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Belgien: Eine Mannschaft, die viele Gräben überwindet

Belgiens Liga wird von einem Skandal erschüttert. Aber das Nationalteam ist Grund für Nationalstolz.

Ein Team gespickt mit Topstars – Axel Witsel (links) und der gegen die Schweiz abwesende Kevin de Bruyne (2. v. r.) sind nur zwei davon.
Ein Team gespickt mit Topstars – Axel Witsel (links) und der gegen die Schweiz abwesende Kevin de Bruyne (2. v. r.) sind nur zwei davon.
Keystone

Natürlich wurden auch sie von den Medien befragt zu den Ungeheuerlichkeiten, die sich im belgischen Clubfussball zugetragen haben sollen. Und tatsächlich, zumindest ein Nationalspieler Belgiens hatte eine dezidierte Meinung zum Geschäftsgebaren einiger Spielervermittler. «Die Praktiken sind sehr nahe beim Menschenhandel, dem Drogenhandel oder der Prostitution», sagte Vincent Kompany. Und der Mann von Manchester City hätte sogar eine Idee, wie Schwarzgelder und Betrug verhindert werden könnten: «Macht doch einfach alle Zahlungen bei Transfers öffentlich.»

Vielleicht hat die belgische Liga ja zugehört, die gerade durchgeschüttelt wird. Ihr sind die meisten Nationalspieler längst entwachsen. Nur gerade 2 von 25 für die Partie gegen die Schweiz aufgebotenen Spielern spielen noch in der Pro League.

Auch wenn Kevin De Bruyne verletzt fehlt, sind die «Roten Teufel» noch immer gespickt mit Spielern, die bei den grössten Clubs der Welt unter Vertrag stehen. Chelseas Eden Hazard entzückt gerade als bester Torschütze die englische Premier League. Die Verteidiger Vermaelen, Kompany und Alderweireld spielen bei Barcelona, Manchester City und Tottenham. Und so geht die Reihe weiter und weiter.

Eine Niederlage in 28 Spielen

Es ist mehr als eine blosse Laune der Fifa-Weltrangliste, wenn sie Belgien auf dem ersten Platz führt. Zwar haben die Belgier den WM-Halbfinal gegen Frankreich verloren. Aber das war auch die einzige Niederlage, die dieses Team seit September 2016 in 28 Partien eingesteckt hat.

Der dritte Platz an der WM hat im Land eine Euphorie ausgelöst. Und das nicht nur wegen des sportlichen Erfolgs. Sondern auch, weil diese Mannschaft viele Gräben überwindet, die die belgische Gesellschaft sonst trennen. 12 der 23 WM-Spieler haben einen Migrationshintergrund. Sie sind der Beweis dafür, dass die Einwanderung Belgien mehr bringt als nur grosse Herausforderungen und soziale sowie religiöse Spannungen.

Nicht zuletzt gibt es im Team auch keinen Konflikt zwischen Niederländisch sprechenden Flamen und frankofonen Wallonen, wie er das Land immer wieder lähmt. Früher seien die Spieler beim Essen streng nach Sprachregion getrennt gesessen, erzählt Ex-Nationalspieler Marc Wilmots. Heute sprechen alle Englisch miteinander.

An der WM wurde der grosse Wurf verpasst. Nun lautet das Ziel «Europameister 2020». Auf dem Weg dorthin soll die Nations League gewonnen werden. «Auch wenn das keine grossartige Trophäe ist», so sagt das Hazard, «und dazu müssen wir die Schweiz bezwingen.»

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