Blau-weisse Gesellschaft

Nobel, bürgerlich selbstbewusst und erfolgreich – und was dies alles mit GC zu tun hat.

Der Kolumnist hört in einem Lokal ein Gespräch, das ihn an die glanzvollen Zeiten beim Grasshopper Club erinnert.

Der Kolumnist hört in einem Lokal ein Gespräch, das ihn an die glanzvollen Zeiten beim Grasshopper Club erinnert. Bild: Nick Soland/freshfocus

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Sie trafen sich in einem kleinen Lokal in Zürich, irgendetwas wurde gefeiert, einige brachten Geschenke, es war eine geschlossene Gesellschaft. Es waren, das sah man ihnen an, Geschäftsmänner und Geschäftsfrauen. Die Männer blieben unter sich, und die Frauen standen daneben, alle Männer um die Bar herum, einem wurde gratuliert, offenbar wussten alle, weshalb.

Sie redeten. Zuerst über den Abend zuvor, sie schienen alle vor dem TV gesessen zu haben, die Schweizer Fussballer hatten gegen Dänemark gespielt. Der Petkovic hätte doch einen Verteidiger für Xhaka bringen sollen, und der Sommer habe unglücklich ausgesehen beim 3:3. Dann wurde über den neuen GC-Präsidenten geredet, über den Steve, einer kannte ihn offenbar persönlich, er erzählte Details, einer wusste auch den Namen all seiner Vorgänger, alle seien doch untauglich gewesen. Schlimm sei es, ein tiefer Fall.

Dann waren die Wahlen das Thema, die Anwesenden gehörten nicht zu den Siegern des Wochenendes zuvor, so wie sie redeten. Sie spotteten über diese Grünen, aber das ändere wieder. Im Herbst bei den nationalen Wahlen werde es wieder anders sein, sagte einer, und damit war die Politik besprochen.

Jetzt ging es um Golf, und den letzten Urlaub auf den Malediven und den nächsten in Miami, und bald, sagte einer, fliege er rasch nach Dubai, zum dritten Mal in diesem Jahr, nur für zwei Tage. Dann redeten sie über die Börsenkurse und den Brexit. Und beim Züri-Fäscht hat einer eine Terrasse, ihr seid eingeladen, sagte er, die Sicht von oben auf das Feuerwerk sei wunderbar. Und gestern hätten sie GV gehabt und dabei zwei Frauen in den Vorstand gewählt, sie klopften sich gegenseitig auf die Schulter. Einer hatte kürzlich eine Präsentation vor 100 Leuten, hervorragend sei es gewesen, anspruchsvoll, lobt er sich selber. Einer sagte, er sei zuvor im Stau gestanden, ein anderer habe seinen Maserati irgendwohin stellen müssen, es gebe sicher eine Busse, überall in diesem rot-grünen Zürich bekomme man ständig Bussen. Ein Prost auf dich.

Und dann war das Thema wieder GC. Es wäre besser, sie würden absteigen, sagte einer, nein, das wäre das Ende, ein anderer, und überhaupt: Fussball in der Schweiz, das bringe sowieso nichts. Früher, da waren wir eine Marke, er sagte wir und meinte GC.

Die Gesellschaft, an diesem Abend in diesem kleinen Lokal, zufällig getroffen und mitgehört, irgendwie erinnerte sie an das GC von einst, nobel, bürgerlich, selbstbewusst, etwas eitel. Und offenbar erfolgreich.

Erstellt: 02.04.2019, 13:52 Uhr

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