Celestinis Comeback

Lausanne-Sport nähert sich der Super League – unter der Regie eines alten Bekannten.

Lausanne-Trainer Fabio Celestini. Foto: Keystone

Lausanne-Trainer Fabio Celestini. Foto: Keystone

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Der Applaus kommt von Herzen, das Publikum ist dankbar. Die Leute erheben sich von den Sitzen in der alten Pontaise, die Kälte ignorieren sie. Wie könnten sie auch anders bei diesem Schluss­bouquet? Das 2:1 für Lausanne fällt, erzielt vom Nordkoreaner Pak. Der 14. Saisonsieg ist ein besonders schöner, weil er gegen den FC Wil zustande gekommen ist, der von türkischen Investoren mit viel Geld alimentiert wird. Und weil der Vorsprung an der Spitze der Challenge League nach 21 Runden nun neun Punkte beträgt. Allein der Auftritt am Samstag belegt, dass wieder etwas heranwächst in Lausanne. Und das hat vor allem mit einem Mann zu tun: Fabio Celestini.

Seit März 2015 ist der 40-Jährige der Trainer, dem Spielinhalte so wichtig sind wie Resultate. «Es ist fundamental, immer einen Plan zu haben», sagt er, «ich will sicher nichts dem Zufall überlassen.»

Jetzt jubeln sie ihm zu, die Lausanner. Dabei ist es gar keine Selbstverständlichkeit, dass er überhaupt wieder zurück in der Heimat ist, wo er 1995 seine Laufbahn als Profi lancierte. 2010 kehrte er ein erstes Mal zurück: mit einem Rucksack, der sich im Ausland bei Troyes und Marseille, bei Levante und Getafe sowie in 35 Ein­sätzen mit der Nationalmannschaft gefüllt hatte.

Der «Kleine» im Nationalteam

Das alles änderte nichts an seinem Eindruck, dass er in der Landesauswahl nie den gleichen Status hatte wie andere. Er konnte Captain von Marseille sein und Stammspieler in der Primera División, er konnte Champions League spielen – im Kreis von Vogel, Müller, Yakin oder Chapuisat fühlte er sich meistens als «der Kleine», so sagt er das, «vielleicht war es ein Nachteil, dass ich weder für Basel noch für GC spielte».

Als er also vor gut fünf Jahren seine Karriere in Lausanne ausklingen lassen wollte, dauerte das bloss sechs Monate. Celestini überwarf sich mit Präsident Jean-François Collet und gab vor Weihnachten entnervt seinen Rücktritt. Im Frust sagte er damals, es gebe geeignetere Länder für ihn, um sich beruflich zu entfalten: Italien und Spanien.

Fortan kümmerte er sich um seine Trainerausbildung. Er fing damit in der Schweiz an, indem er sich bei Renens um die kleinsten Junioren kümmerte, und fuhr in Coverciano bei Florenz fort, bis er die Uefa-Pro-Lizenz besass. «Die Italiener sind in Sachen Taktik und Vorbereitung auf die Spiele weltweit top», sagt Celestini. Er war nun der lernhungrige Schüler, der im Theoriesaal sass und Arrivierten bei der Arbeit zuschaute. Er hospitierte bei Luciano Spalletti in St. Petersburg, bei Eusebio Di Francesco in Sassuolo und bei Marcelo Bielsa in Marseille, bevor Bernd Schuster ihn rief. Celestini wurde in Málaga Assistent jenes Trainers, unter dem er bei Levante und Getafe gespielt hatte.

Mehr und mehr wuchs die Lust, selber Chef zu werden.

Mehr und mehr wuchs die Lust, selber Chef zu werden. Im Sommer 2014 zog er nach Terracina, in eine Hafenstadt zwischen Rom und Neapel. Nach ein paar Monaten beim dortigen Viertligisten machte er seine erste unliebsame Erfahrung im Metier: Es kam zur Trennung. Aber in Lausanne war er nicht in Vergessenheit geraten. Alain Joseph meldete sich, inzwischen hatte er als Präsident das Sagen. «Bei einem Kaffee räumten wir mit der Vergangenheit auf», sagt der Clubchef. Celestini merkt an: «Manchmal spielt das Leben so. Jetzt bin ich wieder da.»

Und bald in der Super League? Ein Zögern, ein Lächeln, die Antwort: «Wenn wir noch 15-mal gewinnen, kann nicht mehr viel passieren.»

Erstellt: 21.02.2016, 22:09 Uhr

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