«Büne Huber? Sympathischer Kerl»

Im Interview spricht Christian Constantin über Schwalben, Schiedsrichter und Spielzeiten. Und er sagt, warum die Spieler stets das letzte Wort haben.

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Kennen Sie Büne Huber?
Wer?

Der Berner Sänger von Patent Ochsner. Er sagte kürzlich in einem Fernsehinterview, Fussball sei Pussy-Zeug.
(Lacht herzhaft). Scheint ein sympathischer Kerl zu sein. Ein Vergleich mit dem Eishockey ist schwierig, weil Fussball weltweit gespielt wird, in vielen verschiedenen Kulturen. Aber dieser Sänger hat schon recht. Die Mentalität im Fussball muss sich ändern.

Was meinen Sie?
Drei Dinge sind verabscheuenswert: die Hooligans, die Schwalben und das Zeitspiel. Die Hooligans sind nicht nur ein Problem des Fussballs, sondern ein gesellschaftliches. Schwalben würden sich mit einem Videobeweis bekämpfen lassen. Und wenn man nur noch die wahre Spielzeit misst, eine Partie dafür 60 oder 75 Minuten dauert, gäbe es auch kein Zeitspiel mehr.

Für mich gab es von klein auf immer nur Fussball. Warum genau, kann ich nicht sagen.

Manche sagen, Diskussionen, ob Tor oder nicht, Schwalbe ja oder nein, würden den Fussball reizvoller machen.
Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Fussball muss so korrekt sein wie nur möglich. Mich nervt, wenn jemand sagt: Das war halt ein Fehlentscheid des Schiedsrichters, aber es ist ja nur ein Fehler.

Was halten Sie generell von den Schweizer Schiedsrichtern?
Wir haben ein Problem. Der Fussball hat sich enorm entwickelt. Die Schiedsrichter sind auf ihrem Niveau stehen geblieben. Um die Regularität der Spiele ­gewährleisten zu können, benötigen wir bessere Schiedsrichter.

Was müsste man ändern?
Ab nächster Saison sollte jeder Super-League-Klub verpflichtet sein, zwei, drei junge Schiedsrichter auszubilden. Ich stelle mir vor, sie halbtags anzustellen. Dann können Sie mit unseren ­Juniorteams mittrainieren, sind konditionell auf der Höhe, leiten die Trainingsspiele und gewinnen so an Erfahrung.

Glauben Sie, so etwas lässt sich umsetzen?
Die Schiedsrichter sagen zwar immer, es müsste etwas gemacht werden, passieren tut aber nichts. Mit einem zehntägigen Trainingscamp auf den Kanaren und zwei, drei Zusammenzügen im Jahr ist es nicht getan. Denn der Rest der Zeit sind die Schiedsrichter auf sich allein gestellt, das geht nicht.

Sie haben eine grosse Passion für den Fussball. Warum?
Zu meiner Zeit spielte man im Sommer Fussball und im Winter Eishockey, oder man fuhr Ski. Aber für mich gab es von klein auf immer nur Fussball. Warum genau, kann ich nicht sagen.

Sie lassen sich Ihre Passion etwas kosten. Wie viel Geld haben Sie schon in den FC Sion investiert?
(Steht auf und holt A4-Blätter mit Excel-Tabellen). 52 349 046 Franken. Meine erste Zeit als Präsident nicht eingerechnet.

Haben Sie es nie bereut?
Nein.

Ist es als Super-League-Klub denn überhaupt möglich, eine ausgeglichene Rechnung zu ­präsentieren?
Schwierig. Nächstes Jahr müssen wir einen guten Fernsehvertrag aushandeln. Ohne diese Einnahmen kann der professionelle Fussball in der Schweiz nicht überleben. Der letzte TV-Vertrag war eine Dummheit. Man hat schlecht verhandelt, finanziell, aber auch punkto Anspielzeiten.

