Bayerns grosse Gefahr

Spielt Thomas Müller am Samstag, oder spielt er nicht? Carlo Ancelotti steht vor einem Entscheid, der weitreichende Folgen haben kann.

Ist unzufrieden mit dem Trainer: Bayerns Identifikationsfigur Thomas Müller.

Ist unzufrieden mit dem Trainer: Bayerns Identifikationsfigur Thomas Müller. Bild: Keystone

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Uli Hoeness polarisiert, steht für den Erfolg der Bayern, und Spötter heben seine Steuerdelikte hervor. Er steht für vieles im Weltfussball, ob Gutes oder Schlechtes. Der Präsident von Bayern München ist eigentlich nicht für Zurückhaltung bekannt, insbesondere nicht dann, wenn Aussenstehende sich in die Clubpolitik einmischen. Dennoch blieb er auffällig ruhig, obwohl mit Kommentaren über die Personalie Thomas Müller zuletzt nicht gespart wurde.

Unmut deutlich ausgesprochen

Diesem platzte zuletzt nach dem 2:0 in Bremen der Kragen. Gerade mal 17 Minuten durfte der Offensivspieler in dieser Partie ran, nach Spielschluss sagte er mit finsterer Miene: «Ich weiss nicht genau, welche Qualitäten der Trainer sehen will, aber meine sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt.» Deutlicher kann man seinen Unmut kaum aussprechen. Zwar begründete Carlo Ancelotti, der Trainer, seine Entscheidung gegen Müller in der Startformation mit taktischen Überlegungen, dennoch ist das Thema Müller bei den Bayern längst zum Politikum geworden.

Denn Zuspruch erhält der Weltmeister nicht nur von den Teamkollegen Manuel Neuer («Ich finde es okay, dass er von Anfang an spielen will») oder Mats Hummels («Er ist einer, der die Mannschaft besser macht»), sondern vor allem vom Staff der deutschen Nationalmannschaft. Bundestrainer Joachim Löw liess Müller als Captain auflaufen und Manager Oliver Bierhoff übte sogar Druck auf die Bayern-Bosse aus: «Ich würde mir wünschen, dass man als Verein sagt: Der muss Spielen. Er hat unheimliche Qualitäten und gerade als Stürmer braucht man ein bisschen Rückendeckung.» Und: «Für ihn kommen die Leute ins Stadion.»

Genau im letzten Satz von Bierhoff liegt die Krux für Hoeness und Rummenigge: Auf der einen Seite gilt es, die Linie zu wahren, dass der Trainer allein über Taktik und Aufstellung entscheidet. Sowieso wird sich der erfahrene Ancelotti kaum in seine Angelegenheiten reinreden lassen – das tat er schon in Madrid nicht, als Bale im zentralen offensiven Mittelfeld statt des rechten Flügels hätte spielen sollen. Andererseits ist Müller eines der letzten Gesichter des Vereins, nachdem Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger die Säbener Strasse verlassen haben. Er ist in Zeiten der globalen Vermarktung die letzte Identifikationsfigur. Auch deshalb sagte Rummenigge einmal: «Wir müssten ja von allen guten Geistern verlassen sein, wenn wir Müller abgeben würden.»

Entfernt sich der Verein endgültig von seiner Basis?

Die Frage ist aber, wie Müller mit seiner für ihn nicht zufriedenstellenden Situation umgeht. Unter keinem Trainer war Müllers Einsatzquote geringer als unter Ancelotti. Und zu allem Überfluss dürfte der im Sommer verpflichtete James Rodriguez, ebenfalls ein offensiver Mittelfeldspieler, am Samstag gegen Hoffenheim (18.30 Uhr) zum ersten Mal in einem Pflichtspiel zum Bayern-Kader gehören. Erstmals scheint die Gefahr real, dass der letzte echte Bayer den deutschen Rekordmeister verlässt – und mit ihm der Verein seine Basis endgültig. (fas)

Erstellt: 07.09.2017, 20:07 Uhr

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