Sonntag in Luzern quasi noch einmal von vorne. (Keystone)

Für Trainer Ludovic Magnin beginnt die Saison am Sonntag in Luzern quasi noch einmal von vorne. (Keystone)

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Ludovic Magnin kann viel. Er kann überdrehen, im Positiven wie im Negativen, er kann laut lachen, auch über sich selbst, viel erzählen, und manchmal kann er auch unversöhnlich sein. Fragen der NZZ boykottiert er auch bald zwei Monate nach einem Porträt, in dem er als «Wutbürger des Schweizer Fussballs» dargestellt wurde.

Magnin ist ein junger Trainer, 40 erst und an seiner ersten Profi­station. Er weiss, er hat nicht den besten Ruf, wenn es um seine Aussendarstellung an der Seitenlinie geht. Darum hat er nun mit Alfons Higl einen Assistenten an der Seite, der mässigend auf ihn einwirken soll.

Sportlich ist seine Bilanz bisher durchwachsen: ein Cupsieg, ein Sechzehntelfinal in der Europa League, aber nur 24 Siege in 66 Spielen. Dabei hat er Träume, grosse Träume, er passt zu seinem Präsidenten, der die Vorstellung hat, der FCZ stehe für schönen Fussball. Die Realität ist eine andere. Wirklich überzeugt hat der FCZ seit November nicht mehr.

0:4 verlor er letzten Sonntag zum Saisonstart daheim gegen Lugano, von einer «Ohrfeige» redet Magnin. Die Kritiken waren entsprechend. «Sie waren berechtigt», sagt der Trainer.

Das 5:2, das so weit weg ist

Morgen haben Trainer und Mannschaft in Luzern die erste Chance zur Korrektur. Luzern ist der Ort, der für die schöne Erinnerung steht, für das 5:2 in einem eindrucksvollen Auftritt. «Das ist leider lange her», sagt Magnin mit Blick auf den Match vom 4. November. Seither hat er mit seiner Mannschaft in der Super League noch sechs Spiele gewonnen, 6 von 24.

Die Verantwortlichen gingen im Sommer daran, das Kader umzubauen. Sie taten es in der Hoffnung, mit den Neuen an Erfahrung zu gewinnen. Der Erfolg blieb gegen Lugano aus. Mit dem ersten Gegentor brach das Team auseinander und erholte sich nie mehr davon. Und mit Denis Popovic versagte gerade einer der Spieler, die im Mittelfeld eine zentrale Rolle übernehmen sollen.

Ausser beim 0:2 war der Slowene bei allen Gegentoren mitschuldig. «Diese Tore sind lächerlich», sagt Magnin. Und wieso? «Weil du auf diesem Niveau solche Fehler nicht machen darfst.» Er schaute sich das Spiel nochmals auf Video an, er sah nochmals die gute Startphase mit den verpassten Chancen von Benjamin Kololli. Er las die Statistiken, wonach der FCZ während total 25 Minuten Ballbesitz in der gegnerischen Platzhälfte gehabt habe, während 13 Minuten gar in den letzten 30 Metern. Nur weiss er auch: «Das interessiert keinen Menschen. Wir haben 0:4 verloren. Was zählt, ist die Effizienz.»

Die Erinnerung an den VfB

In Luzern erwartet er eine Mannschaft, die sich aufmüpfig gibt. Er plant Umbesetzungen, um seinen Spieler zu zeigen, dass der Konkurrenzkampf lebt. Er hat nach der Vorführung gegen Lugano genug Streichkandidaten, er sagt, er habe auch genügend Spieler, die in die Mannschaft drängen. Marco Schönbächler ist einer von ihnen.

Während Magnin mit seinen Gedanken zwischen Lugano und Luzern hin und her schweift, kommt ihm die gute alte Zeit in den Sinn, die er mit dem VfB Stuttgart hatte. Denn das ist er auch: ein netter Geschichtenerzähler. Also erinnert er sich, wie das damals zum Start der Bundesligasaison 2006 war. Der VfB verlor daheim gegen Nürnberg 0:3, Magnin war Ersatz, und auf der Bank sass der neue Assistenztrainer. Das war der Alfons Higl, der 13 Jahre danach gegen Lugano sein Debüt für den FCZ gab. Zum Beginn der Rückrunde in Nürnberg wurde Magnin in der 76. Minute eingewechselt, eine Minute später, mit dem ersten Ballkontakt, unterlief ihm ein Eigentor. Es war das 1:4. «Marco Streller lachte sich fast tot darüber», erinnert sich Magnin. Streller war sein Teamkollege.

In jener Saison gewann Stuttgart die Meisterschaft.

Erstellt: 27.07.2019, 21:36 Uhr

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