Inwiefern?
Sonntag, 13.45 Uhr, ist ein No-go. Leute aus Zermatt kommen um diese Zeit nicht zu einem Match nach Sion. Da verlierst du Ticketeinnahmen. Die Rechteinhaber um Cinetrade, Teleclub und Swisscom haben dagegen ein gutes Geschäft gemacht.

Momentan bekommen die Super-League-Klubs etwa 1,5 Millionen Franken im Jahr. Was schwebt Ihnen vor?
Wir benötigen jährlich 7 bis 8 Millionen. Das ist etwa so viel, wie die Vereine in Belgien erhalten.

Bei Sion wird kein Spieler geholt, den ich nicht will.

Können Sie sich vorstellen, in einen anderen Verein als den FC Sion zu investieren?
Nein. Ich bin im Wallis daheim. Ein solches Engagement muss von Herzen kommen. Ist man 300, 400 Kilometer von seinem Klub entfernt, ist es schwierig. Ich habe schon oft mit den Rhis-Brüdern von YB darüber diskutiert. Sie sind sportbegeistert, gute Kerle, aber wenn du in Zürich bist, ist das schon weit entfernt.

Was treibt Sie an? Das Ziel, nach 1997 wieder einmal Meister zu werden?
Nach dem Aufstieg 2006 mussten wir erst schauen, dass wir oben bleiben. Danach konnten wir Plätze in den Top 4 anvisieren. Nun wollen wir bis 2020 Meister werden. Aber Basel ist stark.

Sie sind bei Sion auch für die Transfers verantwortlich.
Nicht allein, aber kein Spieler wird geholt, den ich nicht will.

Wie gehen Sie vor?
Ich bin lange im Geschäft, da hast du mit der Zeit viele Kontakte. ­Interessiert mich ein brasilianischer Spieler, dann frage ich bei Ronaldinho nach. Oder ich unterhalte mich etwa mit Jean-Paul Brigger, der für die Fifa auch die U-20-WM verfolgt. Er hat mir Ebenezer Assifuah empfohlen.

Wie überzeugten Sie den früheren Bundesliga-Torschützen­könig Theofanis Gekas von einem Wechsel ins Wallis?
Gekas wollte ich vor zwei Jahren verpflichten. Wir hatten gute Gespräche, er entschied sich aber für ein Engagement in der Türkei. Als er gemerkt hat, dass dies ein Fehler war, hat er mich angerufen und gefragt, ob er zu Sion kommen dürfe. Jetzt ist er hier.

Sie wollten im Winter auch den 99-fachen brasilianischen Nationalspieler Robinho verpflichten.
Er ist ein lieber Kerl. Aber bei solchen Spielern ist oft das Umfeld das Problem. Wenn du heute einen guten Spieler im Team haben willst, musst du ihn aus Kostengründen selbst aufbauen. Wir haben mit Edimilson Fernandes oder Vincent Sierro vielversprechende Spieler im Kader.

Sie haben schon lange keinen Trainer mehr entlassen. Sind Sie altersmilde geworden?
Nein, nein. Ich habe Didier Tholot geformt. Er war Spieler in Bordeaux und am Ende der Karriere bei YB. Danach habe ich ihn geholt, und er machte die Trainerdiplome, ging dann fort. 2009 kam er zurück und gewann mit uns den Cup, aber er war noch kein kompletter Trainer. Seit seiner erneuten Rückkehr 2015 ist er deutlich weiter.

Hören Sie, für ein Team ist es überhaupt nicht schwierig, einen Trainer loszuwerden. Da reichen ein paar schlechte Spiele aus. 

Hat Tholot eine Garantie, dass er längerfristig bleiben kann?
Sein Vertrag läuft nächstes Jahr aus, aber ich halte viel von ihm. Gut möglich, dass er weiterhin bei uns bleibt. Er ist ein feiner Mensch, fleissig, bescheiden. Entscheidend ist aber, ob er Einfluss auf das Team hat oder nicht.

