Club der Propheten

Das Team von Thorsten Fink verliert auch sein drittes Meisterschaftsspiel, 2:4 gegen Basel. Von einer Krise will aber niemand sprechen.

Thorsten Fink und GC schon in der Krise.

Thorsten Fink und GC schon in der Krise. Bild: Melanie Duchene/Keystone

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In Stephan Anliker, von Beruf Architekt, wohnt manchmal ein Prophet. Es war das Wochenende vor dem Saisonstart, als der GC-Präsident der NZZ erzählte: «Wenn wir nach drei Spielen null Punkte haben sollten, wäre das nicht aussergewöhnlich.»

Nun sind drei Spiele gespielt, GC hat null Punkte, ein Torverhältnis von 2:8 und ist Tabellenletzter. Und: Es ist tatsächlich nicht aussergewöhnlich. Die Mannschaft hat zwar Talent und Qualität, doch sie wirkt immer wieder kopflos und fahrig, in der Defensive anfällig, in der Offensive harmlos.

«Schaad, chas nöd wie früehner si»

Da hilft es auch nicht, dass GC am Samstag gegen Krisenclub Basel spielen darf. Dieser hat seit Donnerstag einen neuen Trainer, den man im GC-Land ganz gut kennt: Marcel Koller, während 26 Jahren Spieler und Trainer des Clubs. Die Fans spannten ob der Gelegenheit zwei Spruchbänder, sie waren getränkt in einen Kübel voller Wehmut an vergangene Zeiten: «Schaad, chas nöd wie früehner si.» Und: «Früehner e Legende gsi.» Darin lag auch eine Kritik an Koller, der nicht über die Gleise ging, sondern nach Basel, zum Feindbild aus guten Zeiten, als die GC-Welt noch aus Siegen und Pokalen bestand.

Es ist ein Krisenspiel mit zwei Trainern, die den gegnerischen Club kennen. Auch Fink war mal beim Gegner, von 2009 bis 2011, letztes Jahr wäre er gerne nach Basel zurückgekehrt, doch Raphael Wicky kam ihm zuvor. Fink und Koller, zwei also, die sich Tipps über den Arbeitsort des anderen geben könnten. Machen sie natürlich nicht – da sind sie ganz Profis –, ein Handschlag vor dem Spiel, und rein geht es in die Partie, die das Leben der beiden besser machen soll.

Fink hadert

Nur, das Leben von Fink wird bald schlechter. Seine Mannschaft ist sofort unter Druck, seine Spieler stehen zu weit von den Baslern entfernt, überlassen ihnen Räume, die diese gekonnt durchdringen. Selbst als beim Stand von 0:2 der Basler Cümart vom Platz muss, wird es nicht besser – Basel schiesst noch einmal zwei Tore. Fink sagt: «Es kann ja nicht sein, dass wir erst nach dem 0:4 zu kämpfen beginnen.» Der Grund zu diesem Ärgernis will dem Trainer nach dem Spiel nicht sofort einfallen, es brauche dafür Analysen, und, ja, vielleicht habe man zu viel Respekt gezeigt. Ziel wäre gewesen, möglichst lange die Null zu halten, damit in den Basler Köpfen die Gedanken an die Krisentage zu wuchern beginnen. Dieses Ziel verliert nach 8 Minuten an Bedeutung: Zuffi trifft.

Zum Auftritt von GC passt auch, dass sich Tarashaj und Djuricin in der 92. Minute um den Ball für den Penalty zanken. Djuricin gewinnt das Duell – und scheitert an Omlin. Weil dieser auch schon den Penalty von Sigurjonsson entschärft hat, sitzt Fink nach dem Spiel genervt an der Pressekonferenz und muss zuhören, wie Koller sich an seinem Premierensieg erfreut.

Finks rhetorisches Geschick

Es ist auch der Zeitpunkt, in dem Fink gefragt wird, ob er mit seiner Mannschaft in einer Krise stecke. Nun hat Fink seinen besten Moment des Abends, er offenbart sein ganzes rhetorisches Geschick. Er habe die ganze Saison im Kopf, nicht nur drei Spiele. Es brauche einfach Zeit für Automatismen: «Das geht nicht durch Reden, sondern durch Arbeit.» Aus Fink sprach die Gelassenheit. Sie muss ansteckend sein, denn auch sein Goalie Heinz Lindner relativiert in finkscher Manier. Sie hätten gewusst, dass der Start mit den Gegnern YB, FCZ und Basel schwer werden würde, darum könne man nun nicht von einer Krise sprechen, denn: «Wir haben in jedem Spiel gute Ansätze gezeigt.»

Prophet Anliker hat also recht behalten, drei Niederlagen sind bei GC nichts Aussergewöhnliches. Er sagte damals auch: «Für mich zählen diese Partien quasi separat.» So muss man wohl auch seinen schwungvollen Gang die Tribünentreppen hinunter deuten, als die Niederlage feststand. Anliker sagt nämlich auch: Danach komme die wichtige Zeit, dann müsse die Mannschaft zeigen, was sie kann. Der Mann glaubt an seine Zielvorgabe: das europäische Geschäft.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.08.2018, 23:23 Uhr

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