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Blatters neue Waffe

Jérôme Champagne kandidiert fürs Fifa-Präsidium. Der Franzose macht sich damit zum Gehilfen in Sepp Blatters Kampf gegen dessen Widersacher Michel Platini.

Ein weiterer Kandidat: Jérôme Champagne möchte gegen Missstände im Fussball ankämpfen.
Ein weiterer Kandidat: Jérôme Champagne möchte gegen Missstände im Fussball ankämpfen.
AFP
«Ich will mich in Position bringen, um bereit zu sein, wenn Blatter wirklich aufhört»: Jérôme Champagne. (Archivbild AFP)
«Ich will mich in Position bringen, um bereit zu sein, wenn Blatter wirklich aufhört»: Jérôme Champagne. (Archivbild AFP)
Gianluigi Guercia, AFP
Das dankbare Opfer des Machiavellisten Blatter: Michel Platini (r.).
Das dankbare Opfer des Machiavellisten Blatter: Michel Platini (r.).
Fabrice Coffrini, AFP
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Seine Kandidatur für das Fifa-Präsidium kündigte Jérôme Champagne mit grossen Worten an: «Ich möchte die Fifa demokratisieren.» Für den 55-jährigen Pariser ist klar, dass es mit dem Fussballverband nicht so weitergehen kann. Es gebe die Möglichkeit, entweder nur zuzuschauen oder etwas zu tun: «Ich habe mich entschieden, zu handeln», sagte Champagne heute in einem Saal im Londoner West End.

Sein Misstrauen gegenüber der Fifa ist nicht neu. Seit einem Jahr liebäugelt der ehemalige Diplomat nun schon mit einer Kandidatur für den obersten Posten des Weltfussballs. Champagne stört sich vor allem am «Ungleichgewicht» – ein Wort, das er im Zusammenhang mit dem Fussball immer wieder verwendet. Es ist sein Oberbegriff dafür, dass die Grossen immer grösser und die Kleinen immer kleiner werden, ob das nun Konföderationen, Landesverbände, Ligen oder Vereine sind.

Nicht mehr homogen

Der Fussball ist für ihn heute nicht mehr «homogen», wie er letzten Dezember dem «Tages-Anzeiger» sagte. Der Tabellenletzte in England erhalte vom Fernsehen doppelt so viel wie der Meister in Deutschland. Den Fussball sieht Champagne mehr und mehr privatisiert, durch Geschäftsleute aus Russland, Katar oder den USA. Darum fragt er: «Will man, dass 15, 20 Clubs mit den grössten Finanzen den Fussball bestimmen? Dass die Elite über den Rest der Welt bestimmt? Oder will man den Glauben an die politische Macht der Fifa stärken?»

Trotz seiner Kritik ist der ehemalige Fifa-Funktionär gegenüber dem amtierenden Präsidenten Sepp Blatter voll des Lobes, attestiert ihm gar eine «fantastische Arbeit». Als Beispiel für die guten Absichten des Schweizers nennt er dessen Entwicklungsprogramme: «Es geht um Visionen. Man braucht den Willen und die Überzeugung, dass etwas möglich ist.» 30 Prozent ihrer Gelder steckt die Fifa schon jetzt in die Entwicklungsprogramme. Champagne möchte aber auch, dass die grossen Ligen und Vereine sich daran beteiligen.

Nur wenn Blatter zurücktritt

Champagne bestreitet, dass er dem Walliser das Amt streitig machen will. «Ich möchte mich in Position bringen, um bereit zu sein, wenn Blatter wirklich aufhört», sagte der Franzose schon im Dezember. Aufgrund des loyalen Verhältnisses kam die Vermutung auf, dass Blatter in die Pläne des Franzosen eingeweiht sei. Im Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» («FAZ») bestreitet Champagne, seine Kandidatur könnte nur die Vorhut für den aktuellen Fifa-Chef Blatter sein, um dessen grösstem Widersacher Michel Platini zu schaden: «Absoluter Nonsens. Ich bin nicht Blatters Torpedo. Ich helfe niemandem und will Platini auch nicht schaden. Ich verteidige meine Ideen und fordere eine Debatte.»

Vieles deutet darauf hin, dass Uefa-Chef Platini seine Karriere mit der Fifa-Präsidentschaft krönen will. Zwischen ihm und Blatter kam es immer wieder zu grossen Indifferenzen – vor allem aufgrund der umstrittenen WM-Austragung in Katar, die Platini vorantrieb. Bislang schwiegen sich Blatter sowie Platini darüber aus, ob sie für die Wahl der Fifa-Präsidentschaft im Jahr 2015 kandidieren möchten. Der Franzose wird tunlichst abwarten, bis Blatter seine Absichten offengelegt hat. Denn selbst ihm muss bewusst sein, dass er in einer direkten Konfrontation mit dem Walliser chancenlos ist.

Platini unter Zugzwang

Durch die Kandidatur von Champagne gerät Platini nun allerdings unter Zugzwang. Platini müsste sich nun schnellstens zu seinem Interesse auf den Fifa-Chefposten bekennen, schreibt die FAZ. Andernfalls geriete er in einen Rückstand gegenüber dem neuen Herausforderer.

Obwohl Champagne seit 2010 nicht mehr als Fifa-Funktionär amtiert, ist seine Verbindung zum Verband nie abgebrochen. Das zeigt sich auch am Wohnort des Franzosen, der mit seiner Familie in Zürich-Witikon, umweit des Fifa-Hauptsitzes, residiert. Seine Verbindung zur Schweiz ist gar derart stark, dass sich Champagne eine Einbürgerung überlegt – weil er das Land liebe.

Gute Neuigkeiten also für die Schweiz: Ob sich bei der Wahl Champagne oder Blatter durchsetzen wird; das höchste Amt des Fussballs bliebe vermutlich in Schweizer Hand.

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