Zum Hauptinhalt springen

Aus Sicherheitsgründen: Schweizer Clubs meiden die Türkei

Schweizer Vereine verzichten auf ein Trainingslager in der Türkei. Sie folgen damit einem Trend.

Auch YB hat Respekt vor der Situation in der Türkei und reist nun stattdessen nach Andalusien.
Auch YB hat Respekt vor der Situation in der Türkei und reist nun stattdessen nach Andalusien.
Keystone

Die innenpolitischen Spannungen in der Türkei wirken sich auch auf den europäischen Fussball aus. Immer mehr Clubs verzichten darauf, ihr Trainingslager in der nahenden Winterpause in der Südtürkei zu verbringen. Hauptgrund: die ungewisse Sicherheitslage. Mancher Verein will aber auch ein Zeichen setzen. So sagt Gertjan Verbeek, Trainer des VfL Bochum: «Mit Erdogan will ich nichts zu tun haben.»

Auch aus der Super League wird diesmal kein einziger Proficlub an die türkische Riviera fliegen. YB, St. Gallen, Thun und Vaduz haben ihre Reise storniert und sich aus Sicherheitsgründen nach einer Alternative umgesehen. YB (Jerez) und Vaduz (nahe Marbella) zieht es neu nach Andalusien, St. Gallen reist auf die Mittelmeerinsel Malta. Gar ganz zu Hause bleibt der FC Thun, unter anderem wegen der angespannten finanziellen Lage.

Wil fliegt – «zu 95 Prozent»

Auch aus der Challenge League fliegen neun der zehn Teams nicht in die Türkei. Und selbst beim FC Wil, seit Sommer 2015 im Besitz der türkischen MNG-Gruppe, ist nicht ausgeschlossen, dass nicht doch noch umdisponiert wird. Zu 95 Prozent führe die Reise jedoch in die Türkei, sagt Sprecher Patrick Bitzer. Vor einem Jahr hatte der Club vier Wochen(!) in einem Fünfsternhotel in Antalya gebucht.

Hier trainiert die Elite im Winter: Die türkische Riviera.

Auch der FC Zürich verbringt sein Trainingslager erstmals nach sechs Jahren nicht in der Türkei, sondern in Südspanien. Allerdings ist dies länger geplant. Schon im vergangenen Jahr sei diskutiert worden, aus Sicherheitsgründen in ein anderes Land zu fliegen, sagt Medienchef Süha Demokan. Diese Bedenken sind nun grösser als je zuvor. Was schade ist, sagt Demokan, ein gebürtiger Türke: «Die Trainingsbedingungen in der Südtürkei sind ideal.»

Dem FCZ steht allerdings ohnehin noch ein Trip in die Türkei bevor: Am letzten Spieltag der Europa League spielt er in der Hauptstadt Ankara bei Osmanlispor um den Einzug in den Sechzehntelfinal.

Russische Clubs kommen wieder

Südlich davon, am Mittelmeer rund um die Städte Antalya, Belek und Side, steht Hotelbunker an Hotelbunker und Trainingsplatz an Trainingsplatz – die Riviera ist bei Proficlubs und Amateurvereinen sehr beliebt. Oder eher war: Michael Grütter sagt, dass in diesem Jahr praktisch keine Vereine aus Westeuropa anreisen werden. Die Schweizer Clubs folgen diesem Trend nun. Auch aus praktischen Gründen: Wegen der vielen Absagen ist es schwieriger, Gegner für Testspiele zu finden.

Gross im Kurs sei die Region in dieser Saison dagegen bei osteuropäischen Clubs, berichtet Michael Grütter von der Reiseagentur Trend Sport Travel. Hatten im vergangenen Jahr wegen diplomatischer Spannungen zwischen Russland und der Türkei vor allem russische und serbische Vereine die Türkei gemieden, so zogen die Buchungen aus diesen Ländern schon in diesem Jahr wieder an.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch