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Bittere Bestätigung

GC scheidet im Cup nach einer miserablen Leistung beim drittklassigen Nyon aus – das 1:3 zeigt, dass nach dem Absturz im Frühjahr auch in dieser Saison noch nicht viel zusammenpasst.

Entsetzt über den eigenen Auftritt: Die GC-Spieler Bajrami und Holzhauser. Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)
Entsetzt über den eigenen Auftritt: Die GC-Spieler Bajrami und Holzhauser. Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

Schön sieht es nicht aus am Ende im Centre sportif de Colovray. Eher gehässig. Zuerst muss sich Thorsten Fink ein Megafon schnappen, um beruhigend auf die GC-Fans einzuwirken. Und als dann der Trainer und die Spieler mit hängenden Köpfen davonschleichen und ein paar Leibchen am Boden liegen lassen, wirkt das auch nicht besänftigend. Einer der Fans kickt die Leibchen wutentbrannt weg.

Es ist ein schrecklicher Nachmittag für die Grasshoppers. Dass sie in Nyon 1:3 verlieren und im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups ausscheiden, ist schon schlimm genug. Aber wie sie verlieren, das ist das besonders Schlimme. Ihre Leistung ist miserabel.

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Mobulu verwandelt den Penalty sicher

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«Wir geben unser Bestes», sagt Thorsten Fink später, «heute hat es nicht so ausgesehen. Das tut uns leid.»

Nyon ist ein Verein aus der Promotion League, sein Star der Stunde heisst Karim Chentouf. In acht Meisterschafts- und Cupspielen bis zu diesem Sonntag hat er zehn Tore erzielt. Vier Minuten braucht er gegen GC, um zum elften Mal zu treffen. Er profitiert von Cédric Zesigers schlechtem Stellungsspiel. Der Anfang ist symptomatisch für das, was der vermeintliche Favorit in den insgesamt 95 Minuten zu bieten hat.

Keine Ausrede

Natürlich fehlen Fink ein paar Spieler. Sigurjonsson ist verletzt gemeldet, wie Nathan, Jeffrén, Tarashaj und auch Cvetkovic. Und doch ist das keine Ausrede für diesen Auftritt gegen eine Mannschaft, die ihren Alltag mit Spielen gegen Cham, Bavois oder Münsingen verbringt. Es ist vielmehr eine Bestätigung dafür, dass bei den Zürchern auch in dieser Saison noch einiges nicht zusammenpasst.

Marco Djuricin gelingt wohl der schnelle Ausgleich, aber sein Treffer ist ein Muster ohne Wert. Die Grasshoppers agieren gehemmt, langsam und verunsichert, sie haben ein Zweikampfverhalten, das «einfach schlecht» ist. Es sind alles Bestandteile aus der späteren Analyse von Fink.

Der Deutsche sagt auch: Seine Mannschaft habe viel zu verlieren gehabt und der Gegner viel zu gewinnen. Das habe er von Anfang an gespürt. Aufregend ist diese Erkenntnis nicht. Im Cup ist das halt so, wenn ein Unterklassiger auf einen Oberklassigen trifft, zumal der noch der Rekordsieger des Wettbewerbs ist. In der Pause versucht Fink seine Spieler wachzurütteln. Seine lauten Worten verfehlen offensichtlich ihre Wirkung.

«Wir sind verdient raus­geflogen.»

Mathias Walther, Sportchef

Petar Pusic vertändelt nach gut einer Stunde und ohne Not den Ball im Mittelfeld, danach will Zesiger klären, aber er schiesst Pusic an. Der Ball landet im Lauf von Hugo Fargues, und der trifft zum 2:1. Zur Nachlässigkeit kommt Slapstick dazu. Danach sei das Selbstvertrauen geschwunden, sagt Sportchef Mathias Walther. In der Nachspielzeit stoppt Robin Kamber einen Konter mit einem Foul. Es gibt die Rote Karte für ihn und einen Elfmeter für Nyon, den Ridge Mobulu verwertet. «Wir haben unseren Job nicht gemacht», bilanziert Walther, «wir sind verdient raus­geflogen.»

Nach dem Absturz der letzten Saison auf den 9. Platz nutzten die Verantwortlichen bei GC den Sommer, um zurück zum Optimismus zu finden. Sie holten Runar Mar Sigurjonsson und Nabil Bahoui zurück, beide letzten Winter noch von Murat Yakin vertrieben. Dazu gewannen sie Raphael Holzhauser von Austria Wien. Shani Tarashaj kehrte nach zwei verlorenen Jahren im Ausland (Frankfurt und Everton) heim, um auf dem Campus am Comeback zu arbeiten. Fink sagte: «Die Europa League ist unser Ziel, ganz klar.»

Finks triste Bilanz

Und jetzt? Nach nur acht Wochen in der neuen Saison? Ist GC Neunter in der Super League und blamiert im Cup. Finks Bilanz sieht nicht strahlend aus, seit er am 28. April die Nachfolge des verschmähten Yakin antrat. Für sich selbst nimmt er zwar in Anspruch, dass die fünf Spiele der alten Saison für ihn nicht zählen, das sei nicht seine Mannschaft gewesen.

Am Eindruck ändert sich trotzdem wenig: Diese Saison hat er in Liga und Cup von acht Spielen fünf verloren und nur zwei gewonnen, zuerst gegen das viertklassige Buochs, dann gegen ein verunsichertes Sion. Und auch wenn er seine Gesamtbilanz seit dem April nicht gerne vorgerechnet bekommt: Es sind 3 Siege, 2 Remis und 8 Niederlagen aus 13 Spielen.

Sportchef Walther will dieses 1:3 in Nyon nicht schönreden. Für eine tiefergehende Bewertung dieser Niederlage gibt er sich zwar noch eine Nacht lang Zeit. Aber egal, was bis heute dabei herauskommt: Die Reaktion muss nächsten Samstag erfolgen. Dann geht es im Letzigrund gegen Xamax, das ist der punktgleiche Tabellenletzte. In der Woche darauf folgen die Partien gegen das unbequeme Thun und beim unberechenbaren St. Gallen.

Die Mannschaft ist gefordert, nachzuweisen, dass sich die Verantwortlichen, allen voran Sportchef und Trainer, in ihrer Qualität nicht grundlegend getäuscht haben. «Jeder muss verstehen, um was es geht», sagt Walther, «wir müssen zurück in die Spur.» Und wenn die Spieler das nicht verstanden haben? «Dann geben wir ihnen das zu verstehen.»

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