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Fussballstar als Helfer eines Drogenbarons?

An der Seite von Ronaldinho und Messi hat Rafael Márquez im Clubfussball alles gewonnen. Nun wird er mit einem Drogenkartell in Verbindung gebracht.

Sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Rafael Márquez.
Sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert: Rafael Márquez.
Keystone
Der Mexikaner ist vor allem als ehemalige Abwehrkante von Barcelona bekannt.
Der Mexikaner ist vor allem als ehemalige Abwehrkante von Barcelona bekannt.
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Mit Mexiko nahm er an vier Weltmeisterschaften teil – zuletzt an der WM 2014 in Brasilien. Der 38-Jährige bestritt bisher 142 Länderspiele, nur drei Fussballer spielten mehr Partien für die «Tri».
Mit Mexiko nahm er an vier Weltmeisterschaften teil – zuletzt an der WM 2014 in Brasilien. Der 38-Jährige bestritt bisher 142 Länderspiele, nur drei Fussballer spielten mehr Partien für die «Tri».
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Bei Barça war er der «Kaiser» – ein eleganter Innenverteidiger mit majestätischer Ausstrahlung. Ohnehin ist Rafael Márquez für Mexiko das, was Franz Beckenbauer lange in Deutschland verkörperte: langjähriger Captain der Nationalmannschaft, Vorbild für die Jungen, eine Lichtgestalt. Zudem war Márquez ein wichtiger Faktor bei den beiden Champions-League-Titeln mit Barça (2006 und 2009).

Und wie beim originalen «Kaiser» beginnt auch das Denkmal seines mexikanischen Pendants zu bröckeln. Die Vorwürfe gegen den ersten mexikanischen Champions-League-Sieger haben es in sich.

Jahrelange Ermittlungen

Gemäss dem US-Finanzministerium soll der 38-Jährige enge Beziehungen zum Drogenbaron Raúl Flores Hernández unterhalten. Auf Flores Hernández sind fünf Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt. Ihm wird neben den Drogengeschäften unter anderem Verstoss gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz und mehrfacher Mord vorgeworfen – zu den Opfern gehört der Politiker Rodolfo Torre Cantú, der im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas für das Amt des Gouverneurs kandidierte.

Jahrelang ermittelten die US-Behörden, nun wollen sie 22 mexikanischen Staatsbürgern und 43 Firmen – unter anderen dem Fussballverein Club Deportivo Morumbi, einem ehemaligem Zweitligisten – nachweisen können, in Geschäfte mit dem gesuchten Kartellboss verwickelt zu sein.

Im Fall von Márquez geht es insbesondere um acht Firmen, über die Flores Hernández sein Drogengeld gewaschen haben soll, rund 20 Jahre lang. Unter anderen die Rafael-Márquez-Fussballschule. Dank den Unternehmen habe Flores Hernández in Europa Deals mit dem berüchtigten Sinaloa-Kartell, angeführt vom mittlerweile inhaftierten Joaquin «El Chapo» Guzman, abschliessen können.

Washington setzt Flores Hernández und «El Chapo» im Ranking der gefährlichsten Verbrecher weltweit auf dieselbe Stufe. Als Konsequenz wurde Márquez’ Vermögen in den USA eingefroren. Dazu verliert der Fussballstar sein Visum, und US-Bürger dürfen keine Geschäfte mehr mit ihm machen. Gemäss der mexikanischen Sportzeitung «Esto» droht Márquez unter anderem eine Sperre durch die Fifa, wodurch er auch die WM 2018 verpassen könnte.

Márquez nimmt Stellung

Am Mittwochabend (Ortszeit) äusserte sich Márquez selbst zu den schweren Vorwürfen. «Es ist die härteste Partie in meinem Leben. Aber ich bin gewillt, alles zu klären und aus der Sache als der Rafa Márquez herauszukommen, den ihr alle kennt», sagte der sichtlich bedrückte Fussballer vor den anwesenden Medienvertretern.

Von den Vorwürfen distanzierte er sich bestimmt: «Ich dementiere jegliche Verbindung zum organisierten Verbrechen. Es ist eine sehr schwierige Situation, aber ich werde alle die Leute, die immer an meiner Seite waren, nicht enttäuschen.» Márquez versicherte zudem, er werde eng mit den Behörden zusammenarbeiten – die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft bestätigte später, dass Marquez freiwillig erschienen sei, um auszusagen. Fragen beantwortete er an der Pressekonferenz hingegen keine. Angesprochen darauf, ob er am Samstag mit seinem Club Atlas Guadalajara gegen América zum Erstligaspiel in Mexiko auflaufen werde, sagte er knapp: «Ich denke nicht.»

Bis zu 30 Jahre Gefängnis?

Neben Márquez erscheint auch der mexikanische Starsänger Julión Alvarez in der Liste des US-Finanzministeriums. Via Facebook nahm Alvarez Stellung: «Alles, was ich besitze, habe ich mir hart erarbeitet. Glücklicherweise habe ich das, was mir vorgeworfen wird, nicht nötig. Dasselbe gilt für Rafa Márquez. Kaum einer ist so lang im Profifussball wie er, denkt ihr wirklich, er hat solche Geschäfte nötig?»

Weiter sagte der Sänger: «Ich schicke meinem Freund eine dicke Umarmung. Wir sind bereit, in dieser Sache als Team zusammenzuarbeiten, falls nötig.» Und: «Für alle Vorwürfe gibt es eine Erklärung.» Diese Erklärung liess Alvarez jedoch noch weg.

Sollten sich die Vorwürfe gegen Marquez und Alvarez erhärten, drohen den beiden gemäss der mexikanischen Zeitung «Debate» eine Gefängnisstrafe von 10 bis 30 Jahren, dazu eine Geldstrafe von bis zu fünf Millionen Dollar.

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