Chancenlos im Emirates

Der FC Basel wird von einem entfesselten FC Arsenal phasenweise schwindlig gespielt, verliert sein zweites Champions-League-Gruppenspiel aber dennoch «nur» 0:2 (0:2).

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0:2 im Emirates klingt nach einer ehrenvollen Niederlage für eine Schweizer Mannschaft. Ist es auch, doch das Resultat ist – mit Verlaub – ein Witz. Obwohl Urs Fischer sein Team mit einer Fünferabwehr ultradefensiv aufs Feld geschickt hatte, wirbelte Arsenal vor allem ab der 20. Minute nach Belieben. Hätten die Engländer auch nur die Hälfte ihrer hochkarätigen Möglichkeiten genutzt, dann wäre der FCB mit 5:0 nach Hause gefahren. Aber die finale Geste brachte Arsenal oft nicht zustande. Allein Alexis Sanchez hätte drei Tore schiessen müssen, doch er fand seinen Meister immer wieder in Tomas Vaclik.

Es war an Theo Walcott, den augenfälligen Qualitätsunterschied auch auf die Anzeigetafel zu bringen. Der pfeilschnelle Flügelstürmer demonstrierte seine blendende Frühform mit einem Doppelpack innert 19 Minuten. Erst nickte der Engländer eine Flanke von Alexis Sanchez aus wenigen Metern über die Linie (7.) – Balanta hatte das Abseits aufgehoben, Xhaka und Traoré waren zu spät gekommen –, dann spielte er sich mittels Doppelpass wiederum mit Sanchez federleicht durch die überforderte Basler Hintermannschaft und bezwang Vaclik mit einem präzisen Flachschuss. Alles ging zu schnell und zu präzise.

Fischer sieht nicht alles schlecht

Den Eindruck mit der Überforderung teilt Fischer nicht. Der Basler Cheftrainer verteidigte die gewählte Taktik und meinte: «Phasenweise hat sie gut funktioniert, nämlich immer dann, wenn wir mit Druck verteidigt haben.» Er sprach damit die Phase nach dem ersten Gegentreffer an. Doch dann sei die Fünferkette auf einer Linie gestanden, was die Londoner zu ihren Angriffen eingeladen habe. «Und wenn man sie Tempo aufnehmen lässt, dann zeigen sie ihre Qualitäten.» Später gestand Fischer aber doch ein, in gewissen Situationen die Grenzen aufgezeigt bekommen zu haben. Von aussen sah das etwas anders aus. Arsenal war in allen Belangen überlegen.

Das Erstaunliche am Ganzen war, dass der FCB obwohl Arsenal auch nach der Pause den dritten Treffer suchte, zu einigen Chancen kamen. Je zweimal Birkir Bjarnason und der eingewechselte Andraz Sporar scheiterten aber an David Ospina oder am eigenen Unvermögen. Ob es nach einem Anschlusstreffer nochmals spannend geworden wäre, bleibt Spekulation. Gefühlt war der FCB meilenweit von einer Sensation entfernt. Vielleicht verleitete die gute Bilanz gegen englische Teams etwas zu überhöhten Erwartungen. Denn Arsenal läuft nicht so naiv ins Verderben wie Liverpool oder Chelsea in den vergangenen Jahren. Diese Mannschaft spielt keinen klassischen englischen Fussball, sondern vereint den Kombinationsstil von Barcelona mit britischer Dynamik. Diese Mischung wurde zur Lektion für die Basler. «Wir müssen die Lehren daraus ziehen», sagt Fischer.

Die Aussichten in der Gruppe A sind nicht allzu rosig. «Uns fehlen Punkte», stellt Fischer fest. Ob diese in der nächsten Partie in Paris eingefahren werden können, bleibt nach dem zweiten Gruppenspiel zu bezweifeln. Vielmehr scheint sich zu bestätigen, was zu befürchten war. Dass nämlich die schwache nationale Konkurrenz dem FCB schadet. Weil er in der Super League nie über 90 Minuten gefordert wird, ist die Umstellung auf das internationale Niveau ein grosser Schritt. Gegen ein Arsenal in starker Form ein zu grosser.

FC Arsenal - FC Basel 2:0 (2:0)
Emirates Stadium, London. - 59'993 Zuschauer. – SR Makkelie (NED). – Tore: 7. Walcott (Alexis Sanchez) 1:0. 26. Walcott (Alexis Sanchez) 2:0.
Arsenal: Ospina; Bellerin, Mustafi, Koscielny, Monreal (75. Gibbs); Cazorla, Granit Xhaka; Walcott (70. Oxlade-Chamberlain), Özil, Iwobi (70. Elneny); Alexis Sanchez.
Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Taulant Xhaka, Balanta, Traoré; Bjarnason (79. Bjarnason), Zuffi (71. Elyounoussi), Fransson; Steffen, Doumbia (57. Sporar).
Bemerkungen: Arsenal ohne Coquelin (verletzt), Giroud (gesperrt), Mertesacker, Ramsey und Welbeck (alle rekonvaleszent), Basel ohne Akanji, Janko (beide rekonvaleszent) und Serey Die (krank). Verwarnungen: 21. Suchy (Foul). 85. Elyounoussi (Foul).
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.09.2016, 23:48 Uhr

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