Barças Paukenschlag: Die vier Lehren aus dem Clásico

Zidanes verwelkte Blume, trügerisches Barcelona, Kopfschmerzen für Jogi Löw und wie Messi mit nur einem Schuh am Fuss bewies, dass er der Beste ist.

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Die Zahlen lesen sich brutal: Real Madrid 0, FC Barcelona 3, die Katalanen führen die Tabelle jetzt mit 14 Punkten Vorsprung auf den Erzrivalen an. Der Meisterschaftszug für Real scheint endgültig abgefahren. Die Gründe dafür wurden im letzten Spiel des Jahres erneut aufgezeigt.

Zidanes verwelkte Blume: Reals Glückssträhne ist vorbei

Ein Glückspilz hat gemäss einer spanischen Redewendung eine Blume auf dem Hintern. In Kurzform: «La Flor», die Blume. Seit seinem Amtsantritt dürfte «La Flor de Zidane», Zidanes Blume, die berühmteste Spaniens sein. Wie oft gewann Real Madrid in den letzten zwei Jahren, ohne wirklich gut gespielt zu haben? Dank einem Tor von Ramos in der Nachspielzeit oder dank einem nicht gepfiffenen Offside, wie beim Champions-League-Final 2016?

Doch in dieser Saison scheint Zidanes Blume verwelkt zu sein. Jetzt bleiben die Tore in der «Minute Ramos­undneunzig», wie die Nachspielzeit in Spanien gerne genannt wird, aus. Und gestern im Clásico war Real Madrid lange zumindest ebenbürtig – hätte Karim Benzema in der 42. Minute die andere Seite des Pfostens getroffen, es hätte alles anders kommen können.

Die grosse Täuschung: Barça spielt nicht gut, gewinnt aber

mit Barça dennoch auf Augenhöhe war, tönt paradox. Es zeigt aber: Barça spielt nicht wie in der ersten Saison unter Luis Enrique und schon gar nicht wie zu Glanzzeiten Pep Guardiolas. Der neue Trainer Ernesto Valverde setzt auf ein Barça-untypisches 4-4-2, womit zwar die Kompaktheit im Mittelfeld verstärkt wird, durch die katalanische Interpretation dieses Systems in der Offensive das Zentrum aber verengt. Über aussen kommen zu wenig Lösungen, bis auf die Flügelläufe des Linksverteidigers Jordi Alba.

Die Highlights vom Clásico. Video: Dazn/Tamedia

Valverde fehlen die Optionen. Neymars Abgang konnte nicht kompensiert werden, zumal sein Ersatz Ousmane Dembélé vier Monate verletzt war. Und im Mittelfeld fehlt mindestens ein Spieler, der Barças höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Insbesondere bei 40-Millionen-Neuzugang Paulinho wurde im Estadio Santiago Bernabéu einmal mehr ersichtlich, dass er nicht für das komplexe Angriffsspiel Barcelonas geschaffen ist. Er läuft viel und dringt von der zweiten Linie in den Strafraum – wie bei seinem Kopfball, der zum Penalty und der Roten Karte für Carvajal vor Messis 2:0 führte. Meist ist er aber ein Fremdkörper. Seine Ballverluste hätten zu blühenden Zeiten von Zidanes Blume zu mindestens zwei Gegentoren geführt.

Kopfschmerzen für Jogi Löw: Derzeit ist Ter Stegen die Nr. 1

Der Hauptverantwortliche, dass Paulinhos Fehler nicht bestraft wurden, war Marc-André ter Stegen. Seine Fussabwehr in der ersten Halbzeit gegen Cristiano Ronaldo war ebenso atemberaubend wie seine Paraden in der zweiten Halbzeit gegen Gareth Bale und Sergio Ramos.

Damit bestätigt der Deutsche, dass er in dieser Saison neben Messi Barças wichtigster Spieler ist. Wenn Manuel Neuer fit ist, dürfte er an der WM Deutschlands Nr. 1 sein – ter Stegen macht derzeit aber alles dafür, eine Goaliedebatte wie 2006 (Kahn gegen Lehmann) anzuheizen.

Eine eigene Liga: Messi braucht keine Tore, um der Beste zu sein

Gemäss der offiziellen Statistik hatte Barça im Clásico neun Torchancen, sieben davon bereitete Messi vor. Ein einfacher Pass aus dem Fussgelenk reichte ihm, um Paulinhos Grosschance in der ersten Halbzeit aufzulegen. Und wie er vor dem 3:0 dem Gegner im Rücken davonlief, mit einem Rhythmuswechsel Marcelo abschüttelte und mit nur noch einem Schuh an den Füssen zu Aleix Vidal zurücklegte, ist einmalig.

Dank seinem Penaltytor zum 2:0 schliesst er das Jahr mit 54 Treffern ab – einem mehr als Cristiano Ronaldo. Dabei bewies Messi in Madrid einmal mehr, dass es nicht nur die Tore sind, die ihn zum besten Spieler der Welt machen.


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Erstellt: 23.12.2017, 20:06 Uhr

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