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Bayerns beunruhigende Schwäche

Drei Spiele unter Jupp Heynckes, drei Siege. Allerdings spielten die Bayern beim 1:0 in Hamburg zeitweise unerwartet konfus.

Musste Müller bringen, um einen dezimierten HSV zu bezwingen: Bayern-Trainer Jupp Heynckes.
Musste Müller bringen, um einen dezimierten HSV zu bezwingen: Bayern-Trainer Jupp Heynckes.
Keystone
Lange Zeit war die Partie in Hamburg eine zähe Angelegenheit für die Bayern.
Lange Zeit war die Partie in Hamburg eine zähe Angelegenheit für die Bayern.
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Nach der Pause besorgte Corentin Tolisso dann der Siegtreffer – vorbereitet von Thomas Müller.
Nach der Pause besorgte Corentin Tolisso dann der Siegtreffer – vorbereitet von Thomas Müller.
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Als Jupp Heynckes den FC Bayern gerade zum vierten Mal übernommen hatte und sich erste Massnahmen überlegte, wie er die Mannschaft in die Spur bringen könnte, fielen ihm viele richtige Dinge auf. Heynckes beschloss zunächst, jene Spieler zu stärken, die unter seinem Vorgänger Carlo Ancelotti verunsichert erschienen. Thomas Müller etwa, der gar nicht mehr dazu gekommen war, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen. Oder Arjen Robben, von dem Heynckes weiss, dass er dann am stärksten spielt, wenn er gelobt, geschätzt und gebraucht wird. Er sehe Robben auf einer Stufe mit Johan Cruyff oder Ruud Gullit, sagte Heynckes also. Dem Holländer gefiel das.

Vor allem entschied Heynckes aber, der Mannschaft ein festeres Korsett zu verpassen - und dieses auch nicht in jeder Partie zu modifizieren. Die besten Spieler sollten auf ihren favorisierten Positionen antreten, so hatte er 2013 mit dem Klub das Triple gewonnen. Im 4-2-3-1-System, mit klarer Hierarchie, ohne grosse Experimente. 5:0 und 3:0 siegten die Bayern in den ersten beiden Spielen, in denen Heynckes nach dieser Maxime verfuhr.

Zeitweise unerwartet konfus

Wie richtig er lag, legte die Bundesligapartie am Samstagabend beim Hamburger SV offen. Die Münchner gewannen zwar ebenfalls erneut, jedoch nur 1:0 (1:0) durch ein Tor des Franzosen Corentin Tolisso (43.), und zeitweise hatten sie einen unerwartet konfusen Vortrag geboten. Heynckes hatte entgegen seiner Ankündigung doch kräftig rotiert, Jérôme Boateng, Joshua Kimmich, Thiago und Müller draussen gelassen, dafür Niklas Süle, Arturo Vidal, Tolisso und James gebracht. Mit dem Ergebnis, dass vieles doch wieder so wirkte wie unter Ancelotti.

Auch die Bayern brauchen in dieser Saison mehr als elf bis 13 Spieler, um allen Aufgaben zu begegnen. Aktuell scheint es jedoch, als würde die Mannschaft nur in ihrer besten Formation richtig funktionieren, als wäre sie für eine Rotation (wie damals à la Hitzfeld) noch nicht bereit – angesichts des gedrängten Spielkalenders der Bayern keine optimalen Aussichten.

Heynckes jedoch zeigte Verständnis, das Risiko sei er bewusst eingegangen, «und wenn man so radikal etwas ändert, ist es schwierig, den normalen Spielrhythmus zu halten». Grosse Spiele warten auf die Münchner, deshalb gehe es auch darum, die Kräfte zu dosieren, «weil wir jetzt permanent einen Mittwoch-Samstag-Rhythmus haben». Heynckes sagte aber auch: «Es müssen Harmonie und ein homogener Block da sein.» Das habe er in der ersten Halbzeit vermisst.

In den kommenden Wochen wird Heynckes wohl weniger rotieren

Es war schon auffällig, wie es anfänglich im Mittelfeld hakte, als dort nicht Thiago und Müller die Regie führten, sondern Tolisso und Vidal, die erstmals seit dem unheilbringenden 0:3 in der Champions League bei Paris Saint-Germain gemeinsam in der Startelf standen. Weiter vorne noch versuchte sich WM-Schützenkönig James, der Wunschtransfer von Vorgänger Ancelotti, dem die Bindung zum Spiel im Hamburger Sprühregen allerdings völlig abging. «Alles Nationalspieler», bemerkte Heynckes zwar, doch der Bayern-Vortrag war gespickt mit Ungenauigkeiten, plötzlichen Ballverlusten und Szenen, in denen die Abstimmung nicht passte. So begehrten sogar die zuvor in fünf Spielen sieglosen Hamburger auf. Eine rote Karte gegen Gideon Jung (42.) musste schliesslich helfen, die Partie für die Münchner in richtige Bahnen zu lenken.

Zur zweiten Halbzeit reagierte Heynckes, schliesslich hatte der BVB in Frankfurt zwei Punkte gelassen; diese Chance, auf den Tabellenführer aufzuschliessen, wollte er nicht ungenutzt lassen. Kaum war Müller für James im Spiel, fiel der Führungstreffer, weil Müller im richtigen Moment clever auf Tolisso durchsteckte (52.). Als Müller kurz darauf verletzt wieder raus musste (der Oberschenkel zwickte), kam Thiago - und auch mit ihm lief es besser.

Hauptsache gewonnen

Noch vier weitere Topgelegenheiten erspielte sich das Team unter der Regie des Spaniers, Thiago selbst traf den Pfosten (71.), Robben scheiterte freistehend vor HSV-Torwart Mathenia (82.). Auch Robert Lewandowski verpasste mit einem Hackentrick das überfällige 2:0 (90.). So konnte Heynckes am Ende zwar die Chancenverwertung kritisieren, bemerkte aber doch: Solche Spiele müsse man gewinnen, «das haben wir gemacht».

Die gute Nachricht ist, dass Heynckes in den kommenden Wochen weniger rotieren wird: Schon am Mittwoch trifft der FC Bayern im DFB-Pokal auf Leipzig, danach folgt selbiges Duell in der Liga, schliesslich Anfang November das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund. Kurzum: Viele grosse und wichtige Spiele, in denen Heynckes seine besten Spieler auf ihren favorisierten Positionen auflaufen lassen wird. Den Bayern wird das vermutlich gut tun.

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