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Da sagt der FCZ-Sportchef lieber nichts

Der FC Zürich ist mit einem Punkt aus drei Spielen miserabel ins neue Jahr gestartet. Ihm fehlt die Fähigkeit, eine Krise zu bewältigen.

Wie weiter? Von Sportchef Bickel (links) und Trainer Magnin sind dringend Lösungen gefragt. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)
Wie weiter? Von Sportchef Bickel (links) und Trainer Magnin sind dringend Lösungen gefragt. Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)

Am Montag sagt Thomas Bickel zu. Am Donnerstag, knapp zwei Stunden vor dem Gesprächstermin, sagt der Sportchef des FC Zürich das Gespräch wieder ab: «nach reiflicher Überlegung».

Bickel schweigt also lieber. Und sagt so doch sehr viel darüber, in welchem Zustand sich der FCZ derzeit wieder einmal befindet. Es ist eigentlich so wie immer, seit Ludovic Ma­gnin Trainer der Zürcher ist: Immer dann, wenn die Resultate darauf hoffen lassen, dass sich das Team endlich gefunden hat, kommt der Rückschlag. Und der Club scheint weiterhin keine Lösung für das Problem zu finden.

Was für Aussenstehende ebenso faszinierend ist, wie es einen Sportchef wie Bickel frustrieren muss: Die Wellenbewegungen sind nicht nur bei den Resultaten zu beobachten. 2020 ist jedes Spiel des FCZ die reinste Achterbahnfahrt. Beim 2:3 gegen Luzern werfen die Zürcher die Partie in weniger als einer Viertelstunde fort. In Sitten dominieren sie beim 1:1 das Mittelstück, sind aber am Anfang und am Ende der Partie völlig überfordert. Und zuletzt gegen Basel – gut, da ist es dann eigentlich nur noch eine ganz, ganz lange Höllenfahrt ins 0:4.

Die Diagnose ist rasch gestellt: Dem FCZ fehlt unter Magnin die Resilienz. Also die Fähigkeit, eine Krise zu bewältigen – und sie womöglich gar als Chance zu nutzen, um sich zu verbessern.

Zwar sagt Magnin nach der Niederlage gegen den FCB: «Wir kennen das von der Hinrunde. Die Mannschaft wird zurückkommen.» Aber dieser Aussage widerspricht die langfristige Tendenz: Die zeigt keineswegs auf, dass das Team unter seinem Trainer Fortschritte macht, die von kurzen Rückschlägen begleitet werden. Es ist eher umgekehrt: Lange Phasen der Stagnation werden dann und wann von einem kurzen Aufschwung unterbrochen.

Kann gar nicht mehr hinsehen: Trainer Ludovic Magnin. (Bild: freshfocus/Andy Müller)
Kann gar nicht mehr hinsehen: Trainer Ludovic Magnin. (Bild: freshfocus/Andy Müller)

Als Magnin den FCZ vor fast exakt zwei Jahren von Vorgänger Uli Forte übernimmt, liegt die Mannschaft auf Rang 3. Mit Magnin endet die Saison auf Platz 4 – aber immerhin mit dem Cupsieg. Ein Jahr später ist es Rang 7. Im Moment drohen die Zürcher gerade wieder den Anschluss an die Europacup-Plätze zu verlieren. Acht Punkte beträgt der Rückstand auf das drittplatzierte Basel. Der Weg nach Europa via Cupsieg ist seit dem 0:4 im Achtelfinal bei YB nicht mehr möglich. Der FCZ muss hoffen, dass Basel oder YB den Cup gewinnt, damit Rang 4 noch für die Europa League berechtigt. Und selbst der droht bei einer Niederlage gegen den direkten Konkurrenten Servette am Sonntag zu entgleiten.

Das ist es, was dem FCZ besonders zu denken geben muss: dass ihm mit Servette und vor allem St. Gallen zwei Clubs mit tieferen Budgets voraus sind. Beide Konkurrenten treten mit einer Stilsicherheit auf, von der der FCZ nur träumen kann. Sie stehen für schnelles Umschalten, freches Gegenpressing. St. Gallen schiesst die meisten Tore der Liga – Servette erhält die wenigsten.

Der FCZ wirkt wie ein Haus im Bau, bei dem sofort die Ostmauer einstürzt, wenn endlich der Westflügel repariert scheint. Und hat das Bad warmes Wasser, fällt garantiert der Strom aus.

Wofür die Zürcher stehen? Sie haben bislang die zweitmeisten Gegentore der Liga erhalten. Mehr gesicherte Informationen über das generelle Auftreten dieser Mannschaft gibt es nicht.

Das hängt mit dem Trainer zusammen, der trotzdem eben erst einen neuen Zweijahresvertrag unterschreiben durfte. Es hat aber auch damit zu tun, wie diese Mannschaft aufgebaut ist. Der FCZ wirkt wie ein Haus im Bau, bei dem sofort die Ostmauer einstürzt, wenn endlich der Westflügel repariert scheint. Und hat das Bad warmes Wasser, fällt garantiert der Strom aus.

Im Herbst rüstete Bickel im fast letzten Augenblick mit Aiyegun Tosin den Sturm auf – und er holte mit Pa Modou einen Linksverteidiger, dem er wenige Monate zuvor wegen seines fragilen Körpers keinen Vertrag mehr geben mochte. Mit diesem Gerüst spielte sich der FCZ auf Rang 4 hoch – Platz 3 in Griffdistanz.

Doch jetzt ist Tosin in einer Schaffenskrise, und Pa Modou fehlt erneut verletzt. Sein kurzfristig verpflichteter Ersatz Mads Pedersen erlebt in Zürich einen Fehlstart, den man seinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Gegen Basel wird er bereits nach einer halben Stunde vom Feld geholt.

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Im Abwehrzentrum wird trotz seiner erst 18 Jahre Becir Omeragic schmerzlich vermisst, der unter Migräne-Anfällen leidet. Und im Zentrum fehlt Toni Domgjoni (21) und Simon Sohm (18) die Abgeklärtheit, um ein Spiel zu beruhigen, wenn der Gegner Druck aufsetzt.

Kurz: Der FCZ hat derzeit eine Mannschaft in Schieflage. Üblicherweise liegt es am Trainer, für Stabilität zu sorgen. Magnin hat darum zu Wochenbeginn die Mannschaft länger und noch härter trainieren lassen. Er hat mit ihr ein intensives Videostudium betrieben. Nur an einem wird er nichts ändern: an seiner Art, wie sie Fussball spielen soll. Er sagt: «Ich habe schon von meinen Eltern immer gehört: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.»

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