Wie meinen Sie das?
Marco Schällibaum ist ein guter Mensch. Aber als er Sion trainierte, kamen Spieler nach 10 Minuten zu mir und beschwerten sich. Nach 10 Minuten! Schällibaums Mentalität passte ihnen nicht.

Und Sie haben den Wunsch der Spieler erfüllt und Schällibaum entlassen.
Hören Sie, für ein Team ist es überhaupt nicht schwierig, einen Trainer loszuwerden. Da reichen ein paar schlechte Spiele aus. Nehmen wir das Beispiel St. Gallen. Wenn der Trainer um Mitternacht ein Straftraining ansetzt, kann der Schuss schnell nach hinten losgehen.

Dann haben die Spieler doch zu viel Macht.
Es ist ganz einfach, du kannst nicht Präsident oder Trainer sein ohne Spieler. Sie sind die Wichtigsten.

Erstellt: 23.04.2016, 11:15 Uhr

Constantins Gesichter

«Andiamo!», sagt Christian Constantin, «lasst uns anfangen.» Mit fast einstündiger Verspätung ist der Präsident des FC Sion zum Interviewtermin in Martigny-Croix, wo sowohl der Klub wie auch sein Architekturbüro ihren Geschäftssitz haben, erschienen. Nun aber ist der 59-Jährige bereit, loszulegen. Während des Gesprächs zeigt er viele Facetten: Er lacht und poltert, ist kollegial, jovial, fordernd. Er erklärt anhand von Tabellen und Statistiken, schreitet zum Flipchart, um die Entwicklung des Klubs seines Herzens darzustellen. Er hofft, bis 2020 mit Sion einen Meistertitel feiern zu können.

Christian Constantin und seine Gesichter. Einerseits gibt er sich beim Thema Schiedsrichter lösungsorientiert. Er sagt, er wäre bereit, drei hoffnungsvolle Unparteiische halbtags anzustellen und auszubilden, um das Niveau der Schiedsrichter in der Schweiz anzuheben. Anderseits scheut er sich nicht davor, wie nach YB - Sion (3:2) im März, bei dem die Walliser Fehler des Schiedsrichters erdulden mussten, den Unparteiischen frontal anzugreifen. Constantin kündigte damals an, Sascha Amhof wegen Betrugs anzuzeigen. Für sein zweifelhaftes Vorgehen wurde er mit 5000 Franken sanktioniert, gegen den Entscheid hat er rekurriert. «Der Schiedsrichter hat gesehen, dass Sulejmani betrogen hat. Er wollte das Vergehen mit einer Gelben Karte bestrafen. Dann hat er plötzlich seine Meinung geändert, aber es war nicht seine Entscheidung. Sie kam über sein Headset», sagt Constantin. Und: «Ich habe Beweise, jemand hat den Funk abgehört. Ich verlange von der Swiss Football League, dass sie zu diesem Vorfall Stellung nimmt.» Die Liga lässt über Medienchef Philippe Guggisberg ausrichten, nie solches Beweismaterial erhalten zu haben. Für sie ist das Thema erledigt, verhandelt wird einzig noch, ob die Busse für Christian Constantin bestehen bleibt. (dwu)

Zur Person

Am 7. Januar 1957 in Martigny geboren, bringt es Christian Constantin als Torhüter auf immerhin 2790 NLA-Minuten bei Xamax und Lugano. Als Unternehmer ist er allerdings erfolgreicher. Sein mit 22 Jahren gegründetes Architekturbüro, die Christian Constantin SA, beschäftigt fünfzig Mitarbeiter und kommt auf einen jährlichen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich. Zwischen 1992 und 1997 und seit 2003 ist Constantin Präsident des FC Sion. In dieser Zeit hat er bereits über 40 Trainer beschäftigt, die Walliser gewannen aber auch siebenmal den Cup und einmal den Meistertitel. dwu

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